Diebstahl in Hard: Wie Werner Gartner (78) zum Opfer in der eigenen Wohnung wurde

Vorarlberg / 08.10.2020 • 19:00 Uhr
Diebstahl in Hard: Wie Werner Gartner (78) zum Opfer in der eigenen Wohnung wurde
Werner Gartner (r.) mit seinem Sohn Markus, der kriminellen Besuchern seines dementen Vaters nun gezielt das Handwerk legen will. VN/GS

Rumänin mit Kindern wollte “nur einen Schluck Wasser”. Und dann war das Geld weg.

Hard Seit dem Tod seiner Frau lebt der 78-jährige Pensionist Werner Gartner allein in seiner Wohnung in einem Wohnblock nahe am See in Hard. Zwar allein, doch nicht einsam: Seine Söhne Markus (50), dessen Sohn Patrick und Bruder Christian kümmern sich regelmäßig um den Rentner, der unter Demenz leidet. Und dann ist da noch Gantners liebe Bekannte Slatka, die hin und wieder den Haushalt für den 78-Jährigen erledigt.

Sohn Markus zu den VN: „Mein Vater war 57 Jahre beim Roten Kreuz und ist immer für alle Leute da gewesen. Nun sind wir für ihn da, denn wir wollen nicht, dass er in ein Heim kommt.“

Es klingelte an der Tür

Besuche bekommt Werner Gartner allerdings nicht nur aus seinem vertrauten Kreis. Erst kürzlich klingelte es an der Tür seiner Wohnung im fünften Stock. „Da stand eine Rumänin mit drei Kindern davor und sagte: Nur ein Schluck Wasser bitte“, vermag sich der 78-Jährige noch zu erinnern. Dann fiel der Frau noch ein, dass sie und ihre Kinder Hunger hätten. Der Pensionist, von Natur aus ein herzensguter Mensch, bat die angebliche Familie in seine Wohnung und bot der mutmaßlichen Mutter einen Kaffee an. „Die Kinder saßen am Tisch, als die Frau aufstand und sagte, sie müsse auf die Toilette“, erzählt der Pensionist. Ganze 45 Minuten lang dauerte das „Geschäft“ der Unbekannten im stillen Örtchen.

Schlafzimmer durchwühlt

Dass sich die Frau tatsächlich im Schlafzimmer herumgetrieben hat, stellte sich nur kurz darauf heraus: „Als mir mein Vater davon erzählte, stürzte ich sofort ins Schlafzimmer und sah in seiner Geldtasche nach. Sie war leer“, schildert Sohn Markus entsetzt und: „Ich bin sein Finanzminister. Erst zwei Tage vorher habe ich ihm 500 Euro gegeben, so wie jeden Monat. Die waren weg!“

Für den 50-Jährigen besteht kein Zweifel, dass die angebliche Familie dahintersteckte. Er brachte den Vorfall bei der Polizei zur Anzeige. Doch nur wenige Tage später sei schon wieder eine Frau mit Kindern vor der Tür seines Vaters gestanden. Diesmal öffnete jedoch dessen Bekannte Slatka und die Besucher verschwanden sofort. Ob es dieselben waren wie jene zuvor, ließ sich nicht feststellen.

Mittlerweile hat Markus Gartner Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. Welche, will er öffentlich nicht sagen. „Mein Vater ist dement, und ich gehe davon aus, dass er schon öfters solchen Besuch bekommen hat und noch bekommen wird“, vermutet er.

„Ein typisches Opfer“

Eine ältere, alleinstehende Person und unter Demenz leidend: „Ein typisches Opfer und eine typische Masche, etwa die mit der Bitte um einen Schluck Wasser“, fällt German Meusburger von der Diebstahlsgruppe des Landeskriminalamtes Vorarlberg auf VN-Anfrage sofort ein. „Gerade erst jetzt hatten wir einen solchen Fall, der beinahe identisch mit jenem in Hard ist“, ergänzt der Kriminalist noch.

Untereinander vernetzt

Tatsächlich handle es sich um rumänische Einschleichdiebe, die vor allem im Vorarlberger Rheintal und im Walgau ihr Unwesen treiben, meistens in der wärmeren Jahreszeit. „Im Winter ist es ihnen zu kalt“, ergänzt Meusburger. Das Kriminalamt geht davon an, dass diese diebischen Organisationen, die dem Vernehmen nach aus denselben Ortschaften in Rumänien stammen, untereinander vernetzt sind. Das zeigten von der Polizei aufgeklärte Fälle. „Sie sind mit großen Autos unterwegs und suchen sich ihre Schlupfwinkel. etwa in Lindau, an Bahnhöfen oder auf öffentlichen Parkplätzen“, sagt Meusburger.

Wie viele von ihnen es sind und wie oft sie zuschlagen, sei allerdings schwer zu sagen, denn: „Leider kommt es oft erst gar nicht zu einer Anzeige, weil die dementen oder älteren Opfer vergessen, was geschah, oder glauben, dass sie das Geld irgendwo verlegt hätten.“ Der Tipp des Kriminalisten: Solche Vorfälle sofort anzeigen. Oder das Beste: „Solche Leute erst gar nicht in die Wohnung oder ins Haus lassen.“