Einfache Regeln gegen Coronaverbreitung

Vorarlberg / 12.10.2020 • 08:00 Uhr
Als ein wichtiges Instrument im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus gilt der Sicherheitsabstand. <span class="copyright">AFP</span>
Als ein wichtiges Instrument im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus gilt der Sicherheitsabstand. AFP

Ganz schlecht: Gesellige Runden in stickigen Räumen, in denen es noch dazu laut ist.

WIEN „Die Pandemie lässt sich wirkungsvoll bekämpfen“, ist der Gesundheitsexperte Thomas Czypionka vom Institut für Höhere Studien (IHS) überzeugt: Man habe schon viel gelernt. Beispiel: Nicht jeder Infizierte ist gleich ansteckend. Auf wenige ist eine besonders starke Ausbreitung zurückzuführen. Das sind „Superspreader“. Übersetzung dafür ist keine gebräuchlich. „Spreader“ heißt auf Deutsch jedoch „Streuer“.

„Superspreading-Event“

Ein „Superspreader“ weiß in der Regel nichts von seinem Unglück. Übertragungen können ja auch zu einem Zeitpunkt erfolgen, zu dem der Betroffene noch nicht weiß, dass er Corona-positiv ist. Wie auch immer: Ist diese Person viel allein, passiert unter Umständen kaum etwas. Verhängnisvoll wird es, wenn sie an bestimmten Konstellationen beteiligt ist. Dann kann daraus ein „Superspreading-Event“ werden.

Genau darauf zielt eine Kampagne ab, die es in Japan gibt und die dazu beiträgt, dass das Land bisher so gut durch die Pandemie gekommen ist: 14 Mal mehr Einwohner als Österreich, hat es bisher nur etwa zwei Mal mehr Todesfälle verzeichnet. Bei der Zahl der bestätigten Infektionen verhält es sich ähnlich.

Czypionka verweist auf die asiatische Empfehlung, die gerade auch für den Winter in unseren Breiten passend wäre, wenn sich der Alltag wieder mehr und mehr in geschlossene Räume verlagert. Abstand halten, Hände waschen, Maske tragen sollten dann selbstverständlich bleiben.

Dazu kommt jedoch etwas, was unter anderem in Japan unter dem Titel „Avoid the Three Cs“ läuft. Bei drei Situationen sollte man demnach vorsichtig sein oder sie überhaupt meiden: Erstens geschlossene Räume mit schlechter Luft; zweitens größere Versammlungen mit vielen Menschen auf engem Raum; und drittens Unterhaltungen mit geringem Abstand, bei denen es noch dazu laut wird.

„Almabtrieb-Cluster“

Am größten ist das Infektionsrisiko, wenn diese drei Situationen zusammenkommen. Es ist daher kein Zufall, dass so viele Fälle auf gesellige Runden zurückzuführen sind, so wie das erste „Superspreading-Event“ Österreichs, beim Après-Ski in einer Ischgler Bar.

Auch aktuelle Beispiele zu zusammenhängenden Infektionen („Cluster“), die die staatliche Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) aufgeklärt hat, bestätigten dies. Bei einem Fußballspiel im Burgenland passierte (gesundheitlich gesehen) nichts; erst danach „beim Beisammensein“ steckte ein Spieler fünf weitere an – und einer davon wiederum drei Familienmitglieder. Kärnten machte zuletzt mit einem „Almabtrieb-Cluster“ mit 49 bestätigten Fällen Schlagzeilen. Wobei die Bezeichnung nicht korrekt ist: Die Ansteckungen erfolgten durch einen Teilnehmer beim anschließenden Zusammensein mit Familie, Freunden und Nachbarn in einem Gasthaus – und bei einer Geburtstagsparty, die der junge Mann tags darauf auch noch feierte. Ähnliches hatte man im September bei den Cluster-Bildungen in Dornbirn festgestellt – damals waren Dutzende Infektionen von „Après-Fußball“ und einem Nachtlokal ausgegangen.