Ärger mit dem Bioabfallsack

Vorarlberg / 03.10.2020 • 15:00 Uhr
Die neuen biologisch abbaubaren Bioabfallsäcke haben ihre Tücken. Sie reißen gerne. Jetzt hat der Umweltverband ein stärkeres Modell herausgebracht.  <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Die neuen biologisch abbaubaren Bioabfallsäcke haben ihre Tücken. Sie reißen gerne. Jetzt hat der Umweltverband ein stärkeres Modell herausgebracht. VN/Steurer

Schön biologisch, aber zu wenig robust: Umweltverband bringt stärkeren Stärkesack in Umlauf.

Schwarzach Was in Tirol und anderen Bundesländern offensichtlich problemlos über die Bühne ging, sorgt in Vorarlberg da und dort für Unmut. Die Rede ist von der Umstellung auf biologisch abbaubare Stärkeabfallsäcke für Biomüll, die der Umweltverband in Zusammenarbeit mit den Gemeinden statt den weniger umfeldfreundlichen Abfallsammler unters Volk brachte.

Die Stärkesäcke der ersten Generation wurden ihrem Namen jedenfalls nicht wirklich gerecht. “Sie reißen an den Haltergriffen schnell. In der Nacht werden sie von Tieren spielend leicht zerfetzt, sodass der oft stinkende Müll am Boden liegt. Flüssigkeit halten sie gar nicht aus.” Klagen dieser Art erreichten den Umweltverband.

Landesweites System

“Wir mussten feststellen, dass es von mehreren Verbrauchern Klagen über die Säcke gab. Wir haben darauf reagiert. Seit kurzem sind deutlich robustere Stärke-Biomüllsäcke im Verkauf, auch wenn es natürlich noch einige von der ersten Generation gibt”, äußerte sich Herbert Korschier (60), Geschäftsführer des Umweltverbandes Vorarlberg.

Die Umstellung auf ein abbaubares Material bei den Biomüllsäcken befürwortet Koschier jedoch uneingeschränkt. “Wir wollten weg von Plastik und Papier. Aus Gründen des Umweltschutzes und der Kosten. Papiersäcke etwa sind viel teurer”, argumentiert Koschier. Man habe es geschafft, landesweit einheitlich die Stärkesäcke einzuführen und hoffe darauf, dass diese bald auf volle Akzeptanz stoßen. Nicht bei der Umstellung dabei sind jedoch die großen Städte Bregenz, Dornbirn, Feldkirch und Bludnez. Die haben ihre eigenen Entsorgungssysteme. Koschier geht jedoch davon aus, dass sich die Städte bald den landesweiten Gegebenheiten anpassen werden.

“Wir wollten aus Umweltschutz-und Kostengründen weg von Plastik und Papier.”

Herbert Koschier, GF Umweltverband

Eimer helfen

Günther Bösch (55), Abfallverantwortlicher der Gemeinde Lustenau, spricht ebenfalls von vereinzelten Klagen über die neuen Abfallsäcke. “Aber es sind doch sehr wenige. Bei uns gab es ja die Umstellung vom Papiersack auf den Stärkesack. Vielleicht sind sich noch nicht alle die richtige Handhabung gewöhnt.”

Eine böse Überraschung erleben bisweilen vor allem jene, welche die neuen Biomüllsäcke über die alten Metallständer für die Papiersäcke stülpen wollen und in gefülltem Zustand von dort wegnahmen. Je nach Gewicht reißen dann sofort beide Griffe, der Müll liegt auf dem Boden. Auch hungrigen Haustieren sind die neuen Biomüllsäcke nicht gewachsen. Tipp des Umweltverbandes: Einen extra dafür geschaffenen belüfteten Eimer (Preis: 4,90 Euro) verwenden und die Biosäcke dort fixieren. Auch Biotonnen würden das Problem lösen, zumal diese laut Umweltverband nach der Abholung regelmäßig vom Abholer gereinigt werden.

Flut von Mikroplastik

Der Umweltverband sieht die Umstellung beim Sammelbehältermaterial auch als regionale Maßnahme im Kampf gegen die weltweite Mikroplastiklawine. “Das Wissen um Mikroplastik in den Ozeanen ist weit verbreitet. Dabei ist die Verschmutzung von Böden und Binnengewässern je nach Umgebung zwischen vier und 23 Mal so hoch wie im Meer”, liefert der Umweltverband seine Argumente für die Materialumstellung. “Der Anteil an Kunststoff im Bioabfall macht jährlich rund 1800 Tonnen aus”, untermauert Gemeindeverbandsvizepräsidentin Andrea Kaufmann diese Sichtweise.

bIOABFALL

Bioabfallmenge pro Jahr 17.700 Tonnen

Plastikanteil: 13 Prozent

Biotonnen: 15.000

Biosäcke pro Jahr: 800.000

Zehn Fahrzeuge sammeln täglich Bioabfall ein.