So sah Bludenz früher aus

Der jüngst entdeckte „Situations-Riss“ rückte die Bludenz Vorstadt in den Mittelpunkt. Archiv
Manfred Tschaikner präsentierte in der Fohra Stube alte Ansichten.
Bludenz Der Geschichtsverein Region Bludenz lud vor kurzem zum ersten Vortrag im Rahmen seines Herbstprogramms in die Fohra Stube der Brauerei Fohrenburg. Thema des Abends war ein Ausflug in die frühen Jahrhunderte der Stadt Bludenz.
Schriftleiter Manfred Tschaikner entdeckte vor ein paar Monaten im Vogteiamt-Archiv der Stadt Bludenz, das sich im Vorarlberger Landesarchiv befindet, eine alte Ansicht von Bludenz, den sogenannten „Situations-Riss“ aus dem Jahre 1801. Das war für ihn Anlass, einmal alle bislang aufgefundenen Ansichten der Stadt, beginnend mit kleinen Kartenausschnitten aus dem Spätmittelalter, genauer unter die Lupe zu nehmen.
Dabei stellte sich heraus, dass die allerersten Darstellungen nur symbolischen Charakter und nichts mit der damaligen Realität zu tun haben. Selbst der berühmte Merian-Stich aus dem 17. Jahrhundert weist laut Tschaikner zahlreiche Mängel auf, die mit dem heutigen Stadtbild nicht in Einklang zu bringen sind. Das trifft auch auf Ansichten aus dem 18. Jahrhundert zu, etwa eine kolorierte Zeichnung, auf der das Schloss Gayenhofen erst nachträglich eingefügt worden ist. Wenig Aussagekraft über die Stadt selbst hat auch der jüngst entdeckte „Situations-Riss“, der wohl wegen eines Konflikts um die Besiedlung des Unterfelds angefertigt worden ist. Das Hauptaugenmerk wird nämlich weniger auf die Stadt selbst gelegt, als vielmehr auf die ausgedehnten Flächen östlich der Stadt Richtung Kreuz und Rungelin. Aussagekräftig ist dieses bestens erhaltene, farbenprächtige Bild vor allem im Hinblick auf die genauen Bezeichnungen in dieser Region der Stadt.
Die zahlreich erschienenen Besucher bekamen insgesamt einen guten Überblick, weniger darüber, wie die Stadt tatsächlich ausgesehen hat, als vielmehr darüber, was die Beweggründe waren, Bludenz bildlich darzustellen. SES