Fünf „e“ für eine bessere Welt

Vorarlberg / 18.08.2020 • 07:00 Uhr
Fünf „e“ für eine bessere Welt
Bernhard Kleber (links) und Rainer Siegele im Gespräch mit den VN über e5, die Vergangenheit und die Zukunft. VN/PAULITSCH

Die Hälfte aller Gemeinden sind nun bei e5. Die großen Herausforderungen sind Mobilität und der Bodenverbrauch.

Andelsbuch, Mäder 1997 geht Hongkong an China. Harry Potter und der Stein der Weisen wird veröffentlicht. Das Kyoto-Protokoll wird unterzeichnet. Und in Vorarlberg treten die ersten Gemeinden dem e5-Programm bei; einem europaweiten Programm zum kommunalen Energiesparen. Mit dabei: Mäder. 23 Jahre später ist Rainer Siegele immer noch Bürgermeister in Mäder und damit der längstdienende e5-Bürgemeister im Land. Mit dem Beitritt Andelsbuchs sind nun die Hälfte aller Vorarlberger Gemeinden Teil des Programms.
Mäder landet in der europaweiten e5-Tabelle regelmäßig ganz vorne. Das wirke sich auch auf das Selbstbewusstsein aus, ist Siegele überzeugt. „Früher kam man aus der Nähe von Götzis. Heute gehen die Jungen raus und sagen: Wir sind aus Mäder!“ Andelsbuch fange nun nicht bei null an, erzählt Bürgermeister Bernhard Kleber. Schließlich stamme der erste grüne Landtagsmandatar Kaspanaze Simma aus Andelsbuch. „Deshalb waren Energiepolitik und Klimaschutz immer schon ein Thema in der Gemeindevertretung.“

Fünf “e” als Ziel

e5 ist ein europaweites Programm, das alle teilnehmenden Gemeinden nach denselben Maßstäben misst. Jede Gemeinde erhält eine maximale Punktzahl, die erreicht werden kann. Wer 50 Prozent der Punkte schafft, erhält drei von fünf “e”. Ab 75 Prozent gibt‘s fünf “e”. Andelsbuch kommt aktuell auf 40 Prozent, als Neuling hat die Gemeinde jedoch drei Jahre Zeit, um sich erstmals zertifizieren zu lassen.
Das e5-Programm widmet sich sechs Bereichen: den eigenen Gebäuden, Versorgung und Verbrauch, der Verwaltung, Kommunikation, der Strategie sowie der Mobilität. Weder Andelsbuch noch Mäder sind an die Bahn angeschlossen, mit dem Halbstundentakt der Busse sind aber beide Bürgermeister zufrieden. Das Problem: Auch Busse können im Stau stecken. „Als Regio-Verkehrssprecher habe ich mit Landesrat Johannes Rauch erörtert, wo man Busse bevorzugen könnte.“ Allerdings würde eine zusätzliche Spur enormen Flächenverbrauch bedeuten. Rainer Siegele hofft mittelfristig auf einen Viertelstundentakt. „Dann würde es auch nichts mehr ausmachen, wenn man einen Zug verpasst.“

„Eine Radwegverbindung ins Rheintal ist ein großer Wunsch von uns.“

Bernhard Kleber
Bürgermeister Andelsbuch

Tourismus bringt Verkehr

Eine neue Wälderbahn sieht Kleber kritisch. Die Gondelbahn über das Bödele sei keine Verkehrslösung, sondern eine Touristenattraktion. „Und touristische Attraktionen bringen zusätzlichen Verkehr.“ Andere Varianten wären zwar sinnvoller, allerdings sehr teuer. Er ist sowieso überzeugt: „Heutzutage würde man die eigentliche Wälderbahntrasse nicht mehr einstellen.“ Nun habe sie sich die Natur aber zurückgeholt, weshalb darauf auch kein Radweg ins Rheintal gebaut werden kann. „Eine Radwegverbindung ist aber ein großer Wunsch“, betont Kleber. Nun wird eine Variante ab Buch geprüft. Weiter ist man in Mäder. „Wir sind an einer Radschnellverbindung Mäder-Höchst dran. Da läuft der Planungsauftrag, wir brauchen die Schweizer dazu“, berichtet Siegele.
Die größte Herausforderung sei der Umgang mit Grund und Boden. „Beim Wachstum geht es nicht ums Finanzielle, sondern um die Frage: Haben wir so viel Platz?“, schildert Andelsbuchs Bürgermeister. Auch Mäder wächst. Viele ziehen um, halten aber ihre Beziehungen in den Heimatort. “Es braucht enorme Anstrengungen, damit Mäder nicht zum Schlafort wird“, erläutert Siegele. Auch da liegt eine Lösung im e5-Projekt. Zum Sonnenfest kommen alle Teilhaber der PV-Anlage. Bis zu 1000 Leute sind dabei; für die Integration der Zugezogenen eine perfekte Veranstaltung.

e5 in Zahlen

1500 e5-Gemeinden gibt es in Europa.

250 e5-Gemeinden gibt es in Österreich, 48 davon in Vorarlberg.

8 Vorarlberger Gemeinden und eine Region sind mit 5 “e” ausgezeichnet.

85 Prozent aller Vorarlberger leben in einer e5-Gemeinde.

457 Vorarlberger engagieren sich in e5-Teams.

Über 400 Projekte zur Energieautonomie werden jährlich in e5-Gemeinden umgesetzt.

15 e5-Gemeinden haben keinen Ölkessel mehr in Betrieb.

28 e5-Gemeinden beziehen Ökostrom aus eigener Produktion.

Über 100 Elektrofahrzeuge sind im Besitz der e5-Gemeinden.