4000 Hektar liegen brach: Warum Baulandhortung ein Problem ist

Im dritten Teil der VN-Serie „Das bewegt Vorarlberg“ spricht Raumforscher Johannes Herburger über das Problem der Baulandhortung.
Rankweil Historische Altstädte, ländliche Gemeinden und ein urbanes Rheintal mit Wirtschaftsgebieten, umrahmt von einem Alpenpanorama. Vorarlberg hat beste Rahmenbedingungen für Lebens- und Standortqualität. Steigende Bevölkerungszahlen, Wirtschaftskraft und eine dichte Infrastruktur sind aber auch Entwicklungen, die raumergreifend sind. Seit der globalen Finanzkrise 2008 ist der Bodenmarkt noch enger geworden, Grund und Boden werden häufig als Wertanlage gehortet. Die Verknappung des Angebots treibt wiederum die Preise stetig in die Höhe, Bauland wird immer teurer und für den Durchschnittsverdiener kaum mehr leistbar.
Bauland wäre genug vorhanden
„Dabei wäre für die wachsende Bevölkerung genügend Bauland vorhanden“, erklärt Raumforscher Johannes Herburger. Der Rankweiler forscht an der Universität Liechtenstein unter anderem zum Verdichtungsdiskurs und der Wahrnehmung von Landschaft. „Aber ein Drittel der im Rheintal gewidmeten Baufläche ist unbebaut. Es ist nicht am Immobilienmarkt verfügbar und liegt mehr oder weniger brach.“
Das Bevölkerungswachstum – bis 2050 sind plus 40.000 Einwohner mehr prognostiziert – ist laut Herburger aber nicht das große Problem. „Mit den Bauerwartungsflächen sind knapp 4000 Hektar unbebaut. Hier würden bei einer lockeren Einfamilienhausbebauung immer noch 120.000 bis 160.000 Menschen untergebracht werden“, erklärt der Raumforscher. Schwerwiegender seien die demografischen Veränderungen. „Der größere Druckpunkt als die absoluten Zahlen sind einerseits die immer älter werdende Bevölkerung und andererseits die vielen unterschiedlichen Wohnbedürfnisse, die vor allem junge Erwachsene innerhalb eines relativ kurzen Abschnittes ihres Lebens haben.“

Novelle im Raumplanungsgesetz richtig, aber zu spät
Um gegen Baulandhortung vorzugehen, hat die Vorarlberger Landesregierung 2019 das Raumplanungs- und Grundverkehrsgesetz neu geregelt. Die Novelle sieht unter anderem zeitlich vorgegebene Bauverpflichtungen und Verdichtungszonen vor. Wer ein als Bauland gewidmetes Grundstück kauft, muss dieses in zehn Jahren auch bebauen. Macht er das nicht, muss er das Grundstück der Gemeinde verkaufen, im äußersten Fall kann es versteigert werden. Zwar sei der Zeitraum zu kurz, um zu beurteilen, ob die Maßnahmen greifen und dadurch Bauland mobilisiert wird. Für den Raumforscher steht allerdings fest: „Die Maßnahmen sind richtig und gut abgestimmt, aber einige Jahre zu spät gekommen.“

Öffentliche Hand als Player
Die wichtigere Frage wird sein, wie mutig die Gemeinden sind. Sie müssen die Maßnahmen, die sie zur Hand haben, umsetzen. Ein wichtiges Instrument sei etwa jenes der Vorbehaltszonen für den gemeinnützigen Wohnbau. “Die Verantwortlichen sollten stärker auf den gemeinnützigen Wohnbau setzen”, betont Herburger.
Um den horrenden Baulandpreisen entgegenzuwirken, müsse die öffentliche Hand am Immobilienmarkt ein relevanter Player werden und Grundstücke nicht verkaufen. „Das Land hat außerdem angekündigt, dass ein Bodenfonds kommen wird. Seit der Wahl ist es darum leider ruhig geworden.“ Darin sieht der Raumforscher ebenso ein wichtiges Instrument, damit die öffentliche Hand am Immobilienmarkt agieren und damit leistbaren Wohnraum schaffen kann.
Gewidmetes und ungenutztes Bauland (und Bauerwartungsland)
2001
Gewidmet: 11.567 Hektar
davon genutzt: 58,5 Prozent
ungenutzt: 41,4 Prozent (=4800 Hektar)
2015
Gewidmet: 11.899 Hektar
davon genutzt: 66,8 Prozent
ungenutzt: 33,2 Prozent (= 3950 Hektar)
Quelle: Amt der Vorarlberger Landesregierung, 2018, Strukturdaten Vorarlberg, S. 135
Bevölkerungsprognose Vorarlberg:
Stand: 1.1.2020: 397.139
Prognose: 1.1.2050: 437.714
Entwicklung: + 40.575 = 10,2 Prozent
Quellen: Statistik Austria; Amt der Vorarlberger Landesregierung, 2019, Bevölkerungsprognose 2019-2050, S. 26