Schweiz kämpft gegen Corona-Lockdown

Gesundheitswesen erreicht Belastungsgrenze. Bekanntgabe von Slowdown-Maßnahmen am Mittwoch.
Wien Die eidgenössische Regierung überließ es am Dienstag Experten, den Ernst der Lage zu verdeutlichen: Es sei keine Zeit mehr zu verlieren, redete Martin Ackermann neuen Beschränkungen das Wort. Ackermann leitet den wissenschaftlichen Beirat zur Bewältigung der Pandemie. Heute will die Regierung verkünden, was kommt. Devise: Menschliche Opfer verhindern, wirtschaftlichen Schaden tief halten. In der Schweiz und in Liechtenstein wurden in den 24 Stunden bis gestern Früh 5949 Neuinfektionen bestätigt. Der Zuwachs pro 100.000 Einwohner und Woche bewegte sich damit auf 500 zu. Anders ausgedrückt: Zumindest eines halbes Prozent der Bevölkerung hat sich jüngst infiziert; die Dunkelziffer dürfte höher sein. Zum Vergleich: In Vorarlberg kletterte der bestätigte Zuwachs pro 100.000 Einwohner und Woche auf 299, österreichweit beträgt er 214.
Alarmierend ist in der Schweiz, dass sich die Verhältnisse in den Spitälern zuspitzen: Landesweit befinden sich bereits 6264 Covid-19-Patienten in stationärer Behandlung. Täglich werden es mehr. In zehn bis 14 Tagen werde man an eine Grenze stoßen, erklärte Andreas Stettbacher, Delegierter des Bundesrates für den Sanitätsdienst, am Dienstag laut SRF: Wenn man die Kurve nicht biege, könnte es zu Situationen kommen, in denen eine Triage nötig sei. Das bedeute, dass nicht mehr alle, die eine intensivmedizinische Behandlung benötigen, diese bekommen können, weil es zu wenige Betten gibt.
Unterschiedliche Regelungen
In den vergangenen Monaten ist die Pandemie in der Schweiz eher auf kantonaler Ebene bekämpft worden. Der Bund hielt sich zurück. Das Ergebnis sind unterschiedliche Regelungen. St. Gallen, das bei einem Zuwachs bestätigter Infektionen von 429 pro 100.000 Einwohner und Woche hält, erließ etwa ein Tanzverbot, Neuenburg untersagte Team- und Kontaktsportarten.
Am Mittwoch will die Bundesregierung schweizweite Maßnahmen verkünden, die einem Slowdown entsprechen sollen: Eine Einschränkung des öffentlichen Lebens wie im März und April soll laut einem Strategiepapier vermieden werden. Auch Schulen sollen so lange wie möglichen offen bleiben. Sogar ein grundsätzliches Bekenntnis zu Wintersport und Tourismus in den kommenden Monaten ist in dem Papier enthalten. Oberstes Ziel sei es jedoch, menschliche Opfer (schwere Krankheitsfälle und Todesfälle) zu verhindern und den wirtschaftlichen Schaden tief zu halten. Dafür muss laut Ackermann die Mobilität stärker reduziert werden, auch persönliche Kontakte müssen weiter eingeschränkt werden.
Liechtenstein hat diesbezüglich schon am Wochenende einen Riegel vorgeschoben und für drei Wochen alle Gasthäuser geschlossen. Ähnliches ist nun auch in Deutschland im Gespräch. Laut „Bild“-Zeitung will Kanzlerin Angela Merkel bei Gastronomie und Veranstaltungen hart vorgehen, aber den Betrieb von Schulen weiterhin ermöglichen. Details dazu will sie heute mit dem Mindestpräsidenten fixieren. Die „Bild“ berichtet von einem Lockdown Light. JOH