Außerirdische und Stimmen: Cannabismissbrauch hinterlässt Spuren

Vorarlberg / 19.10.2020 • 19:30 Uhr
Die 25-Jährige muss in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. <span class="copyright">EC</span>
Die 25-Jährige muss in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. EC

25-Jährige leidet an paranoider Schizophrenie und sorgt ständig für Ärger.

Feldkirch Seit dem Ausbruch der psychischen Erkrankung im Jahr 2014 war die heute 25-jährige Unterländerin 35 Mal in stationärer Behandlung in Rankweil. Die Hälfte davon aufgrund von Zwangseinweisungen. Innerhalb des letzten Jahres häuften sich die Aufenthalte, 24 Mal musste sie bleiben. Die Aufenthaltsdauer war kurz, danach fiel die Patientin allerdings stets in vertraute Verhaltensmuster, setzte Medikamente ab und die Wahnvorstellungen begannen wieder. Selbst Verteidiger Andreas German sieht ein, dass an einer Einweisung derzeit kein Weg vorbeiführt.

Totale Verwüstung

Im Oktober 2019 wurde die Polizei erneut zu der Wohnung der jungen Frau gerufen. Fenstersplitter im Stiegenhaus der Wohnanlage. Waschpulver, Seifen, Möbelteile überall. Ein Beamter wagte sich Richtung Wohnungstür, da kam ein Holzteil geflogen. Ein Kollege brachte dem Polizisten das Einsatzschild, dann versuchten es die Beamten erneut mit viel Geduld. Schlussendlich mussten sie die Tür eintreten, es war nicht klar, ob sich die Frau etwas antut. „Ich hatte Angst, dass Fremde in meiner Wohnung seien“, erklärt die Frau vor Richter Thomas Wallnöfer. Außerirdische, Stimmen, Mächte, die ihren Kopf manipulieren, sodass sie sich selbst nicht mehr spürt – alles Auswirkungen einer paranoiden Schizophrenie, erklärt Gerichtspsychiater Franz Riedl. In der Wohnung Chaos und ein weitertobender Kampf.

Der erste Pfeffersprayeinsatz gegen die korpulente Frau nutzte wenig. Die zwei Beamten, ebenfalls nicht von schwacher Statur, rangen die Widerspenstige zu Boden, doch ein zweiter Pfeffersprayeinsatz war nötig, bis sie mit den Worten „Ich gebe auf“ klein beigab. Die Frau wurde nach draußen gebracht. Dort mussten sich alle erst einmal von dem Pfefferspray erholen, mit kaltem Wasser und Erster Hilfe betreute man die Frau, dann übernahm die Rettung. Einem Polizisten schlug die Dame kräftig ins Gesicht und es sollte nicht das letzte Mal sein, dass die Polizei gerufen wurde.

Tumult

Bei ihrer Mutter sorgt die Frau ebenfalls öfters für Tumult. „Sie wirft Fahrräder herum oder schlägt Fenster ein“, erzählt eine Nachbarin. Als sie um Ruhe bat, zeigte ihr die psychisch Kranke den Mittelfinger, beschimpfte sie und drohte mit dem Abstechen. Schreiend zog sie von dannen, noch Straßen weiter hörte man die Rufe. Aufgrund ihrer Krankheit besteht keinerlei Einsicht. Die Betroffene hält sich für gesund, will nach Hause, ortet Intrigen und Hinterhalte. Es gibt derzeit keine andere Möglichkeit, als die Frau in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher unterzubringen. Die Familie ist traurig, die Betroffene zeigt sich immer wieder irritiert, dass man sie nicht endlich freilässt, sie fühlt sich normal und gesund. Wenn sich der Zustand bessert, werden die Maßnahmen gelockert. Wann das sein wird, kann der jungen Frau niemand beantworten.