Tourismus im Wandel

Vorarlberg / 07.10.2020 • 09:05 Uhr
Manuel Bitschnau mit den Autoren-Ehepaar Michael Kasper und Edith Hessenberger. <span class="copyright">Bi</span>
Manuel Bitschnau mit den Autoren-Ehepaar Michael Kasper und Edith Hessenberger. Bi

Präsentation des Buchs “Willkommen im Montafon! Tourismusgeschichte eines Alpentals”.

schruns „Die Chronik ‚Willkommen im Montafon! Tourismusgeschichte eines Alpentals‘ hätte eigentlich schon im Frühjahr präsentiert werden sollen. Wegen der Coronakrise kam es zu einem Aufschub. Wir sind froh, dass das Werk der beiden Autoren Michael Kasper und Edith Hessenberger nun endlich vorgestellt werden kann“, erklärte Manuel Bitschnau, Geschäftsführer von Montafon Tourismus, bei der Präsentation der aktuellen Publikation, die coronabedingt im kleinen Rahmen im Haus des Gastes in Schruns stattfand. Gleichzeitig verwies er auf die sehr gelungene Kooperation des Autoren-Ehepaars und auf die tragende Rolle des Tourismus: „Mit dem Tourismus, der heute als Selbstverständlichkeit gesehen wird, kam auch der Wohlstand ins Montafon. Freizeiteinrichtungen und Aufstiegshilfen wurden gebaut, es entstand eine unglaubliche Infrastruktur. Es wurde massiv in Ski-, Sport- und auch Kulturveranstaltungen investiert.“ Das 70-jährige Jubiläum von Montafon Tourismus bildete den Anlass für die aktuelle 352-seitige Chronik.

Angeregte Diskussion

Manuel Bitschnau moderierte auch die nachfolgende Diskussion mit dem Autoren-Ehepaar. „Die unglaubliche Dichte an Namen ist in einer Chronik schwer zu komprimieren. Eine Chronik sollte ja auch als Nachschlagewerk dienen. Mir persönlich gefällt die Kleinstrukturiertheit des Tourismus im Montafon. 70 Prozent erfolgt durch Privatzimmervermietung, dadurch erfolgt der Gestaltungsprozess automatisch demokratischer. Im Unterschied zu Tirol, wo ich wohne, sind die Skigebiete und die damit verbundene Infrastruktur im Montafon versteckter. Der Naturraum bleibt sichtbar, was ich sehr charmant finde“, erklärte Kulturwissenschaftlerin Edith Hessenberger.

Auch Historiker Michael Kasper sprach von der Fülle an Material. „Das Buch könnte doppelt so dick sein. Wir haben Quellen aus Archiven wie etwa Zeitungen und Gästebücher verwendet, aber auch Interviews mit Zeitzeugen geführt. Um die Thematik einzugrenzen, haben wir uns entschieden, Themenschwerpunkte zu setzen. Diese umfassen Kernbereiche wie die Pionierzeit im 19. Jahrhundert, Alpinismus und Sommerfrische, Aufschwung von Berg- und Wintersport zwischen 1914 und 1945 und Tourismus total ab 1970“, führte Kasper aus.

Hinter die Fassaden blickend

Die sehr übersichtliche und reich bebilderte Chronik gibt eine umfassende Entwicklungsgeschichte des Tourismus im Montafon wieder. Während Michael Kasper sich als Historiker auf den Abschnitt bis 1945 fokussierte, konzentrierte sich Kulturwissenschaftlerin Edith Hessenberger auf die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Es war beiden Autoren wichtig, auch kritische Aspekte zu beleuchten. „Es war eine große Herausforderung auch auf aktuelle Phänomene wie den Massentourismus und die große Beschleunigung in der Fortbewegung einzugehen. Das Land Vorarlberg hat schon im Jahr 1980, also sehr früh, auf Qualität statt Quantität im Tourismus gesetzt“, so Edith Hessenberger.

Es war ihr ein besonderes Anliegen, die Lebens- und Arbeitssituation von Menschen hinter den Fassaden zu beleuchten, wie etwa von saisonalen Köchen oder einer Kassierin in einem SB-Restaurant. Der Umgang mit Lücken in der Darstellung des Zeitgeschehens erschwere eine Gesamtdarstellung, Michael Kasper erläuterte dazu: „Erstbesteigungen wie jene auf den Piz Buin im Jahr 1865 sind gut dokumentiert. Die Zeit des Nationalsozialismus und davor hingegen ist eine problematische Phase. Es bestand im Tourismus eine große Affinität zu diesem Regime, vielfach hat man sich auch aus Opportunismus angebiedert.“ BI