Fluch und Segen des Rheins

Vorarlberg / 30.09.2020 • 13:00 Uhr
Fluch und Segen des Rheins
Die Rheinbrücke in Lustenau: Noch bis 1867 wurde der Rhein nur mit Fähren überquert. STADTARCHIV

Der Alpenfluss bescherte den Anrainern sowohl Einkommen als auch Unheil.

Lustenau Der Rhein zwischen Tardisbrücke und dem Bodensee bildet ein Teilstück der Verkehrsroute von Italien über die Bündner Pässe in den Bodenseeraum und nach Deutschland. Der Fluss ist mit einer Länge von 1320 km einer der bedeutendsten Europas. Das 70 km lange Teilstück des Alpenrheins zwischen Bad Ragaz und dem Bodensee bildet die östliche Grenze des Kantons St. Gallen zum Fürstentum Lichtenstein und zu Österreich.

Bedeutende Wasserstraße

Für die Bewohner der Landschaft am Alpenrhein war der Fluss während Jahrhunderten sowohl Lebensader wie auch Lebenszerstörer. Der Funktion als Wasserstraße und somit als Anschluss an die wichtigen Handelsrouten stand die unberechenbare Naturgewalt des Flusses gegenüber, die zeitweise unbeschreibliches Leid über die Bewohner brachte. Seit dem 11. Jahrhundert gibt es Berichte von der „Rheinnot“. In Anbetracht der heutigen Verhältnisse am Alpenrhein ist es schwierig, sich vorzustellen, dass der Fluss vor dem 19. Jh. die Funktion einer Wasserstraße hatte.

Für die Flößerei war Reichenau am Zusammenfluss von Vorder- und Hinterrhein Ausgangspunkt. Für die Floßfahrten von Graubünden zum Bodensee waren Trübbach und Rheineck die wichtigsten Stationen. Eine Fahrt von Reichenau bis Rheineck dauerte bei guter Witterung um die zwei Tage. In Trübbach pflegten die Flößer zu übernachten. Rheineck war als letzte Anlegestelle vor der Mündung in den Bodensee der Endpunkt der Flößerei auf dem Rhein. Dort wurde die von Graubünden kommende und über die Stadt hinausgehende Ware eingelagert und dann weiterverfrachtet.

Noch keine Brücke

Der Holztransport spielte im Zusammenhang mit der Flößerei auf dem Rhein eine bedeutende Rolle. In einer Urkunde von 891 wird dem Kloster St. Gallen ausdrücklich das Recht zuerkannt, Schiffsholz im Kobelwald zu fällen und über den See zu führen. Neben der reinen Holzflößerei, die zeitweise verboten war, wurden Handelsgüter aus Italien und Graubünden sowie auch Personen geflößt.
Für Schiffe war der Rhein vom Bodensee aufwärts nur im unteren Bereich befahrbar. Im 17. Jahrhundert konnten die Schiffe auf voralbergischer Seite noch bis zur Landestelle Bauern bei Hohenems fahren, wie die Emser Chronik von 1616 berichtet.

Noch im Jahre 1865 gab es zwischen dem Vorarlberger und dem Schweizer Rheinufer keine einzige Brücke. Die Verbindung wurde ausschließlich durch Fähren hergestellt.

Die Fähre von Monstein, die das schweizerische Au und Lustenau-Rheindorf verband und „Hauptfahr“ genannt wurde, war vermutlich die älteste Fährverbindung am Alpenrhein. Eine zweite Fähre wurde beim Oberfahr eingerichtet.

Bei Schmitter wurde für jene Schweizer Bürger eine Fähre eingerichtet, die im Lustenauer Gemeindegebiet Böden zu bewirtschaften hatten. Die Überfahrt auf einer solchen Fähre war nicht ungefährlich. So schildern zahlreiche Berichte mutige Rettungsaktionen, aber auch tragische Todesfälle. Die Rufe nach einer festen Brückenverbindung über den Rhein wurden immer lauter.

Erst am 30. Juni 1867 wurde aber die erste Brücke über den Rhein zwischen Lustenau-Rheindorf und Monstein feierlich eingeweiht. Es folgte 1870 die Brücke nach Höchst, 1872 die Eisenbahnbrücke und nach den Brücken in Gaißau und Widnau schließlich 1878 die hölzerne Oberfahr-Brücke. bet