Wie schnell sich die Infektionszahlen im Bodenseeraum verdoppeln

In Vorarlberg verdoppeln sich die Fallzahlen in sechs Tagen, in Liechtenstein noch schneller.
SCHWARZACH Covid-19 ist unberechenbar. Deutschland stand vor gar nicht allzu langer Zeit noch hervorragend da. Es gab wenige Neuinfektionen. Auch die 40 Fälle pro 100.000 Einwohner und Woche, die das Land am Samstag hielt, wirkten bescheiden. Österreich lag bei 101. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) veröffentlichte jedoch eine alarmierende Video-Botschaft: „Die Pandemie breitet sich rapide aus, schneller noch als zu Beginn vor mehr als einem halben Jahr.“

Tatsächlich ist nicht so sehr die erwähnte Zahl der Neuinfektionen gemessen an der Bevölkerung besorgniserregend, sondern die Entwicklung: Nur neun Tage vor Merkels Rede wies Deutschland eine halb so hohe Inzidenz aus; der Zuwachs hatte sich also in neun Tagen verdoppelt.
Warnwert überschritten
Im Bodenseeraum kann man diese Entwicklung im Kleinen studieren: Lindau wies Anfang Oktober sieben Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche aus. Am Sonntag teilte der Landkreis mit, dass man den Warnwert von 35 überschritten habe. Gestern lag man laut „Robert Koch Institut“ bei 48 und damit schon an der Grenze zum nächsten Warnwert (50), der noch größere Beschränkungen nach sich zieht.
Oder Liechtenstein: Über viele Wochen hinweg gab es im Fürstentum in den Sommer hinein gar keine Neuninfektionen. Zuletzt wurden es plötzlich mehr und mehr: Am 4. Oktober handelte es sich um 23 Fälle pro 100.000 Einwohner und Woche, am 9. Oktober um 49; zuletzt ging es in nur fünf Tagen über 100 schließlich auf 196.
Ähnlich waren die Entwicklungen in der Schweiz, die allein übers Wochenende 8737 Fälle registrierte. Das führte zu einem Anstieg der Inzidenz von 163 auf 220 und zu einem dringlichen Einschreiten des Bundesrates: Auf öffentlichen Plätzen dürfen nicht mehr als 15 Personen zusammenkommen.
Ausbreitung beschleunigt sich
Im Kanton St. Gallen hat sich die Inzidenz in sechs Tagen auf 199 verdoppelt. Auf höherem Niveau entsprach das auch der extrem kurzen Verdoppelungszeit, die Vorarlberg aufweist: Am 13. Oktober lag das Land bei 79, gestern bei 161. Zuvor hatte es zwölf Tage von 40 auf die erwähnten 79 gedauert. Das zeigt, dass sich die Ausbreitung beschleunigt.
Für ganz Österreich wirken die Zahlen beruhigender. Das hängt jedoch auch mit sehr unterschiedlichen Entwicklungen zusammen: In Wien wachsen die Fallzahlen auf sehr hohem Niveau kaum noch. Die Inzidenz beträgt 144. Lange lag sonst kein Bundesland im dreistelligen Bereich, heute sind das neben Vorarlberg aber auch Tirol und Salzburg, das mit 178 aktuell die meisten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche verzeichnet.
