Generation Corona: Wie junge Vorarlberger die Krise meistern

Fünf Vorarlbergerinnen und Vorarlberger über Studienbeginn und Schule in Zeiten der Pandemie.
Feldkirch Maturareise, Vereinstreffen, Ferialjobs, Ausgehen am Wochenende oder die ersten Seminare im Studium: Dinge, die für viele Jugendliche und junge Erwachsene ganz normal sind. Eigentlich. Denn die Coronakrise hat ihnen einen ordentlichen Strich durch die Rechnung gemacht. Neben einem Mangel an Sozialkontakten lastet auf den Schultern der Jungen besonders auch die Sorge vor den wirtschaftlichen Folgen. 80 Prozent der Jugendlichen haben Angst davor, ihren Job zu verlieren oder keinen zu bekommen. 70 Prozent fürchten sich vor einer Weltwirtschaftskrise und ihren Folgen, ergab eine kürzlich von Österreichs Kinder- und Jugendanwälten durchgeführte Studie.
Keine Präsenzlehre
Ungewohnt ist die Situation auch für die 50.000 Studienanfänger, die heute an Österreichs Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen in das erste Semester starten. Anstatt ein selbständiges Leben aufzubauen, gemeinsam zu forschen und zu netzwerken, finden viele Vorlesungen und Seminare nur mehr online statt. Fünf junge Vorarlbergerinnen und Vorarlberger sprachen mit den VN über ihr durch die Pandemie verändertes Leben. VN-MIH, MAX

Franka Basche, 18, Meiningen, Studienanfängerin in Innsbruck: „Im Großen und Ganzen finde ich, hat man die Situation rund um die Matura gut gelöst“, bilanziert Franka Basche ihr turbulentes Abschlussjahr am Bundesgymnasium Feldkirch. Dank ihres erfolgreichen Abschlusses konnte sie nun den nächsten Lebensabschnitt angehen, das Pharmazie-Studium in Innsbruck. Sie sei aber vor dem Studienbeginn auch etwas verunsichert, weil Einführungsveranstaltungen wie das Erstsemestrigentutorium leider nicht stattfinden konnten: „Das wäre sicher hilfreich gewesen.“ Auch deswegen habe Franka Basche etwas Angst davor, zum Start keine Ahnung über den Studienbeginn zu haben. Das Kennenlernen von neuen Menschen habe aber überraschend gut geklappt: „Wir haben das einfach selbst in die Hand genommen.“

Anna Dür, 17, Schülerin HTL Dornbirn: Für Anna Dür war von einem Tag auf den anderen nichts mehr wie vorher. „Es saßen alle nur noch in den eigenen Wänden, zusammen mit der Ungewissheit, wie lange der Lockdown anhalten wird“, blickt die 17-Jährige, die auch während des Lockdowns bei Fridays-for-Future aktiv war, auf das Frühjahr zurück. „Ohne Rücksicht auf die unterschiedlichen Situationen, in denen sich Schülerinnen und Schüler befanden, erwarteten die Schulen vielfach sehr viel Disziplin und vor allem Leistung von allen.“ Von Seiten der Politik wünscht sich die Schülerin einen sensibleren und von den Schulen ein weniger leistungsorientieren Umgang mit jungen Menschen im Lockdown. „Denn den Jugendlichen setzt die soziale Isolation besonders zu.“

Andreas Müller, 19, Dornbirn, Studienanfänger in Wien:
Andreas Müller ist vor zwei Wochen von Dornbirn nach Wien gezogen. Die ersten Vorlesungen an der Universität hat der Architekturstudent schon hinter sich: „Es findet alles in kleineren Gruppen statt, es gibt an der Uni überall Maskenpflicht und der Mindestabstand muss eingehalten werden“, erklärt der 19-Jährige. „Es ist schwierig, neue Leute kennenzulernen.“ Auch die Maturareise in Kroatien musste coronabedingt abgesagt werden. „Aber natürlich macht es Sinn, dass man die Maßnahmen insbesondere aus Rücksicht auf gefährdetere Gruppen einhält. Trotzdem darf nicht vergessen werden, dass auch uns Jugendliche die Krise trifft.“

Carla Berchtold, 19, Rankweil, Studienanfängerin in Wien: Nach der Matura an der HLW Rankweil hätte sich Carla Berchtold eigentlich auf ein Jahr voller Abenteuer im Ausland gefreut, wegen der Coronakrise fielen diese jedoch ins Wasser. So entschloss sie sich, ein Jus-Studium in Wien anzugehen, denn „wenn ich mir eh schon sicher bin, dass ich an die Uni möchte, kann ich das auch jetzt schon machen. Reisen sind später eh immer noch möglich.“ So ist sie jetzt mit ihrem Umzug in die Bundeshauptstadt beschäftigt, der Studienstart an sich verläuft wegen der aktuellen Situation aber etwas holpriger: „Mich regt auf, dass ich nur zwei Veranstaltungen direkt an der Uni haben und der Rest online stattfindet.“ Das mache es schwieriger, neue Leute kennenzulernen, obwohl das vor allem wichtig sei, um sich mit ihnen austauschen zu können. „Vor allem weil ich hier sonst niemanden kenne.“

Jorunn Sophia Felder, 18, Bludenz, Studienanfängerin in Mannheim: Jorunn Sophia Felder hat vergangenen Mai die Matura am Bundesgymnasium Bludenz absolviert. Während das Valet an einem neuen Termin über die Bühne gehen konnte, klappte es mit den anderen Plänen für den Sommer nicht wie gewollt: „Ich habe den ganzen Sommer vollgeplant gehabt mit Reisen, Festivals und Arbeit. Das wurde alles abgesagt, was natürlich sehr schade war“, erklärt die Bludenzerin. „Am Ende des Sommers habe ich aber das Entschleunigte genossen.“ Auch der Studienanfang in Mannheim verlief für die 18-Jährige anders als erwartet: Statt Erstsemester-Partys gibt es virtuelle Spieleabende, die Vorlesungen und Seminare werden überwiegend ins Netz verlegt. „Das ist schon schade.“ Überhaupt werde viel über die wirtschaftlichen Folgen diskutiert, aber was die Coronakrise und die damit einhergehende Isolation für psychische Folgen haben kann, sei wenig im Fokus.