Ein Kampf auf Leben und Tod gegen Covid-19

Vorarlberg / 11.08.2020 • 08:00 Uhr
Ein Kampf auf Leben und Tod gegen Covid-19
Ein starkes Team, das eine harte Zeit hinter sich hat: Sophie Schwarz und ihre Tochter Susanne. VN/HÄMMERLE

Wie Sophie und Tochter Susanne von der Krankheit erwischt wurden und die Mama fast starb.

Feldkirch Jetzt können sie wieder lächeln. Und sie tun das besonders gerne im Augenkontakt miteinander: Sophie Schwarz und ihre Tochter Susanne, 81 und 47 Jahre alt, haben ihr Leben zurück.

Dieses hätte Covid-19 der Mama beinahe genommen, während die Tochter „nur“ drei Wochen völlig entkräftet darniederlag. Es begann alles am 18. März dieses Jahres. Sophie war erst vier Tage zurück vom LKH Rankweil, wo sie nach einer Rückenoperation eine Therapie beendet hatte. „Ich hatte Durchfall, Bauchschmerzen, war müde. Später kam starkes Kopfweh dazu, ich hatte keinen Appetit“, erzählt Sophie.

66 Prozent Sauerstoffsättigung

„Wir dachten alle, das sind noch Nachwirkungen ihrer Rücken-OP“, wirft Susanne ein. Doch zwei Tage später kam bei der Mama auch starker Husten dazu. Sie konnte kaum mehr reden. Und zu allem Übel wurde auch Susanne plötzlich krank, hatte hohes Fieber. Später erwischte es dann auch Bruder Frank, der sich wie die schwangere Enkelin Nathalie um die Oma kümmerte. Einzig Nathalie, die Krankenschwester, blieb verschont. Sie hatte wohlweislich bereits eine Maske getragen. „Nach Auftreten der ersten Beschwerden und dem Anruf bei 1450 sagte man uns, das seien keine Symptome“, wundert sich Susanne noch heute.

Am 25. März endlich wurde Sophie zuerst nach Feldkirch und noch am selben Tag nach Hohenems eingeliefert. Die Covid-19-Erkrankung war offensichtlich. Die Seniorin hatte nur noch eine 66 prozentige Sauerstoffsättigung. Zwei Tage später wurde sie intubiert und elf Tage im künstlichen Tiefschlaf gehalten. Zwei Wochen verbrachte Sophie auf der Intensivstation. Verwickelt in einen Kampf auf Leben und Tod, an den sie sich freilich nicht mehr erinnern kann.

Isoliert und verwirrt

Während Mama mit dem Tod rang, ging es Susanne zu Hause schlecht. „Ich war völlig entkräftet, musste beim Zähneputzen den Kopf stützen, es überkam mich eine schwere Müdigkeit. Fast drei Wochen ging das so.“

Doch ihre Sorge galt auch in dieser Zeit nur Mama. Die war in Hohenems völlig isoliert und anfangs total verwirrt. „Ich wusste nicht, wie mir geschah. Ich hatte Albträume, dachte, man habe mich an einen geheimen Ort verschleppt. Da waren ja nur Leute mit Masken um mich herum, von meiner Familie durfte niemand zu mir.“

„Ich wusste nicht, wie mir geschah. Ich hatte in Hohenems schreckliche Albträume.“

Sophie Schwarz, ehemalige Covid-19-Patientin

Das Happy End

Allmählich wich dieser Zustand der Gewissheit, dass sie sich nach einer lebensgefährlichen Krankheit auf dem Weg der Besserung befand, dass die Ärzte und Krankenschwestern in Hohenems wunderbare Menschen sind, die sich rührend um ihr Wohl kümmerten. Als moderner Mensch kommunizierte Sophie bald über WhatsApp mit ihren Liebsten. Diese bekamen später sogar die Möglichkeit, sie vom Freien aus sehen zu können, und von dort mit ihr zu telefonieren. Ein unbeschreibliches Gefühl für die Patientin.

Später, als sie dann endlich nach Hause konnte, erfuhr Sophie die ganze Zuneigung ihrer Familie. Susanne, schon längst wieder gesund, zog vorübergehend zur Mama in ihre Wohnung nach Nofels. Dort hatten ihr die Nachbarn bei der Rückkehr ein Willkommensplakat gemacht.

Jetzt ist Sophie Schwarz wieder so gesund, wie sie vor diesem Drama mit Happy End war. Was von allem bleibt? Susanne: „Ein großes Gefühl der Dankbarkeit gegenüber allen Ärzten und Pflegern und die Erkenntnis, was für einen tollen Zusammenhalt wir in unserer Familie haben.“ Sophie nickt zustimmend, und wieder lächeln sich die beiden glücklich an.