449 Plätze für Menschen aus Moria in Vorarlberg

Landkarte der sicheren Plätze zeigt: In Vorarlberg wäre einiges frei.
Schwarzach, Wien Soll Österreich Flüchtlinge von den griechischen Inseln aufnehmen, um ihnen während des Asylverfahrens eine menschenwürdige Unterkunft zu bieten? Über diese Frage wird erbittert diskutiert. Zuletzt kritisierte die Hilfsorganisation Oxfam die Zustände im Zeltlager auf Lesbos. Fast 8000 Menschen, die meisten von ihnen Familien mit Kindern, leben trotz des nahenden Winters in Sommerzelten. Eine Initiative namens “Courage – Mut zur Menschlichkeit” hat nun in allen neun Bundesländern nachgefragt, wie viel Platz für Flüchtlinge vorhanden wäre. Insgesamt könnten demnach 3188 sichere Plätze geschaffen werden, erklärt die Initiative, 449 davon in Vorarlberg.
Leere Unterkünfte
Oxfam warnt: Das neue Lager sei schlimmer, als Moria es jemals war, lautete das Fazit der Flüchtlingshelfer. Während Deutschland beschlossen hat, 1533 Kinder und Familienmitglieder aufzunehmen, weigert sich Österreich weiterhin. Die Courage-Initiative hat sich an Organisationen, Initiativen, Religionsgemeinschaften, Städte, Gemeinden und Privatpersonen gewandt und gefragt, ob Plätze vorhanden sind. Eine Landkarte zeigt: 449 Plätze in Vorarlberg stünden zur Verfügung. Das ist Platz drei hinter Oberösterreich (998) und Kärnten (471). Insgesamt wäre Platz für 3188 Menschen, erklärt die Organisation in einer Aussendung. “Nicht eingerechnet sind dabei leer stehende Unterkünfte des Bundes wie in Korneuburg oder in Steinhaus am Semmering, wo aufgrund eines Kündigungsverzichts bis 2029 rund 45.000 Euro Miete pro Monat für ein ungenutztes Gebäude anfallen”, heißt es weiter.
Auch im Landtag wurde kürzlich über das Thema diskutiert. Es ging unter anderem darum, ob Vorarlberg zumindest unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge (UMF) aus Traiskirchen aufnehmen kann, wenn schon nicht aus Moria (da müsste der Bund zustimmen). In der Landesregierung habe man diskutiert, ein zweites Heim für junge unbegleitete Minderjährige zu eröffnen. Aber da die Bundesregierung keine Flüchtlinge aufnimmt, sei der Bedarf in Vorarlberg nicht gegeben, erläutert Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker. Die minderjährigen Flüchtlinge aus Traiskirchen kommen laut Wiesflecker in anderen Bundesländern unter. “Solange anderswo Einrichtungen nicht ausgelastet sind, werden wir die Kapazitäten nicht erweitern. Aber klar ist: Sollte sich die Haltung des Kanzlers ändern, wären wir innerhalb kürzester Zeit fähig, ein UMF-Quartier auf die Beine zu stellen”, fährt die Landesrätin fort.
Wenige Minderjährige im Land
Derzeit sind im einzigen stationären Quartier in Dornbirn elf von zwölf Plätzen belegt. Drei der Bewohner sind jünger als 14 Jahre. 14 Minderjährige befinden sich in Wohngemeinschaften des SOS Kinderdorfs, drei von zehn Plätzen in Patenfamilien sind ebenfalls belegt. Sieben UMF wohnen in Erwachsenenquartieren, vier bei Privaten.
Ein bisschen Platz wäre also auch noch in Vorarlberg. Die Initiatorin von Courage, Katharina Stemberger, hofft, dass sich ein paar Plätze bald mit Menschen aus Lesbos füllen. “Die Zustände dort sind lebensbedrohlich”, warnt sie.