Bregenzer ÖVP leckt ihre Wunden

Vorarlberg / 28.09.2020 • 19:00 Uhr
Bregenzer ÖVP leckt ihre Wunden
Veronika Marte auf der Abgeordnetenbank im Landtag. Die 38-Jährige ist eine der Kandidatinnen für den Chefsessel der Bregenzer ÖVP.

Suche nach jungem/junger Parteivorsitzenden hat begonnen. Veronika Marte ist eine Option.

Bregenz Der Tag nach einer verlorenen Wahl ist hart. Das ist auch bei den Bregenzer Schwarzen so, die sich nach der Niederlage von Amtsinhaber Markus Linhart (60) gegen Michael Ritsch (52) in einer neuen Situation wiederfinden. Noch am Wahlabend steckten die Top Ten der Bregenzer ÖVP-Liste gemeinsam mit Staatssekretär Magnus Brunner und Nationalratsabgeordneten Norbert Sieber die Köpfe zusammen. Gleich am Montag gab es die nächste Sitzung. “Wir haben uns darauf verständigt, den Parteivorsitz mit einer jungen Kraft zu besetzen und einen Generationenwechsel einzuläuten”, teilte Michael Rauth (67), Bildungsstadtrat und einer der Granden der Bregenzer ÖVP, dazu mit.

“Wir wollen den Parteivorsitz in Bregenz mit einer jungen Kraft besetzen.

Michael Rauth, Bildungsstadtrat Bregenz

Jugend vor den Vorhang

Rauth verweist auf den Umstand, dass “drei unserer Top Ten der Liste unter 30 sind, drei weitere zwischen 30 und 40”. Dass Stadträtin Veronika Marte (38) mit ihrer auch bundespolitischen Erfahrung eine heiße Kandidatin für die Führungsposition der Bregenzer ÖVP ist, wollte Rauth nicht bestätigen, aber auch nicht dementieren. Marte selbst gibt sich nach außen wie ihr Stadtratskollege. “Natürlich werden wir jetzt personelle Weichen stellen. Wir sind ein gutes Team, das zusammenhält, und wollen den Bürgermeistersessel in Bregenz zurückerobern. Wer dann an der Spitze der Partei steht, wird das Ergebnis der Weichenstellungen sein”, übt sich die frischgebackene ÖAAB-Lehrervertreterin in Zurückhaltung. Fix ist: Markus Linhart wird in der erneuerten Bregenzer ÖVP keine Rolle mehr spielen. Derzeit besetzen die Schwarzen im Stadtrat vier von neun Posten und sind in der neuen Stadtvertretung mit 15 von 34 Sitzen präsent.

Man wolle jetzt abwarten, was der neue Bürgermeister Michael Ritsch anbiete und wie das freie Spiel der Kräfte funktionieren soll.

Grüne und die Inhalte

Genau das wollen auch die Grünen tun. “Wir haben übrigens auch nie eine Wahlempfehlung für Markus Linhart abgegeben”, wehrt sich Grünen-Chefin und bisherige Vizebürgermeisterin Sandra Schoch (49) gegen derartige Behauptungen vor der Stichwahl. “Uns geht es um inhaltliche Angebote des neuen Bürgermeisters. Dabei stehen die Themen Klimaschutz und leistbares Wohnen im Mittelpunkt”, betont Schoch, die sich mit dem Zugewinn von einem Mandat mit nunmehr sechs StadtverteterInnen als Siegerin der Gemeindewahl 2020 fühlen darf.

FPÖ begrüßt Wechsel

Den Wechsel an der Spitze der Stadt begrüßen die Bregenzer Freiheitlichen, die sich im Vergleich zu 2015 mehr als halbiert haben. “Michael Ritsch hat gute Ideen für Bregenz. Ich begrüße den Führungswechsel nach Jahren des Stillstands. Ich stehe Angeboten der Zusammenarbeit offen gegenüber”, äußert sich FPÖ-Stadtparteichef Philipp Kuner (38) zum Ausgang der Stichwahl.

Spätestens vier Wochen nach der Wahl muss sich die neue Stadtvertretung konstituieren. Der neue Vizebürgermeister bzw. die neue Vizebürgermeisterin wird von der Stadtvertretung gewählt.