Neuerlicher Hilferuf aus dem Kleinwalsertal

Vorarlberg / 29.09.2020 • 16:50 Uhr
Neuerlicher Hilferuf aus dem Kleinwalsertal
Der Kanzlerbesuch im Mai hatte Hoffnungen auf eine Sonderlösung geweckt. Mittlerweile macht sich im Tal Ernüchterung breit. VN/STEURER

Petition mit über 7000 Unterschriften (Stand 29. 9., 16 Uhr): Bewohner fürchten um ihre wirtschaftliche Existenz.

Mittelberg Die ersten Betriebe haben bereits geschlossen. Seit Vorarlberg von den deutschen Behörden wegen hoher Coronafallzahlen auf die rote Liste gesetzt wurde, erlebt das Kleinwalsertal faktisch einen zweiten Lockdown. Die Enklave, die ausschließlich über deutschen Boden erreichbar ist, steht mit dem Rücken zur Wand. Das Tal lebt vom Tourismus, acht von zehn Urlaubern sind Deutsche. „Je länger die Situation ungelöst bleibt, desto mehr Existenzen werden vernichtet“, sagt Patricia Wachter (42). Die gebürtige Allgäuerin lebt seit 13 Jahren im Tal. Am vergangen Sonntag hat sie eine Petition gestartet, eine Art Hilferuf für die gesamte Talschaft. Gefordert wird ein Sonderstatus mit der Anerkennung der Regelungen im bayerischen Wirtschaftsraum. Die Zeit drängt.

Überlebenskampf

Die Reisewarnung treffe das Kleinwalsertal unvorbereitet mit voller Wucht und stelle eine Existenzfrage für die gesamte Talschaft dar, heißt es in der Petition. In kürzester Zeit haben über 7000 Menschen unterschrieben, viele davon aus dem Tal selbst. In ihren Kommentaren schildern die Bewohner ihre Sorgen. Beschrieben wird ein wirtschaftlicher Überlebenskampf. Unterstützt werden die Kleinwalsertaler auch von vielen Urlaubern, die sich der Petition angeschlossen haben. Mit so viel Zuspruch hätte sie nicht gerechnet, sagt Wachter, die im Kleinwalsertaler Rosenhof arbeitet.

Ernüchterung nach Kurz-Besuch

Zur Existenzangst gesellt sich bei vielen auch Frustration. „Obwohl der Bundeskanzler und der Landeshauptmann bei ihrem Besuch gesagt haben, so eine Situation darf nicht noch einmal vorkommen, haben wir sie jetzt schon wieder“, ärgert sich Roman Schuster (57), Sprecher der Vermietungs- und Beherbergungsbetriebe. Mitte Mai war Bundeskanzler Sebastian Kurz (VP, 34) ins Tal gereist. Es sollte ein Besuch mit Symbolcharakter werden. Geholfen hat es den Kleinwalsertalern offensichtlich wenig. Man habe im Sommer versäumt, eine Sonderlösung zu finden, sagt Schuster.

Die Reisewarnung stößt im Tal auch auf Unverständnis, weil es insgesamt erst drei Covid-19-Fälle gab. Aktuell ist die Region coronafrei.

Kleinwalsertaler Hoteliers fordern auf openpetition.de einen „Sonderstatus für das Kleinwalsertal – anerkennung der Regelungen im bayerischen Wirtschaftsraum“.