Immobilienpreise im Land weiter im Steigflug

Neue VN-Serie “Das bewegt Vorarlberg”: Wohnungen, Häuser, Grundstücke: Coronakrise heizt den Markt weiter an.
Schwarzach Wohnen wird immer teurer. Die Immobilienpreise im Land kennen seit Jahren nur eine Richtung: steil nach oben. Mit der Coronakrise hat die Nachfrage noch einmal zugelegt, wie Fachleute bestätigen. Die Auswirkungen zeigen Recherchen der VN im Grundbuch. Alleine in den ersten neun Monaten des Jahres sind die Quadratmeterpreise für Wohnungen im Vergleich zu 2019 um 12 Prozent und jene für Bauland um 14 Prozent gestiegen. Die Dornbirner Immobilienexpertin Petra Kreuzer (50) sieht mehrere preistreibende Faktoren. Immobilien als Anlageform hätten in unsicheren Zeiten weiter an Attraktivität gewonnen. Das Betongold steht hoch im Kurs. Auch weil die Renditen gut seien.
„Das Angebot an Immobilien war zuletzt geringer, die Nachfrage allerdings höher.“
Petra Kreuzer, Immobilienexpertin
Bei Grundstücken wiederum beobachtet Kreuzer eine Mobilisierung von Flächen. „Es gibt keinen Engpass mehr. Verkäufer gehen mittlerweile auch aktiv auf Bauträger zu.“ Gekauft werde teilweise auch auf Vorrat, um zu einem späteren Zeitpunkt Projekte realisieren zu können. Vor allem was die wirklich guten Lagen betrifft, werde die Entwicklung wohl anhalten. Grundsätzlich spricht die Expertin von regional unterschiedlichen Voraussetzungen. Das treffe auch auf Häuser zu. Die Nachfrage sei etwa in grenznahen Lagen wie Feldkirch besonders hoch.
Gesteigerte Nachfrage
„Wir hatten im letzten Halbjahr mehr Nachfrage als sonst“, bestätigt Remax-Vorarlberg-Chef Reinhard Götze (63) den Trend zur Immobilie als Anlage. Bei einem Onlinetermin für einen Reihenhausverkauf in Bregenz habe er zuletzt über 50 Interessenten gezählt, so der Makler. Der Traum von eigenen Haus sei immer noch omnipräsent. „Grund und Boden ist das Einzige, das nicht nachwächst. Das macht ihn teuer“, so Götze weiter. Neben den steigenden Grundstückspreisen macht er die stetig höheren Baukosten und die hohe Nachfrage als preistreibende Faktoren aus.
Gestiegen sind zuletzt auch die Mietkosten, wie aktuelle Zahlen zeigen. Allerdings sei die Entwicklung stark mit Standort und Qualität des Objekts verbunden, so Petra Kreuzer im VN-Gespräch. Auch das Alter der Wohnung spiele eine wichtige Rolle. „Allgemein ist die Nachfrage seitens der Mieter groß, es kann aber nicht um jeden Preis vermietet werden“, so die Expertin weiter.
Wohnen wird in Vorarlberg teuer bleiben. Bei einem konkreten Ausblick gibt sich Kreuzer zurückhalten. Zu viele Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Coronakrise lassen keine seriöse Prognose zu.
5-Jahres-Preisentwicklung
Wohnungen +53 prozent
Im 5-Jahresvergleich (1-3 Quartal 2015 zu 2020) ist der Quadratmeterpreis für Wohnungen um 53 Prozent gestiegen. 2020 kostete der Quadratmeter im Schnitt 4705 Euro (bei 2287 verkauften Wohnungen).
Häuser +89 Prozent
Einfamilienhäuser sind zwischen 2015 und 2020 um 89 Prozent teurer geworden. Der Quadratmeterpreis aller Transaktionen 2020 liegt bei 3504 Euro. Gleichzeitig war die Zahl der Verkäufe zuletzt rückläufig.
Bauland +83 Prozent
Die Nachfrage nach Bauland treibt die Preise weiter nach oben. Innerhalb von fünf Jahren liegt die Steigerung (verbücherte Veräußerungen) bei 83 Prozent. Dabei sind große regionale Unterschiede feststellbar.
Neue VN-Serie
In den kommenden Wochen werden die VN in einer neuen Serie offensichtlichen Stärken und Schwächen des Landes auf den Zahn fühlen. „Das bewegt Vorarlberg“ zeigt Entwicklungen auf, die aus dem Ruder zu laufen drohen. Einerseits ist Vorarlberg „Weltmeister-Region“, einer der attraktivsten Plätze Europas. Gleichzeitig können sich viele das Leben hier nicht mehr leisten. Die Lebensqualität ist hoch, die Lebenskosten explodieren. Die Serie beleuchtet Licht und Schatten des Bundeslandes.