Wo man in Dornbirn Stadtgeschichte schrieb

Vorarlberg / 25.09.2020 • 13:00 Uhr
Wo man in Dornbirn Stadtgeschichte schrieb
Das Vereinshaus mit Saal war bis zum Großbrand im Jahr 1979 ein Ort der Politik und Kultur. SAMMLUNG WLADIKA, WEBER, HUTER

Historische Gebäude erinnern an vergangene Stadtpolitik und Kultur.

Dornbirn Über Jahrzehnte hinweg wurde vor allem in vier Dornbirner Sälen Stadtgeschichte geschrieben. Sie waren auch gesellschaftliche Treffpunkte und Orte der Kultur. Ältere Dornbirnerinnen und Dornbirner können sich noch an die Bälle, Theateraufführungen, Hochzeiten und andere Veranstaltungen im Schlossbräu, Mohren, Vereinshaus oder im Hirschen erinnern.
Eines haben sie gemeinsam: Sie alle sind Geschichte. Einige mussten Verbauungen weichen, auch höhere Gewalt schlug zu. Ein feuriges Ende nahm das Vereinshaus in der Schulgasse. Das Gebäude fiel am 10. Mai 1979 einem Großbrand zum Opfer, der sowohl den schönen Saal als auch das Gasthaus in Schutt und Asche legte. Hinter den historischen Mauern wurde über Jahrzehnte hinweg auch Politik gemacht. Seit der Gründung des „Katholischen Bürgerlichen Casinos“ 1868 war das Haus, das in der Bevölkerung auch als „Kasino“ bekannt war, die Zentrale der Dornbirner „Schwarzen“. Besonders gepflegt wurde im noblen Saal das Theaterspiel, wobei man sich nicht scheute, auch anspruchsvolle Stücke ins Programm aufzunehmen.

Zentrale der Blauen

Während im „Kasino“ vorwiegend die schwarzen Parteifreunde aus- und eingingen, galt der Mohren als Parteilokal der Liberalen oder Blauen, außerdem wurde im Saal eifrig musiziert.

Die Gesellschaft der Musikfreunde pflegte dort ab 1875 vor allem die klassische Musik. Im Mohrensaal gingen auch regelmäßig Theateraufführungen über die Bühne, an Wochenenden traf sich die Jugend gerne zum Tanz. Wer gut speisen wollte, war im Mohren an der richtigen Adresse. Ein gutes Menü soll es um 80 Kreuzer gegeben haben. Heute wären das umgerechnet rund zehn Euro.
Das gesellschaftliche Leben in Dornbirn war im 19. Jahrhundert derart umfangreich, dass auch der Saal in der Gans, später bekannt als Schlossbräu, stets gut ausgelastet war. Kein Wunder, denn die Unterhaltungsmöglichkeiten waren damals eher begrenzt und man nutzte jede Gelegenheit, um gemeinsam zu feiern oder ein Theater oder Konzert zu besuchen. Immerhin hatten in den großenSälen bis zu 400 Menschen Platz. Die Geschäfte müssen gut gelaufen sein, denn die Wirte kamen ohne öffentliche Subventionen über die Runden. ha