Zahnarzt August Mätzler: „Mir blieb kein anderer Schritt übrig“

Am 31. Mai zog der Dornbirner Zahnarzt einen Schlussstrich und informierte die Stadt, dass er so nicht weitermachen könne.
Dornbirn Bei der Zahnbehandlung von Kindern und Menschen mit Behinderung gibt es Handlungsbedarf, ein Zahngipfel soll Abhilfe bringen (die VN berichteten). 20Jahre lang betreute Zahnarzt August Mätzler Menschen und Kinder mit besonderen Bedürfnissen in Dornbirn. In den vergangenen beiden Jahren sei die Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus Dornbirn schwieriger geworden. Denn für die Behandlung unter Narkose benötigt er das Personal und einen OP-Saal. Mit Ende Juni stellte er nun die Behandlung vollständig ein.
Herr Mätzler, wie kam es so weit?
Dr. August Mätzler: Es hat sich in den vergangenen Jahren nichts verbessert, obwohl die Verantwortlichen im Krankenhaus sahen, dass die Wartezeiten bei mir immer länger wurden. Aus einem Dreivierteljahr wurden recht rasant eineinhalb bis zwei Jahre. Das ist absolut unzumutbar, schließlich handelt es sich um bedürftige behinderte Patienten. Akutbehandlungen waren nicht möglich, hier haben Bregenz und Bludenz ausgeholfen. Hinzu kommt, dass durch den Abgang anderer Konsiliarärzte OP-Zeiten frei geworden wären, aber nicht für die Zahnbehandlung verfügbar wurden.
War es notwendig, die Behandlungen ganz einzustellen?
Der Zustand, dass Eltern mit ihren Kindern in der Ordination waren und nicht wussten wohin mit sich, wurde auch für uns zu einer Belastung. Wir haben wirklich versucht, die Behandlungen optimal zu ermöglichen, hatten auch Konzepte mit dem Krankenhaus. In den letzten beiden Jahren war eine angemessene Behandlung, auf die auch Bedürftige Anspruch haben, nicht mehr möglich. Nachdem ich im Krankenhaus klar und deutlich mitgeteilt habe, dass ich das so nicht mittragen kann, blieb mir kein anderer Schritt übrig, zumal sich nichts ändert.
Dornbirn verweist auf den Umbau der OP-Säle.
In jedem Krankenhaus ist das Thema Personal mal mehr oder weniger akut, ich würde dies nicht als Argument gelten lassen. Durch den Umbau im OP-Bereich waren Einschränkungen in allen Bereichen notwendig und verständlich. Wir haben jetzt sieben wunderschöne, modernste OPs, eine wundervolle Anästhesiemannschaft, nur die mir eingeräumten Behandlungszeiten wurden immer dürftiger. Einmal im Monat vier Patienten und Pausen während des Sommers und der Ferienzeiten, das ist zu wenig. Es ist ursprünglich durch den Versorgungsauftrag und -schlüssel festgelegt worden, dass es im Land rund 450 betroffene Patienten im Land gibt. Bludenz, Bregenz und Dornbirn hätten in etwa 80 Patienten im Jahr und Feldkirch rund 120 zu betreuen gehabt. Dass Feldkirch da relativ schnell ausgeschert ist, ist eine andere Sache.
Dass es 2021 besser sein sollte, dafür fehlt mir der Glauben. Das schaue ich mir an, dann wird die Personalsituation das Problem sein, oder dass die anderen Fachrichtungen doch mehr Arbeit haben.
Wie sollen nun ihre Patienten weitermachen?
Das war eine schwierige Entscheidung für mich, die auch mir weh tut. Da wird man fast sensibel, wenn die Patienten kommen und sagen, dass man einen im Stich lasse. Ich weiß nur nicht, wie ich ihnen helfen kann. In der Ordination habe ich nicht die notwendigen Möglichkeiten und in Bregenz und Bludenz wollte man nicht länger für Dornbirn einspringen, was auch verständlich ist. Sie haben mir aber auch wirklich lang geholfen. Schauen wir, bis dato ist auf mein Schreiben vom zuständigen Chefarzt keine Antwort gekommen.
Nun soll ein Zahngipfel kommen, das LKH Feldkirch und Zahnambulatorien sollen Termine übernehmen. Was sagen Sie dazu?
Wie weit in Feldkirch noch die notwendigen Strukturen vorhanden sind, entzieht sich meiner Kenntnis. Derzeit sind vermutlich zeitliche Kapazitäten vorhanden, aber sobald wieder Normalbetrieb herrscht, ist fraglich, ob sie ohne weiteres diese Aufgabe im alten Ausmaß vollziehen können. Dass im Notfall bei Problemen eine ausgebildete und erfahrene Kinderanästhesistin da wäre, wäre nur in Feldkirch und Bludenz gegeben. Das müsste natürlich irgendwie geregelt sein. Mit einigem guten Willen sollte es möglich sein, dass an gewissen Tagen an den Krankenhäusern das Personal für solche Eingriffe vorhanden wäre. Es sollte der Patient im Vordergrund stehen und nicht organisatorische Grenzen.
Was müsste passieren, dass im Bezirk Dornbirn wieder behandelt wird?
Meine Kollegen wissen ja, welche Wartezeiten ich hatte. Wir werden auch immer einen Grund haben, warum es nicht geht. Da muss man aber sagen, wir haben einen Versorgungsauftrag, das sollte man schon ein bisschen ernster nehmen. Da müssen wir zusammenrücken und eine Lösung finden. Wünschenswert wäre eine Intensivphase, wo wir den Rückstand aufarbeiten könnten, ungeachtet, wer es übernimmt. Aber so kann ich das keinem übergeben.
Muss das in Dornbirn sein?
Wenn sich die Verantwortlichen im Krankenhaus Dornbirn nicht imstande sehen, wäre es fair und angebracht, dass sie es in die Hand nehmen und organisieren. Bei uns, wo alles nah beieinander ist, wäre auch vertretbar zu sagen, man macht es im LKH Hohenems. Auch ob man die notwendigen Geräte von Dornbirn an Hohenems gibt, sollte dies nicht scheitern lassen. Die Bedingungen und Strukturen müssen aber zuerst geklärt werden. Es muss sich was ändern, so kann man nicht weiterwursteln.