Erster Salonvortrag in der Villa Falkenhorst

Vorarlberg / 05.09.2020 • 08:00 Uhr
Erster Salonvortrag in der Villa Falkenhorst
Verena Burtscher (Villa Falkenhorst), Referent Franz Welz und Elisabeth Schwald (VHS Bludenz) freuten sich über das große Interesse der Besucher. BI

Vortrag von Universitätsprofessor Frank Welz stieß auf großes Besucherinteresse.

Thüringen Schon der erste Vortrag im Rahmen der neuen Formatreihe „Salonvorträge“, einer Kooperation zwischen dem Verein Villa Falkenhorst und der Volkshochschule Bludenz, war am Mittwoch sehr gut besucht. Das Thema „Was ist Globalisierung?“ schien viele Zuhörer zu interessieren, zumal mit Professor Frank Welz von der Universität Innsbruck, Forschungszentrum Social Theory, ein sehr spannender Referent gewonnen werden konnte. Aufgrund der coronabedingten Auflagen fand der Vortrag nicht im Salon, sondern im Douglass-Saal in der Villa Falkenhorst statt.

Modewort „Globalisierung“

Frank Welz erklärte vorab, was Soziologie eigentlich beinhalte. Dieses Fachgebiet habe nichts mit Meinungsforschung oder einem Datenatlas über die Gesellschaft zu tun, sondern beschäftige sich mit der Frage, welches die Bedingungen sind, die die Menschen zu dem formen, was sie sind. Globalisierung sei ein Modewort, von dem man den Eindruck habe, es gäbe es schon immer. Aber es sei erst in den späten 1990er-Jahren aktuell geworden.

Mehr Informationen aus aller Welt

Wesentliche Merkmale der Globalisierung lägen darin, dass die Probleme einheitlicher geworden seien, die Abhängigkeiten weltweit zugenommen hätten und es eine globale Verknüpfung von Akteuren wie Konzernen, Organisationen und kulturellen Interaktionen gäbe. „Globalisierung ist eine Verdichtung von Raum und Zeit. Als Kind bestand meine Welt noch aus meinem Zuhause, eventuell kam noch Washington vor. In den Medien und durch das Internet wird inzwischen viel mehr aus der ganzen Welt berichtet. Die Welt ist ein großes Dorf geworden. Die Globalisierung hat Einfluss auf jeden Einzelnen“, betone Frank Welz.

Im Vortrag unterschied der Referent zwischen vier Wirkungsbereichen der Globalisierung. In Bezug auf die Wirtschaft gehe es um die Wirkkräfte, die die Globalisierung vorantreiben. Hierzu stellte Frank Welz unterschiedliche Thesen zur Diskussion. Eine davon beruhte auf dem Soziologen Immanuel Wallerstein, der behauptete, die Weltwirtschaft sei schon im 16. Jahrhundert entstanden. Das Zentrum befand sich in Europa und dehnte sich weltweit in die Peripherie aus. Nach dem 2. Weltkrieg verlagerte sich das Zentrum in die USA, inzwischen bildet der asiatische Raum, vor allem China, den Mittelpunkt. Die Staaten der Peripherie sind bestrebt, Teil des Systems zu werden. Die Diskrepanz zwischen dem reichen Zentrum und den anderen Staaten werde immer größer. Insbesondere sei das deshalb so, weil sogenannte Schwellenländer wenig Nachdruck auf technische Innovationen legen, da die Arbeitskräfte dort sehr billig sind. „Das Weltsystem hat sich bisher in langen Zyklen von 150 bis 300 Jahren entwickelt, in diesem Jahrhundert erfolgt die Entwicklung in immer kürzeren Wellen. Die permanent expandierenden Staaten und deren Wirtschaft führen zu immer mehr Konflikten“, führte Frank Welz weiter aus. Die Wirtschaftskrise durch die Corona-Pandemie komme erst noch.

Wirtschaften in Echtzeit

Heute existiere eine Netzwerk-Gesellschaft, die bedeutendste Veränderung durch die Digitalisierung sei das Wirtschaften in Echtzeit. Die neue Wirtschaftsform ist informationell, wissensbasiert und global vernetzt. Im Rahmen der kulturellen Globalisierung unterschied der Wissenschaftler zwischen einer kulturellen Homogenisierung und lokalen Traditionen. Für ihn stehe jedoch nicht die Globalisierung einer pluralen Welt gegenüber, vielmehr gebe es eine „Hybridisierung“ – einer Mischform der beiden, also hybride Kreationen. Gerade Covid-19 als globales Phänomen bilde einen Anlass zum Umdenken. BI