Wie Günter Wohlgenannt einen Teil Vorarlberger Identität aufleben lässt

Ein neues Buch für Jasser und solche, die es noch werden wollen.
Dornbirn Günter Wohlgenannt ist ein leidenschaftlicher Spieler, der mit Freunden gerne in Vollmondnächten Spiele zockt. Außerdem ist er ein begeisterter Jasser. Da er seit 1977 im Buchhandel tätig ist, weiß er, dass es keine adäquate Literatur über das Vorarlberger Kulturgut gibt. „Es gibt zwar ein Büchlein, in dem die Schweizer und Vorarlberg Jassregeln vermischt sind. Aber am Markt fehlte etwas, in dem man bei Bedarf nachschauen kann“, schildert Günter Wohlgenannt.
Deshalb entstand schon vor Jahren in ihm die Idee, ein Buch über das Jassen zu machen. „Heute ist es nicht mehr so, dass es immer jemanden in der Familie oder im Freundeskreis gibt, der weiß, wie das mit ,Wiesa‘, Stöck und Untertrumpfen funktioniert“, zählt er einen Beweggrund für sein Buch „Jassen in Vorarlberg – Mehr als 33 Spiele mit Jasskarten“ auf.
Mit seinem Jassbuch, das ab morgen im Handel erhältlich ist, will der Dornbirner ein Nachschlagewerk für Regeln bieten, zum Ausprobieren neuer Varianten anregen und Einsteigern ein Regelwerk an die Hand geben. „Jassregeln lassen sich lernen. Aber das Jassen kann man nur lernen, indem man es mit anderen spielt“, erklärt Wohlgenannt in Hinblick auf den Jassernachwuchs und den sozialen Kontakt in einer digitalisierten Welt.
Viele Spielvarianten
Bis der 62-Jährige sein Buch mit über 220 Seiten in Händen halten konnte, investierte er zwei intensive Arbeitsjahre. Er reiste quer durch Vorarlberg und setzte sich zu Jassern an den Tisch. „Ich war überrascht, wie vielfältig das Repertoire an Spielen mit Jasskarten ist. Im Silbertal wird beispielsweise Preferanzen/Prefrasa oder in Hörbranz Schafkopf gespielt.“
Das Jassen ist kein standardisiertes Spiel. Es gelten die unterschiedlichsten Regeln, die gar nicht in einem Buch unterzubringen sind. „Können vier Nell gewiesen werden? Die Regeln können sich von Jassrunde zu Jassrunde unterscheiden“, weiß der Buchautor. So variabel wie die Spielbezeichnungen, Spielvarianten oder auch die Anzahl an Spielern beim Jassen sein kann, so hat sich das Kartenbild kaum geändert. Seit 1850 werde bei uns mit den Einfachdeutschen Jasskarten, dem Salzburger Blatt gespielt. Es sei für viele Vorarlberger ein Teil ihrer Identität, weiß Wohlgenannt nach seiner Recherche.
Das 296-seiten starke Buch “Jassen in Vorarlberg – Mehr als 33 Spiele mit Jasskarten” von Günter Wohlgenannt ist ab morgen, Samstag 3.10. im gut sortierten Buchhandel erhältlich.