Gastwirte zwischen Ärger und Gelassenheit

Vorarlberg / 23.09.2020 • 19:30 Uhr
Gastwirte zwischen Ärger und Gelassenheit
Die Gastroszene hat wieder mit Einschränkungen zu kämpfen. VN/STEURER

Vorgezogene Sperrstunde wird unterschiedlich beurteilt.

Schwarzach “Sperrstund is”, hat weiland schon Hans Moser wehmütig intoniert. Da war der Hintergrund allerdings weniger ernst. Die Sperrstundenregelung, die ab morgen, Freitag, in Vorarlberg, Tirol und Salzburg gilt, hat andere Dimensionen. Um 22 Uhr heißt es Licht aus in der Gastronomie. Geschuldet ist die Maßnahme den steigenden Coronainfektionen, allerdings ziehen in Österreich nicht alle Bundesländer mit. Für den Vorarlberger Landeshauptmann Markus Wallner hingegen war der Schritt eine zwingende Notwendigkeit im Bemühen, die Weiterverbreitung des Virus zu vereiteln (die VN berichteten).

Vor allem die im Bezirk Dornbirn aufgetauchten Partycluster sorgten bei den politisch Verantwortlichen für Kopfzerbrechen. Mit der Vorverlegung der Sperrstunde von 1 auf 22 Uhr hoffen sie auf eine Besserung der Situation. Drei Wochen lang sollen früher als sonst die Luken dichtgemacht werden. Dann wird analysiert. Kritik setzte es dennoch. Oppositionsparteien im Land sprachen von einer unüberlegten Vorgehensweise und Arbeitsplatzvernichtung in einer ohnehin schon arg gebeutelten Branche.

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Was soll ich da jammern, da müssen wir jetzt durch und alle zusammenstehen. Wir haben schon bisher das Beste aus der Situation gemacht und werden das auch weiterhin tun. Im Sommer hatten wir viele Gäste aus Innerösterreich, aber auch solche aus Vorarlberg sind gekommen. Wir waren und sind für jeden Gast dankbar. Ein kleiner Trost an der neuen Sperrstundenregelung ist, dass sie zumindest vorläufig mit drei Wochen befristet ist. Brigitte Kaufmann, Gasthof Wallis, Raggal

Ich bin der Meinung, wir werden wahrscheinlich jetzt auch einmal protestieren müssen, auch einmal auf die Straße müssen. Ich will alle demokratischen Mittel nutzen. Ich habe wiederholt ein Gespräch eingefordert, um gemeinsam zu einer Lösung zu finden. Bitte überlegt Euch diese Aktion noch einmal, denn das kann es nicht sein. Die neue Sperrstunde wird jede Bar zum Schließen zwingen, die Menschen werden vermehrt zu Hause feiern, und dort hat die Politik dann keine Handhabe mehr. In der Gastronomie hättet Ihr diese gehabt. Gabriel Venturiello, Gabriel’s Cucina, Dornbirn

Die momentane Willkür ist belastend und schafft maximale Unsicherheit. Es werden verfassungswidrige Gesetze erlassen, die dann vom VfGH wieder aufgehoben werden. Die von der Regierung beschlossene Corona-Ampel ist ein Desaster und de facto wieder außer Kraft gesetzt. Mit der 22-Uhr-Sperrstunde wird die ohnehin herausfordernde Zeit ökonomisch noch schwieriger. Es wäre jetzt nur konsequent, wenn die Vorarlberger Landesregierung und die Feldkircher Stadtregierung dem Modell der Wiener Stadtregierung folgen und die Öffnung der Winterschanigärten ermöglicht. Kassian Xander, OneMore, Feldkirch

Ich finde die Entscheidung nicht richtig. Gerade jüngere Menschen, die um 22 Uhr das Lokal verlassen, weichen dann in den privaten Bereich aus. Die Gastronomie, die es sowieso schon hart getroffen hat, muss als Bauernopfer herhalten, damit die Hotels im Winter hoffentlich öffnen können. Es ist nicht in Ordnung, wenn Unternehmer gegeneinander ausgespielt werden. Auch für die Eventgastronomie ist die Perspektive weg.“ Andrew Nussbaumer, Palast Hohenems