Lokalaugenschein: Mit der Polizei auf Sperrstundenkontrolle in Dornbirn

Vorarlberg / 19.10.2020 • 05:00 Uhr
Lokalaugenschein: Mit der Polizei auf Sperrstundenkontrolle in Dornbirn
Der Marktplatz präsentiert sich gegen 23 Uhr den Beamten leer. VN/RAUCH

Die Sperrstunde wird in Vorarlberg eingehalten, erregt aber den Zorn der Wirte. Ein Lokalaugenschein in Dornbirn.

Dornbirn Kurz nach 22 Uhr strömen die Nachtschwärmer vom Dornbirner Marktplatz Richtung Rathaus zu den Bushaltestellen und wartenden Taxis. 15 Minuten später trifft eine Streife der Polizeinspektion Dornbirn, begleitet von einem Polizeischüler, ebenfalls ein. Ihre Aufgabe diesen Samstag: die Einhaltung der Sperrstunde kontrollieren.

Seit nun mehr als drei Wochen gehört dies zum Standardprogramm jeder Nachtstreife in Vorarlberg. Im Auftrag der Bezirkshauptmannschaften kontrollieren sie, ob die Nachtgastronomie pünktlich schließt. Am Wochenende sind allein in Dornbirn drei Streifen der Bundespolizei im Nachtdienst, zuzüglich einer Streife der Stadtpolizei. Nach einer kurzen Abstimmung zwischen den Exekutivbeamten der beiden Inspektionen starten die Bundespolizisten ihre Fußstreife in der bereits überwiegend menschenleeren Fußgängerzone.

Sperrstunde: Begleitung der Streife in Dornbirn, mit Chengiz Hazir
Sperrstunde: Begleitung der Streife in Dornbirn, mit Chengiz Hazir

Die Gastronomen im Ländle seien vorbildlich, in den ersten drei Wochen gab es nur im Bezirk Bludenz eine Strafe bezüglich der Sperrstunde. Gleiches gelte für die Gäste. Auch in Dornbirn sind die Lokale diesen Samstag entweder noch mit Aufräumarbeiten beschäftigt oder bereits dunkel. Was jedoch, wenn ein Lokal noch Betrieb hätte? Dann müssten die Beamten ein Beweisfoto machen und Kontakt mit dem Betreiber suchen. Vonseiten der Landespolizeidirektion betont man, dass die Polizei mit Augenmaß und Fingerspitzengefühl unterwegs sei. Bei gröberen Vergehen wird der Journaldienst der BH informiert, der als zuständige Behörde das weitere Vorgehen beschließt.

Betreiber Chengiz Hazir.
Betreiber Chengiz Hazir.

Der Patrouillengang führt auch beim “Karakter” in der Riedgasse vorbei. An der Theke sitzen vier Personen, beim prüfenden Blick der Beamten kommt sofort Betreiber Chengiz Hazir (41) zu den Beamten. Es sind nur die Mitarbeiter bei der Nachbesprechung des Abends. Über die aktuelle Situation mit der Sperrstunde ist er alles andere als glücklich. “Meine Lebensrechte werden eingeschränkt, man sagt mir, wo ich rauchen darf, wo ich hingehen darf, wo ist da die Demokratie?”, zürnt der seit 15 Jahren selbstständige Gastronom. Er kennt Krisen, vor sechs Jahren machte er sich mit seinem selbstlosen Engagement auf der brennenden “Norman Atlantic” einen Namen. Dies sei erst der Anfang vom Ende, warnt er. Schließlich habe er auch diesen Abend ein volles Lokal nach Hause senden müssen. Da vielen Lokalen und Geschäften rundum die Gäste fehlen, stehe eine Insolvenzwelle vor der Tür. Auch er und seine Frau hätten bisher jeweils 500 Euro Staatshilfe erhalten – dem stünden allein 14.400 Euro Mietausgaben während des Lockdowns gegenüber. “Sie machen alles kaputt”, verschafft Hazir sich Luft gegenüber den Beamten.

Sperrstunde: Begleitung der Streife in Dornbirn.
Sperrstunde: Begleitung der Streife in Dornbirn.

Ansonsten bleibt die Patrouille ruhig. Die Sperrstunde habe für die Polizei auch Vorteile: Die Zahl der nächtlichen Einsätze sei gefühlt zurückgegangen, seitdem die Lokale früher schließen, lassen die Beamten durchblicken. Und auch sonst habe man in den Nachtstunden seltener mit betrunkenen Personen zu tun. Nach einer Dreiviertelstunde ist der Rundgang in der Innenstadt abgeschlossen, der Nachtdienst jedoch noch nicht. Zurück bleibt der leere Marktplatz.