Im Schutzeinsatz für die Jäger der Nacht

Vorarlberg / 19.08.2020 • 11:30 Uhr
Im Schutzeinsatz für die Jäger der Nacht
Gerhard Grätzner, Lea Klien und Mathias Mathis suchen Mitstreiter für ihre Arbeitsgemeinschaft zum Schutz von Eulen.

Immer weniger Lebensraum für Eulen und Käuze – engagierte Initiative hält dagegen.

Hohenems, Bregenz Lea Klien und Mathias Mathis aus Hohenems sowie Gerhard Grätzner aus Bregenz eint ein gemeinsames Hobby: Die Liebe zu Eulen und Käuzen. Und das seit ihrer Kindheit. „Mein Papa war schon Falkner, und wir hatten immer schon Vögel daheim“, erzählt etwa Lea Klien (44), dass ihr Einsatz für diese Waldtiere gleichsam vorgegeben war. Bei Gerhard Grätzner (65) und Mathias Mathis (62) waren es Menschen im Umfeld, die einen Raben und eine Schleiereule als Haustiere hielten.

„Damals war das noch öfters der Fall, heute ist das Halten von Wildtieren einerseits verboten und natürlich im Sinne des Tierschutzes ein kompletter Blödsinn. Die Tiere werden auf den Menschen bezogen und reagieren dadurch fehlgeprägt. Für die Natur sind sie dadurch verloren“, bekräftigt Mathias Mathis.

Für das gemeinsame Hobby heißt es früh aufzustehen: „Da die meisten Tiere nachtaktiv sind, kann man sie nur in der Dämmerung beobachten“, erläutern die drei Vogelliebhaber, dass an solchen Tagen spätestens um drei Uhr früh für sie der Wecker klingelt. Für den Laien ist schon der Unterschied zwischen Eule und Kauz schwer: „Fast alle Eulen haben Federohren, Käuze nicht“, beschreibt Mathias Mathis.

Der Begriff „Eule“ ist dabei der Überbegriff für alle Unterarten der Nachtgreifvögel. Insgesamt gibt es ungefähr 200 Arten. „Der Waldkauz ist der häufigste in Vorarlberg, ist aber auch nur sehr selten zu sehen. So lässt sich nicht sagen, wie viele es tatsächlich gibt“, erläutert Gerhard Grätzer.

Unumstritten ist indes die Wichtigkeit der Eulen für das Gleichgewicht in der Natur. „Die Schleiereule frisst beispielsweise an die vier Mäuse pro Nacht, über die Aufzucht gesehen sind das rund 2000 Mäuse. So ist die Eule auch für die Landwirtschaft ein sehr wichtiger Vogel“, betont Mathias Mathis. „Aus dem Grund stoßen wir mit unseren Anfragen, ob wir Nistkästen auf deren Grundstücken anbringen dürfen, auch meist auf offene Ohren.“

Da die natürlichen Nistplätze, wie etwa leer stehende Scheunen oder abgestorbene Bäume, immer mehr verloren gehen, schaffen die engagierten Eulen-Beobachter zusätzliche Nistplätze. „Wir haben bislang zwanzig Nistkästen aufgestellt und möchten die Anzahl auf hundert erhöhen“, lautet das gemeinsame Ziel. Übrigens: Auch Steinkäuze, die in den 1960er-Jahren in Vorarlberg fast völlig verschwunden waren, werden wieder beobachtet. Auch hier wurden durch eine Initiative 30 Nistkästen aufgestellt. Lea Klein, Mathias Mathis und Gerhard Grätzner wollen nun eine Arbeitsgemeinschaft bilden und suchen Gleichgesinnte, die bei ihren Aktionen mitmachen wollen.

Bleibt noch die Frage, was die Bevölkerung insgesamt tun kann, um Eulen einen natürlichen Lebensraum zu ermöglichen: „Wer eine Eule am Wegesrand findet, soll bitte die Wildtierhilfe anrufen, um abzuklären, ob das Jungtier verletzt ist oder als Nestflüchter einfach nicht mehr zurückfindet“, lautet der Appell der drei Tierschützer. Ideal ist auch, wenn Scheunen oder Stadel nicht komplett abgedichtet sind. „Früher gab es spezielle Einfluglöcher für Vögel.“ Und generell wäre die Artenvielfalt wesentlich größer, wenn am Rand von Wiesen und Feldern noch Grünstreifen Platz hätten. EM