Peter Bußjäger

Kommentar

Peter Bußjäger

Sperrstunde

Vorarlberg / 24.09.2020 • 15:59 Uhr

Die drei westlichen Bundesländer haben sich darauf verständigt, die Sperrstunde in den Gastronomiebetrieben auf 22 Uhr vorzuverlegen. Die Maßnahme war schon längst überfällig, stößt jedoch verschiedentlich auf Unmut. Betriebe, die sich stets an die Vorschriften gehalten haben, dürfen sich bei Wirten bedanken, die es beispielsweise auf dem Marktplatz in Dornbirn so weit kommen ließen, dass die Situation mittlerweile eskaliert ist. Denselben Dank dürfen sie auch dem vorwiegend jugendlichen Publikum aussprechen, für das Rücksichtnahme, Vernunft und Zurückhaltung Wörter sind, die sie häufig nicht verstehen wollen oder können.

Egal ob Ampelfarbe gelb oder orange, Hauptsache ist die Parteifarbe.“

Man sollte allerdings nicht immer nur die Jugend kritisieren. Wer die Gemeindewahlen vom vorletzten Sonntag mitverfolgte, hörte von den erfolgreichen Kandidaten aller politischen Farben, wenn sie auf ihre Pläne angesprochen wurden, immer wieder: „Jetzt wird erst einmal gefeiert, danach sehen wir weiter.“ Auf die Idee, dass Feiern nicht nur unpassend, sondern auch gefährlich für die Bürgerinnen und Bürger sein könnte, kamen diese Leute offenbar nicht. Und das, nachdem sie in einem aufreibenden Wahlkampf von Haustür zu Haustür gezogen waren. Der Bürgermeister als Superspreader?

Eine Kandidatin stellte Fotos ihrer Wahlparty samt vollen Weingläsern sogar auf ihre Facebook-Seite. Man könnte ob der Intelligenz mancher Funktionsträger in diesem Land verzweifeln. Wies man sie darauf hin, rechtfertigten sie sich treuherzig damit, dass sie ja die Abstände eingehalten hätten und außerdem seien sie nur zu viert an den Tischen gesessen. Na schön, wollen wir es ihnen glauben.

In den Gemeinden, wo Stichwahlen um das Bürgermeisteramt stattfinden, herrscht nach wie vor Wahlkampf. Nach den Facebookseiten mancher Kandidaten zu urteilen, kann weiterhin nicht auf alkoholselige Umgebungen in diversen Lokalen verzichtet werden. Egal ob Ampelfarbe gelb oder orange, Hauptsache ist die Parteifarbe.

Mit ihrer Sperrstundenregelung versuchen die drei Landeshauptleute von Salzburg, Tirol und Vorarlberg jedenfalls, die letzte Chance zu nutzen, in ihren Ländern so etwas wie eine Wintersaison zu ermöglichen. Die Gastronomiebetriebe sollten ihnen dankbar sein und sie nach Kräften unterstützen.

Peter Bußjäger ist Direktor des ­Instituts für Föderalismus und ­Universitätsprofessor in Innsbruck.