Warum Maturanten harte Coronamaßnahmen wollen

Am BG Feldkirch appellieren die Schüler der 8a an das Verantwortungsbewusstsein aller.
Schwarzach Für Laura Kalß (17) und ihre 14 Mitschülerinnen und Mitschüler der 8a am BG Feldkirch Rebberggasse war schon am Beginn des diesjährigen Schuljahres klar: “So etwas wie im Vorjahr mit dem Zusperren der Schule für den Präsenzunterricht wollen wir nicht noch einmal erleben. Vor allem nicht im Maturajahr, wo es für uns um so viel geht.”
Nicht unbemerkt blieb den angehenden Reifeprüfungskandidaten, dass die Sicherheitsregeln auch an ihrer Schule mit der Zeit lascher umgesetzt wurden – wenn überhaupt. “Das trifft auf bestimmte Lehrer genauso zu wie auf bestimmte Schüler”, betont die Klassensprecherin der 8a. Gemeinsam mit ihrer Stellvertreterin beschloss sie Maßnahmen, die schließlich zum gemeinsamen Anliegen der ganzen Klasse wurden. “Wir machten acht Plakate mit verschiedenen Botschaften und hängten diese überall an der Schule auf. “Tragt Verantwortung für uns, eure Maturanten” heißt es da zum Beispiel auf einem der Poster. “Uns ist so etwas natürlich recht”, unterstützt Direktor Christoph Prugger seine Abschlussklässler. Er ist froh, dass es an seiner Schule bis jetzt keine Quarantäneklassen gab. “Sehr wohl hatten wir jedoch zwei positive Fälle.”
Disziplin auch privat
Die angehenden Maturanten wollen nicht nur in der Schule als Vorbilder für richtiges Verhalten in Coronazeiten agieren. “Wir fordern die Sicherheitsmaßnahmen von uns selber auch außerhalb der Schule ein. Wir wollen uns nicht in gefährliche Situationen begeben und unsere Begegnungen entsprechend sicher gestalten”, gelobt Laura Kalß.
Corona hat den Maturanten schon jetzt vieles von dem geraubt, was ein solches Jahr einzigartig macht. “Wir werden kein Käpplefest haben und auch keinen Maturaball. Es wäre schön, wenn wir am Ende wenigstens ein Valet machen könnten”, übt sich die Klassensprecherin in Bescheidenheit.
Eltern wollen Schulgipfel
Die Ungewissheit über Mögliches und Unmögliches im laufenden Schuljahr plagt auch die Schülereltern. “Wieder sind die Eltern angehalten, aktiv einzugreifen, wenn Corona die Schüler aus der Schule verbannt und sie im Homeschooling landen. Niemand weiß, wie bei den Betroffenen eine Schularbeit durchgeführt werden soll, wenn sowohl Lehrer als auch Schüler in Quarantäne müssen”, beklagt Michael Tagger (56), oberster Vertreter der Eltern im Pflichtschulbereich. “Bei vielen Eltern herrschen Unsicherheit, Unruhe und Verwirrung. Wir machen dafür niemanden verantwortlich, weil wir wissen, wie schwierig die Situation ist.” Was sich Tagger trotzdem wünschen würde: “Dass es wieder einen Schulgipfel gibt so wie im August. Dort sollten die ersten vier Wochen des neuen Schuljahres bilanziert und die im August beschlossenen Maßnahmen optimiert werden.”
“Wir würden uns wünschen, dass es wieder einen Schulgipfel zum Bilanzieren gibt.”
Michael Tagger, Elternvertreter Pflichtschulbereich
Wann Schüler ängstlich sind
Kein “business as usual” gibt es derzeit auch für die Schulärzte. “Schüler mit Halsweh oder anderen Erkältungssymptomen kommen derzeit nicht zu mir. Die bleiben gleich zu Hause”, berichtet Dr. Sandra Pichler (47), Schulärztin am BRG Dornbirn-Schoren. Die Medizinerin spricht von einer besonderen Vorsicht, mit der sie ihre Tätigkeit an der Schule ausübt. “Nach dem Lockdown sind wir das aber eh schon gewohnt”, arrangiert sich Pichler mit der vorherrschenden Situation. Ängstlich seien vor allem jene Schüler, die zu Hause mit Risikopersonen in einem Haushalt leben.
Schullandesrätin Barbara Schöbi-Fink (59, ÖVP) sieht die massive Zunahme von Coronaproblemen an den Schulen als Abbild der Gesellschaft. “Die Zahlen steigen leider überall. Ich bin froh, dass die Schulen aufmerksam bleiben. Schulschließungen lassen wir grundsätzlich nicht mehr zu, auch wenn es im Falle eines Clusters einmal passieren kann, dass eine ganze Bildungsanstalt kurzfristig in Quarantäne muss.”