Mit 75 Jahren noch Topsportler

Edwin Dobler kam mit 36 Jahren zum Sport.
Satteins Edwin Dobler erinnert unweigerlich an die Duracell-Werbung mit dem Hasen: Und er läuft und läuft und läuft. Mit 75 Jahren ist Dobler sportlich noch immer sehr aktiv und dementsprechend fit. Bei einem Besuch in seinem idyllisch gelegenen Haus auf einer Anhöhe in Satteins wird der Besucher in ein Zimmer im ausgebauten Dachboden geführt, das seinen Erinnerungen an die zahlreichen Wettkämpfe gewidmet ist. Pokal reiht sich an Pokal, an den Dachbalken hängen dreireihig Medaillen. Unzählbar sind diese Zeugen für seine herausragenden sportlichen Leistungen. So wurde er unter anderem Staatsmeister im Marathonlauf, drei Mal Staatsmeister im Berglauf und dreifacher Vizestaatsmeister im Duathlon.
Zum Sport kam er relativ spät: „Ich war 36 Jahre alt, jahrelang hat mich starkes Rheuma geplagt. Nachdem ich schon viel ausprobiert hatte, war die Hoffnung auf eine Besserung geschwunden. Ein junger Arzt riet mir damals, Sport zu betreiben. Meine sportliche Betätigung beschränkte sich zu diesem Zeitpunkt auf Radfahren und Wandern. Ich habe auf diese Empfehlung hin mit Schwimmen und Langlauf angefangen, später kam Joggen hinzu. Nach zwei Jahren war ich symptomfrei, bis heute hatte ich keinen Rückfall.“ Erzählt Edwin Dobler von seinen vielfachen sportlichen Aktivitäten, ist ihm seine Begeisterung anzumerken.
Dabei verlief sein Leben nicht einfach, schon mit elf Jahren mussten er neben der Schule auf einer Alpe mithelfen. Als er später als Maschinenführer und Einrichter tätig war, verunglückte sein Bruder tödlich. Dieser hatte gerade einen Stall neu gebaut, der von Edwin Dobler zusätzlich übernommen wurde: „Wir hatten einen Mastbetrieb mit Rindern, Ochsen und später auch Schafen. Meine Frau Mona hat sehr viel mitgearbeitet, ohne sie wäre das alles nicht zu bewältigen gewesen.“
Neues ausprobieren
Mona Dobler hielt ihm auch den Rücken für seine sportlichen Aktivitäten frei. Oftmals habe er an einem Wettkampf teilgenommen und konnte nicht auf die Preisverleihung warten, da er rechtzeitig in den Stall musste: „Manchmal erfuhr ich erst hinterher, dass ich gewonnen habe.“ Neue Sportarten folgten mitunter spontan: „Ich bin mit vier Freunden mit dem Rad nach Bregenz gefahren. Dort sah ich auf einer Tafel, dass der zweite Bregenzer Triathlon in zwei Wochen stattfinde. Ich habe meine Freunde scherzhaft gefragt, ob sie mich bei den Vorbereitungen betreuen. Sie erwiderten, ob ich auf den letzten Platz trainiere. Schlussendlich habe ich aber in der Gesamtwertung den dritten Platz erreicht. Von da ab hatten nicht nur die Marathonläufer, sondern auch die Triathleten ein wenig Angst vor mir.“ Bei Radrennen stand der umtriebige Satteinser ebenfalls mehrfach auf dem Siegerpodest. Außerdem bestieg er den Mont Blanc, das Matterhorn sowie alle höheren Berge in Vorarlberg und Umgebung. Da Edwin Dobler die sportliche Herausforderung liebt, hat er gleich drei Mal am Alpinmarathon teilgenommen: „Mit 67 Kilometern und 2300 Höhenmetern war das schon eine besondere Herausforderung.“ Auch die 160 Kilometer im Rahmen des 24 Stunden-Laufs in der Steiermark bewältigte der Topsportler fast schon spielerisch.
Seinen Erfolg verdanke er nicht zuletzt seinem Training bei der Arbeit in der Landwirtschaft: „Ich bin durch das Heuen die Hitze gewohnt und habe dadurch einen Vorteil.“ Neben vielen internationalen Wettkämpfen nahm er auch am Iron Man auf Hawaii teil: „Das war unglaublich, ich habe jeden Tag sechs Kilo abgenommen, alle zehn Zehennägel sind mir durch die Hitze in den Schuhen abgefallen. Aber dennoch war es ein schönes Erlebnis!“ Der Laufsport hat sein Leben geprägt, auch jetzt trainiert er noch intensiv. Als Mitglied beim ULC Bludenz nimmt er an Vereinsrennen teil, im Herbst hofft er auf eine Teilnahme beim Halbmarathon: „Nächstes Jahr probiere ich es wieder bei den Landes- und Staatsmeisterschaften. So lange mich mein Enkel Chris mit 33 Jahren noch nicht einholen kann, bleibe ich zuversichtlich, weiterhin zu gewinnen.“ BI