Auch dieser Sommer war zu warm

Klimawandel: Durchschnittstemperatur um ein Grad über dem langjährigen Mittel.
SCHWARZACH Wirklich heiß ist es in diesem Sommer nicht allzu oft gewesen. Und doch lag die Durchschnittstemperatur um ein Grad über dem langjährigen Mittel. Das zeigt eine Auswertung, die die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) für die VN vorgenommen hat. Weniger überraschend ist, dass es mehr geregnet hat. Dabei gibt es jedoch extreme Unterschiede zwischen dem Bregenzerwald und anderen Landesteilen.
Ein Jahr allein sagt noch wenig aus über den Klimawandel. Wenn es jedoch regelmäßig wärmer ist als in der Vergangenheit, dann ist das zumindest ein Indiz. „Die Sommer 2018 und 2019 waren extrem heiß“, erklärt ZAMG-Datenexperte Alexander Orlik. 2019 gab es in Bregenz 19 Tage mit mehr als 30 Grad. Heuer waren es zwölf: „Von daher wirken die letzten Monate eher kühl.“ Das ist jedoch relativ: Von 1961 bis 1990 gab es in der Landeshauptstadt durchschnittlich nur drei Hitzetage mit mehr als 30 Grad. Und überhaupt: Von 1981 bis 2010 belief sich die mittlere Sommertemperatur in der Stadt auf 18,3 Grad. Heuer waren es 19,4. Das waren um ein 1,1 Grad mehr als im langjährigen Mittel.
„Was ist schon ein Grad?“, könnte man jetzt einwenden. „Ob es 20 oder 21 Grad hat, merkt man kaum“, gesteht Orlik. Anders sei das bei sehr hohen Temperaturen, da werde es gleich einmal unerträglich: „Der Mensch fühlt sich nur in einem gewissen Bereich wohl.“ Abgesehen davon kann man bei der erwähnten Zunahme der Hitzetage sehen, dass schon eine kleine Veränderung der Durchschnittstemperatur große Folgen hat.
Juni bis 31. August
Um 1,1 Grad wärmer als im langjährigen Mittel war es in diesem Sommer, der aus meteorlogischer Sicht von 1. Juni bis 31. August dauerte, auch in Feldkirch und Gaschurn. In Fraxern und Schröcken lag die Temperatur um 0,9 Grad darüber, in Langen am Arlberg und Schoppernau um 0,8 Grad und in Warth nur um 0,5 Grad; dort oben auf 1478 Metern Seehöhe war es mit durchschnittlich 12,5 Grad aber noch immer recht kühl. Die höchste Temperatur in diesem Sommer wurde von der Zentralanstalt mit 34,2 Grad am 31. Juli in Bregenz gemessen, die niedrigste mit minus 0,1 Grad am 1. Juni in Lech.

In den vergangenen Monaten hat sich gezeigt, dass eine Erwärmung nicht zwangsläufig mit zusätzlicher Trockenheit einhergehen muss. Im Gegenteil. Zum Teil sind außerordentliche Niederschlagsmengen zusammengekommen. In Fraxern handelte es sich mit 811 Litern pro Quadratmeter um 42 Prozent mehr als im Mittel von 1981 bis 2010. In Feldkirch waren es mit 704 Litern um ein Drittel, in Bregenz mit 688 Litern um ein Viertel mehr. Laut Orlik gab es eben nicht nur Starkregentage, die auf eine Großwetterlage zurückzuführen waren. Schon vor dem Sommer seien die Böden außerdem sehr feucht gewesen.
Niederschlag in Laterns
Diese Feuchtigkeit sei „recycelt“ worden, wie der Experte sagt: Das Wasser ist verdunstet und über Gewitter wieder niedergegangen. Ganz offensichtlich aber nur sehr kleinräumig: Bei den Messstationen im Bregenzerwald hat die Zentralanstalt nicht viel mehr Niederschlag festgestellt: In Schröcken waren es mit 781 Litern pro Quadratmeter nur um vier Prozent mehr und in Schoppernau mit 736 Litern sogar um ein Prozent weniger als im langjährigen Mittel. Die mit Abstand größte Niederschlagsmenge im Land hat die ZAMG von Anfang Juni bis Ende August in Laterns gemessen: 945 Liter pro Quadratmeter. Die kleinste Menge wurde mit 547 Litern in Bludenz erreicht. Für diese Stationen liegen jedoch keine Vergleichszahlen aus der Vergangenheit vor.