Die Sperrstunde schmerzt am stärksten

Vorarlberg / 20.10.2020 • 18:45 Uhr
Die Sperrstunde helfe niemandem, warnen viele Gastronomen. <span class="copyright">Symbolbild VN/Sams</span>
Die Sperrstunde helfe niemandem, warnen viele Gastronomen. Symbolbild VN/Sams

Verschärfungen in Lindau und Liechtenstein, Gastronomen sehen sich als Bauernopfer.

Lindau, Bregenz, Vaduz Rund um Vorarlberg verschlechtern sich die Vorzeichen: Der Landkreis Lindau ist auf der bayrischen Corona-Ampel nun auf rot, da es mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner gab. Dies bringt nun ebenfalls eine Sperrstunde ab 22 Uhr, MNS-Pflicht während dem Unterricht und eine Maximalzahl von fünf Personen oder zwei Haushalten für private Feiern mit sich. Das Fürstentum dehnt die Maskenpflicht auf alle öffentlich zugänglichen Räume aus. Veranstaltungen mit mehr als 30 Teilnehmern benötigen ein Schutzkonzept, in der Gastronomie dürfen wie in Vorarlberg maximal sechs Personen an einem Tisch sitzen.

In Vorarlberg treffen die am Montag angekündigten Verschärfungen die angeschlagene Gastronomie hart. “Seit gestern kommen laufend Stornierungen rein, auch für kleinere Veranstaltungen”, sieht Mike Pansi, Obmann der Fachgruppe Gastronomie, am eigenen Beispiel. Und was auch den Gastronomen auffalle: Die Gäste verlieren die Lust. Zu unvorhersehbar sei die Zukunft, zu eng der verbliebene Rahmen.

Viele Wirte sehen sich als Bauernopfer einer wirkungslosen Maßnahme, warnt Pansi. <span class="copyright">Sams</span>
Viele Wirte sehen sich als Bauernopfer einer wirkungslosen Maßnahme, warnt Pansi. Sams

Die Gästeregristierung sei hier noch das kleinere Problem. Über die Wirtschaftskammer kann eine digitale Lösung, die mit dem Land entwickelt wurde, angeboten werden. “Manche lösen dies auch über ein Gästebuch oder ihr Reservierungstool”, weiß Pansi. Doch wird diese neue Auflage wieder Gäste kosten. “In der Mittagspause wird mancher lieber schnell eine Wurstsemmel holen, statt wertvolle Zeit für die Regristierung zu verwenden”, warnt Pansi.

Infektionszahlen steigen trotz Sperrstunde

Schwerer wiege weiterhin die Sperrstunde, und dies gelte nicht einmal für größere Feiern. “Dies trifft auch gediegene Abendessen mit Atmosphäre”, ein mehrgängiges Menü spiele sich in der Zeit einfach nicht. Und einfach zum schnell etwas essen ins Restaurant zu springen, wäre für viele auch nicht das Wahre. “Nach der Nachtgastronomie sind wir das nächste Bauernopfer”, fasst Pansi die Stimmung in der Branche zusammen. Schließlich liegen die Umsatzeinbußen in der Gastronomie bei bis zu 60 Prozent. Und obwohl man seine Hausaufgaben erledigt habe, kämen immer mehr Auflagen auf die Wirte zu. “Die Gastronomie ist ein sicheres Umfeld”, erweist der Fachgruppenobmann auf die ausgebliebenen Gastronomie-Cluster. Die Sperrstunde sieht er als gescheitert, denn gerade in Westösterreich steigen die Infektionszahlen am stärksten. “Nach drei Wochen mit Sperrstunde zeigt sich, sie wirkt nicht, alles wandert ins Private ab”, fasst Pansi zusammen. Und Zulieferer vom Bäcker bis Tischler leiden mit.

Weihnachtsboxen statt -feiern

Ernst Seidl setzt auf neue Ansätze, um die Motivation hoch zu halten. <span class="copyright">VN/Hartinger</span>
Ernst Seidl setzt auf neue Ansätze, um die Motivation hoch zu halten. VN/Hartinger

“Die Weihnachtsfeiern wurden alle schon im April oder letzten Monat abgesagt”, brachte der Montag für Ernst Seidl vom gleichnamigen Caterer keine negativen Überraschungen. Er werde heuer nur etwa zehn Prozent des Vorjahresumsatzes erreichen, die 14 Vollzeitkräfte sind weiterhin auf Kurzarbeit angemeldet. “Schwieriger ist aber, die Motivation im Team hoch zu halten”, betont Seidl. So hielt er am jährlichen Team-Ausflug fest, auch wenn er heuer nicht ins Ausland führte. Und alle vom Koch bis Sekretärin werde bald Kekse backen: Als Alternative zur Weihnachtsfeier biete man heuer Weihnachtsboxen mit selbstgemachten Chutney, Ölen und Gewürzsalzen. Die Rohstoffe stammen dabei vom eigenen Feld. Diese kämen auch durchaus gut an, finanziell seien die Weihnachtsboxen jedoch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Staatshilfen laufen im Dezember aus

Thomas Krobath bleibt optimistisch.<span class="copyright"> VN/Hartinger</span>
Thomas Krobath bleibt optimistisch. VN/Hartinger

Thomas Krobath von der Vabrik rechnet nicht damit, seine “Vabrik” vor dem Frühjahr wieder öffnen zu können. Er lebe derzeit ebenfalls vor allem von den eigenen Rücklagen, auch der Fixkostenzuschuss halte ihn über Wasser. Diese Staatshilfe ist jedoch bis Dezember limitiert. “Ich vertrau schon darauf, dass wir nicht im Stich gelassen werden”, ist Krobath optimistisch. Solange es Hilfsgelder der Regierung gebe, würden die Diskotheken schon durchkommen. Falls diese jedoch im Dezember nicht verlängert werden, sei der Ausblick schwieriger.