Rundumschlag ohne Scham (und Haare)

Vorarlberg / 14.10.2020 • 08:38 Uhr
<p class="caption">Christoph Fitz nahm sich selbst, Gott und die Welt am Samstag im Theater am Saumarkt aufs Korn.<span class="media-container dcx_media_rtab" data-dcx_media_config="{}" data-dcx_media_type="rtab"> </span><span class="marker"><span class="copyright">Uysal</span></span></p>

Christoph Fitz nahm sich selbst, Gott und die Welt am Samstag im Theater am Saumarkt aufs Korn. Uysal

Christoph Fitz zeigt sich selbstkritisch mit seinem Programm „Das jüngste Gesicht.“

Feldkirch Wie beschreibt man Christoph Fitz auf der Bühne? Am besten macht der Kabarettist es selbst: „Ich bin ein 26-Jähriger, der aussieht wie ein 15-jähriger Ministrant, der aussieht wie ein elfjähriger Ministrant.“ Fitz kommt aus Niederösterreich, einem 500-Einwohner-Dorf, in dem 90 Prozent der Bewohner miteinander blutsverwandt seien. „Wenn unser Pfarrer in der Kirche sagt ‚meine Brüder und Schwestern‘, dann meint er das auch so.“

Ohne eine Miene zu verziehen

Vergangenen Samstag gastierte Fitz im Feldkircher Theater am Saumarkt. Er gab sich zynisch, sarkastisch, ironisch und das, ohne dabei eine Miene zu verziehen. „Ich seh’ aus, wie ein behaarter Bär auf Chemo.“ Fast jeder Satz eine Pointe – das TaS-Publikum begeistert. „War der Witz zu geschmacklos?“, unterbrach Fitz seine Geschichte. „Soll ich einen Pädophilen-Witz nachschießen, damit Sie das Bild aus dem Kopf kriegen?“ Der Komiker erzählt vom österreichischen Roulette, zieht Veganer durch den Kakao und schafft durch sein „ethisch flexibles Denken“ einen humorvollen Rundumschlag. Auch die katholische Kirche bekommt es ab: „Kirche und Wirtschaft – eine Symbiose aus Gut und Güter.“ Fitz beschreibt sich als entscheidungsschwach: „Selbst auf dem Klo weiß ich nicht, ob ich groß oder klein gehen soll. Ich mach dann meistens ‚mittel‘.“ Der Kabarettist erzählt auch aus seinem (kaum vorhandenen) Liebesleben. Er habe es auch mal mit Tinder versucht. Beim Blind-Date habe er gleich zu Beginn klargestellt, dass er kein Serienmörder sei. „Klar, das würde jetzt auch ein Serienmörder sagen…“ Anschließend spielte er ein Liebeslied vor, das er als Vierjähriger im Kindergarten über sein „Schatzi Konstanze“ komponiert hatte.

Was den Gästen nach diesem Abend klar wurde, war nichts weiter als die absolute Erkenntnis: Christoph Fritz ist „das jüngste Gesicht“. „Das Gute daran, ist, wenn ich irgendwann mit 90 Jahren im Hospiz liege … dann sehe ich aus wie 35. Das werden die besten zwei Wochen meines Lebens.“

Fitz wurde 2018 mit dem österreichischen Kabarettpreis ausgezeichnet und 2020 mit dem deutschen Kleinkunstpreis. ETU