Warum es heuer besonders viele Wespen in Vorarlberg gibt

Dieses Jahr gibt es besonders viele Wespen. Von einer Plage kann aber nicht die Rede sein.
Schwarzach Gerade noch allein im sommerlichen Gastgarten, dann schwirren erst eine, dann drei, dann fünf um das kalte Getränk. Sie kriechen in die Gläser, rasen um das Gesicht und spazieren flüchtig über den Arm. Sie sind lästig. Nervig. Selten stechen sie: Wespen sind penetrante Plagegeister. Und es sind merkbar mehr als vergangenes Jahr – oder? „Wir haben heuer ein Wespenjahr“, bestätigt Biologe Klaus Zimmermann von der inatura Dornbirn. Das liege vor allem an den günstigen klimatischen Bedingungen: Durch den vergangenen milden Winter hätten viele Königinnen überlebt, die früh mit der Reproduktion von Nachkommen beginnen konnten.
Das ebenso ideale Wetter im Frühjahr verschaffte den Insekten viel Zeit, um an ihren Nestern zu bauen. Dementsprechend positiv hätten sich dann auch die einzelnen Staaten entwickelt. 2000 bis 3000 Individuen umfasst ein Nest. „Daher gibt es heuer außergewöhnlich viele Wespen“, erklärt Zimmermann. Die Tiere seien jedoch nicht aggressiver als sonst. Durch die heißen Temperaturen in den vergangenen Tagen seien die Insekten allerdings aktiver als bei milderem Wetter. Von vielen Menschen werde dies wohl als Aggressivität der gelb-schwarzen Brummer ausgelegt.

Nützliche Schädlingsfresser
Von den in Vorarlberg heimischen Wespenarten werden nur die Deutsche und die Gemeine Wespe von Süßem oder Fleisch angelockt, was viele Menschen als Plage empfinden. Häufig haben diese Arten ihre Nester im Dachgeschoss oder in Zwischenwänden. Dabei verrichten Wespen oft nützliche Dienste im Garten. Genauso wie Bienen und Hummeln bestäuben sie Blüten und tragen damit zu einer reichen Obsternte bei. Darüber hinaus helfen sie dabei, Schädlinge, Stechmücken oder Fliegen im Garten einzudämmen, in dem sie diese vertilgen. Beim Umgang mit Wespennestern gilt zu beachten, dass bei uns alle Wespenarten geschützt sind. Maßnahmen gegen die Behausungen der geflügelten Tierchen dürften daher nur ergriffen werden, wenn die menschliche Sicherheit in Gefahr ist.

Den Höhepunkt erreicht ein Wespenvolk, sobald die Männchen und die zukünftigen Königinnen in einer Population schlüpfen. Normalerweise geschehe das bei den Deutschen und Gemeinen Wespen im September. Im November gehen die letzten Arbeiterinnen-Wespen ein.
Bitte nicht anpusten
Schwirren Wespen um einen herum, rät Zimmermann, nicht in Panik geraten oder mit den Händen zu fuchteln und das Insekt nicht zu zerdrücken. Die geflügelten Nervensägen sollten außerdem nicht angepustet werden. Das Kohlenstoffdioxid in der Atemluft signalisiere ihnen Gefahr und versetzt sie in Angriffslaune. „Sie können vom Esstisch ferngehalten werden, in dem man in unmittelbarer Nähe etwas Süßes hinstellt“, rät der Experte.
Was zu tun ist, wenn die Wespe zusticht

Eine unachtsame Bewegung, und schnell ist es passiert: Eine Wespe hat zugestochen. Besondere Vorsicht ist dann angebracht, wenn es bereits einmal zu gesundheitlichen Problemen gekommen ist.
Bei einem Wespenstich gilt es Ruhe zu bewahren und die Stelle zu beobachten, rät Hautärztin Nina Häring von der Abteilung für Dermatologie am Landeskrankenhaus Feldkirch. “Die betroffene Stelle sollte mit einem Coolpack gekühlt werden.” Dieses sollte in Stoff gewickelt sein, um Kälteschäden an der Haut zu vermeiden. Schwillt die Stelle lokal extrem an oder entwickelt sich ein Ausschlag, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Gefährlich sind Wespenstiche für Allergiker: “Symptome wie Atemnot, Erbrechen, Schwindel, Schluckbeschwerden oder Ohnmacht weisen auf eine schwere allergische Reaktion hin. In diesem Fall muss die Rettung gerufen werden”, betont die Ärztin. Menschen, die wissen, dass sie allergisch reagieren, sollten immer ein Notfallset griffbereit haben.

Eine Insektengiftallergie entwickelt sich meistens nicht gleich beim ersten Stich. Es ist sogar möglich, dass jemand über Jahre hinweg keine übermäßige Reaktion auf Insektenstiche zeigt und dann das Immunsystem scheinbar plötzlich überreagiert. Das Immunsystem durchläuft einen Sensibilisierungsprozess. Dabei gibt es dem Körper das Signal, Antikörper gegen das Insektengift zu produzieren. Beim nächsten Stich „erinnert“ sich das Immunsystem und reagiert übermäßig stark.
Laut Nina Häring sei es coronabedingt auf der Station ruhiger, pro Saison kommen etwa zehn bis 15 Fälle wegen eines Wespenstiches ins Landeskrankenhaus.