Ein Hohenemser Haus voller Geschichte

Vorarlberg / 24.09.2020 • 11:30 Uhr
Ein Hohenemser Haus voller Geschichte
Erst in über einem Jahr soll das denkmalgeschützte Haus fertig saniert sein. VN/PAULITSCH

Bei Sanierungsarbeiten kam die Historie des Hirschfeldhauses zum Vorschein.

Hohenems Die alten Holztüren sind verschlossen, die Fenster verdeckt. Das als Hirschfeld- oder Marinellihaus bekannte Gebäude im Jüdischen Viertel in Hohenems ist schon lange nicht mehr bewohnt. Allmählich kommt wieder Leben hinter das Gemäuer. Das Haus wird saniert, seit August dieses Jahres sind die Bauarbeiten im Gange. Hinter den Abdeckungen kommt die Geschichte des Hauses zum Vorschein.

Die Familie Marinelli betrieb in dem Haus einen Lebensmittelmarkt, an den sich manche Hohenemser noch erinnern.
Die Familie Marinelli betrieb in dem Haus einen Lebensmittelmarkt, an den sich manche Hohenemser noch erinnern.

Die Geschichte reicht weit zurück. Laut Datenbank des Jüdischen Museums gehörte das Haus ursprünglich Hirsch Josef Levi, der 1792 eine Hälfte des Hauses an seinen Sohn Josef Hirschfeld weitergab. 19. Jahrhundert blieb das Haus zweigeteilt und war im Besitz verschiedener Familien, unter anderem der Familie Marinelli.

Neues Zuhause

Diese hat einen Adeg-Lebensmittelmarkt betrieben. „Ich habe dort bei der Frau Marinelli noch eingekauft“, erzählt Walter Lampert aus Hohenems. „Als ich in der Volksschule war, hat mich meine Mama hin und wieder zum Einkaufen hingeschickt.“ Das sei Ende der 50er-Jahre gewesen, danach habe es diesen Adeg recht bald nicht mehr gegeben. Alte Aufkleber an den Fensterscheiben sind das Einzige, das heute noch daran erinnert.

Inzwischen sind die Böden kahl, die Fliesen bereits weggeräumt, die Natursteine in den Mauern liegen offen und das alte Gebälk kommt zum Vorschein. Noch ist das Haus eine Baustelle. Doch das soll sich bis Weihnachten des nächsten Jahres ändern, erklärt Thomas ­Schwiegelshon, Projektleiter der Baufirma Grabher. Bis dahin sollen Wohnungen und Geschäftsflächen entstehen. Das Erdgeschoß soll unter anderem der Belebung des Hauses und des Platzes in der Schweizer Straße dienen. Außerdem findet das neue Grabher-Zuhause Platz.

Bis dahin ist es noch etwas Arbeit, bis das denkmalgeschützte Haus fertig saniert ist. Das Fenster- und Fassadenbild soll möglichst dem früheren Zustand entsprechen. Innen soll das Gemäuer aus Naturstein sichtbar bleiben. „Wir bauen keine fremde Welt“, erklärt Architekt Hugo Dworzak. Bald stehen die Türen in der Schweizer Straße 8 wieder offen. Und neue Geschichten können entstehen. VN-liw