Wohnanlage stört Dorffrieden in Langenegg

Anrainer wehren sich nach Bauverhandlung mit Unterschriftenliste. Noch-Bürgermeister fühlt sich in seiner Arbeit negiert.
Langenegg Ein paar Wohnhäuser, daneben Bauernhöfe und viel Grün, auf den Feldern grasen Kühe: Es ist ein idyllischer Fleck Erde etwa einen Kilometer vom Ortszentrum der Bregenzerwäldergemeinde Langenegg entfernt. Bis letzte Woche war hier die Welt noch in Ordnung. Eine Bauverhandlung hat die Stimmung kippen lassen. “Wir sind aus allen Wolken gefallen”, sagt Rosina Stöckler (69) und deutet auf Planungsunterlagen. Eine Wohnanlage, dreistöckig und 13 Meter hoch, soll direkt vor ihrem Haus errichtet werden. Niemand habe etwas dagegen, dass hier gebaut wird. “Aber doch nicht so”, empört sich die Anrainerin. Mit ihrem Unmut ist sie längst nicht alleine. 151 Unterschriften dokumentieren den Widerstand gegen das Bauvorhaben. Gefordert werden ein sofortiger Stopp und eine Neubetrachtung des Projekts “Bebauung Leiten”.
Leiten ist der Name des Weilers, in dem sich die Gemeinde Grundstücke für die Entwicklung des Ortes gesichert hatte. Wohnraum für junge Langenegger soll hier entstehen, beschreibt Bürgermeister Kurt Krottenhammer (70), der nach den Wahlen mit der konstituierenden Sitzung sein Amt abgeben wird.
2018 wurde den Langeneggern ein Papier präsentiert, das jetzt einen Keil zwischen Anrainer und Gemeindeverantwortliche treibt. “Weil das nunmehrige Bauvorhaben in der Dimension nichts mehr mit dem zu tun hat, was uns damals gezeigt wurde”, so Rosina Stöckler beim Lokalaugenschein der VN. Spontan sind ein halbes Dutzend Bewohner eingetroffen. Von Reihen- und Doppelhäusern sei die Rede gewesen, aber nicht von solchen Wohnblöcken. “Eine sensible Abrundung des bestehenden Siedlungskörpers, ohne dass dadurch eine generelle Störung des Orts- und Landschaftbildes riskiert wird”, zitiert einer von ihnen aus dem Papier. Das Regionale Entwicklungskonzept sehe auch andere Verdichtungszahlen vor. Statt der festgelegten 50 würden hier 76 realisiert. Und überhaupt sei das Quellgebiet.
“Arbeit negiert”
Die Fronten sind verhärtet, wie eine Nachfrage beim Bürgermeister zeigt. Krottenhammer wirft den Anrainern Desinteresse vor. An Dorfabenden habe man das Projekt mehrfach vorgestellt, nur sei keiner von ihnen gekommen. “Bei der Bauverhandlung dann plötzlich diese stürmischen Reaktionen”, macht er seinem Unmut Luft. Seine eigene Arbeit sieht er damit negiert.
Man werde “von oben herab behandelt” ärgern sich wiederum die betroffenen Gemeindebürger. Der Dorffrieden im Weiler Leiten hängt jedenfalls mächtig schief. Zustimmung und Gemeinsamkeiten: Fehlanzeige. Während der Bürgermeister informiert haben will, sagen die Anrainer, Informationen habe es keine gegeben. Die hätte man sich auch besorgen können. “Da gibt es auch eine Holschuld”, so Krottenhammer. Ein Verdacht liegt nahe: Die Kommunikation hätte besser laufen können.

Ein später Versuch, am Montag dieser Woche, hat offensichtlich auch nicht das gewünschte Ergebnis gebracht. Beim, wie es die Anrainer sehen, ersten tatsächlichen Informationsgespräch sei immer wieder darauf hingewiesen worden, dass es jetzt eben zu spät für Änderungen am Projekt mit 32 Wohnungen und 46 Tiefgaragenplätzen sei. Ein Satz, der auch bei der Bauverhandlung gefallen sein soll und für Verärgerung gesorgt habe.
Es sei “sehr spät für mögliche Änderungen”, sagt Krottenhammer auch im VN-Gespräch. Dennoch werde man schauen, was etwa im Bereich Straßenführung oder Gehsteig möglich sei. Mit dem privaten Bauträger sollen einzelne Punkte angeschaut werden. Bei Planänderungen würden aber Kosten entstehen, die von der Allgemeinheit getragen werden müssen, lässt der Noch-Bürgermeister wissen.
Damit dürften die Anrainer nicht zufrieden sein. Sie befürchten, dass rasch die Bagger auffahren werden. “Hier wird ohnedies über alles einfach drübergefahren”, lassen sie wiederum ihrem Ärger Luft.
