Bielerhöhe soll touristisch weiter erschlossen werden

Vorarlberg / 23.09.2020 • 05:45 Uhr
Bielerhöhe soll touristisch weiter erschlossen werden

Mit dem “Base Camp Austria” will das Montafon bei Sportlern punkten.

Gaschurn Die Pläne reichen einige Jahre zurück. Seit 2006 spielt der Gaschurner Bürgermeister Martin Netzer mit dem Gedanken, die Bielerhöhe stärker touristisch zu nutzen. Schon damals hatte die Gemeinde ein sportwissenschaftliches Konzept erabeiten lassen. Der gesundheitsorientierte Breitensport und Spitzensportler wurden ins Visier genommen. Für sie sollte unter idealen Bedinungen auf über 2000 Metern ein Angebot geschaffen werden. Netzer ortet mit Höhentraining Chancen im Fremdenverkehr vor allem auch in einer Zeit, in der bisher wenig los war. “Die Vision ist es, zusätzliches Potenzial zu nutzen, indem die Saison nach vorne verlagert werden kann”, so der Langzeitbürgermeister.

Die Umsetzung der Pläne, die Staumauerklettern, Skirollern, Langlaufen und Biathlon umfassen, nehmen Fahrt auf. Der Kletterpark Silvrettasee ist bereits in Betrieb. Noch in dieser Woche steht für das “Base Camp Austria” die Verhandlung zur naturschutzrechtlichen Bewilligung an. Antragsteller ist die Montafon Nordic Sportzentrum Gmbh. Es sei schon jede Menge Infrastruktur durch den Bau des Obervermuntkraftwerks II vorhanden, sagt deren Geschäftsführer Elmar Egg. Die notwendigen Eingriffe für die Trainingsmöglichkeiten seien überschaubar, ergänzt Bürgermeister Netzer. Sie sollen im Einklang mit der Natur stattfinden. Bereits vor der Einreichung sind kleinere Umplanungen erfolgt.

150 Meter lange Schleife

Mit dem Bau des Obervermuntkraftwerks II werden jetzt noch bestehende oberirdische Druckleitungen demontiert. So existieren bereits Schotterwege, die für die Loipe asphaltiert werden sollen. Damit ist auch Training auf Rollen im Sommer möglich. Eine 150 Meter lange Schleife muss jedoch erst neu errichtet werden. Seitens der Naturschutzanwaltschaft spricht Katharina Lins von Asphaltierungen im Ausmaß von 2000 Quadratmetern. Es gebe schon ein paar Eingriffe, die man sich anschauen müsse. Eine Stellungnahme werde im Rahmen des Genehmigungsverfahrens abgegeben.

Bielerhöhe soll touristisch weiter erschlossen werden
Die gelben Linien zeigen die Winter-Loipe.

Gaschurns Bürgermeister Martin Netzer sieht es als riesige Chance, die bereits vorhandene Infrastruktur sinnvoll zu nutzen. Im Zuge des UVP-Verfahrens für den Kraftwerkbau konnte man den Illwerken Zugeständnisse abgewinnen. “Die Illwerke geben uns jetzt etwas zurück, was uns sehr freut.” Einrichtungen wie Umkleiden und WC-Anlagen würden von der Tourismussparte des Stromversorgers bereitgestellt. Auch das Silvrettadorf, die Arbeiterbaracken, können als Unterkünfte genutzt werden. Mit Silvretta-Hotel, Hotel Piz Buin und Madlenerhaus sei die Betteninfrastruktur am Berg bestens, zudem auch die Erreichbarkeit aus dem Tal Sommer wie Winter gewährleistet.

Die Pläne sehen Langlaufloipen und Biathlonstrecken für Laser- und Druckluftgewehre vor. Eine feste Schießanlage ist nicht geplant. Die Bielerhöhe soll ein Trainingsmekka für Leistungssportler werden. Wettbewerbe werden keine stattfinden. Über 1800 Meter sei das nicht möglich, erklärt Elmar Egg die internationalen Regeln. Perspektivisch wird dies aber nicht ausgeschlossen. Wann die ersten Langläufer ihre Runden auf der neuen Loipe drehen, hängt vom Fortgang des Bewilligungsverfahrens ab. Er gehe davon aus, dass heuer alle Grundlagen für die Umsetzung im nächsten Jahr geschaffen werden, so Netzer. Sollte es schneller gehen, könnte das Vorhaben schon mit den Abschlussarbeiten beim Obervermuntwerk II umgesetzt werden. Derzeit seien die Baumaschinen noch vor Ort, hofft der Gemeindechef.