Geringfügig Beschäftigte riskieren viel

Vorarlberg / 10.08.2020 • 08:00 Uhr
Geringfügig Beschäftigte riskieren viel
SYMBOL/APA

In der Krise gehörten sie zu den Ersten, die alles verloren haben. Auch in Vorarlberg.

SCHWARZACH Für das Frauenmuseum Hittisau ist es einst ein großer Schritt gewesen, ehrenamtliche Mitarbeiterinnen zu bezahlten machen zu können. Damit war auch eine gewisse Anerkennung verbunden. Unterm Strich sieht die Direktorin des Hauses, Stefania Pitscheider Soraperra, aber auch eine Falle. Und zwar mehr denn je: Beschäftigungsverhältnis und Bezahlung sind „geringfügig“ geblieben. Das heißt, dass es maximal 460,66 Euro pro Monat gibt. Der Haken: Damit hängt keine Pensions- und auch keine Arbeitslosenversicherung zusammen. Ja, im Zuge der Pandemie ist es noch schlimmer gekommen: Es gab auch keine Kurzarbeitsmodelle. Die 16 Kulturvermittlerinnern des Museums standen folglich ohne Einkünfte da; zumindest für diesen Job erhielten sie gar nichts mehr.

Begrenzte Entspannung

Sie waren nicht die Einzigen: Im Februar gab es laut AMS-Statistik 17.203 geringfügig Beschäftigte im Land. Im April waren es nur noch 14.176. Und in weiterer Folge ist die Entspannung sehr begrenzt geblieben. Im Juni belief sich die Zahl auf 15.696. Wobei auffällt, dass es sich immer zu zwei Dritteln um Frauen handelt.

Geringfügig Beschäftigte riskieren viel

Das ist kein Wunder, wie Pitscheider Soraperra weiß: Es hänge mit gesellschaftlichen Rollen zusammen. In der Regel ist es noch immer so, dass der Mann ganztägig arbeitet. Die Frau unterbricht ihre Karriere spätestens bei der Familiengründung. „Dann wird erwartet, dass sie sich um die Kinder kümmert. Ein Wiedereinstieg in den Beruf ist in weiterer Folge schwer, erlaubt ist oft nur ein Zuverdienst.“ In Form einer geringfügigen Beschäftigung eben, die wenige Stunden pro Woche umfasst.

Lea Putz-Erath, Leiterin der Beratungsstelle femail, sieht die geringfügige Beschäftigung ebenfalls als Chance, die mit einem Risiko verbunden ist: Einerseits handle es sich um eine interessante Option, um wenigstens zu einer bezahlten Arbeit zu kommen und auch wieder Berufserfahrung zu sammeln. Andererseits gebe es aber auch Nachteile, wie die fehlende Pensionsversicherung; sie könne im schlimmsten Fall zu Altersarmut führen.

Einzelhandel und Gastronomie

Für Unternehmen sind geringfügig Beschäftigte laut Putz-Erath eine „flexible Reserve“: Sie können bei Engpässen und Auftragsspitzen genauso eingesetzt werden wie zu Randzeiten.

Besonders gefragt seien sie im Einzelhandel und in der Gastronomie, wo es am Höhepunkt der Pandemie zum Teil zu Stilllegungen gekommen ist – und die Ersten, die alles verloren haben, die „Geringfügigen“ waren.
Auch für sie wären Kurzarbeitsmodelle vernünftig gewesen, so Putz-Erath: „Damit hätte man sicher einiges abfangen können.“ Was letzten Endes im Übrigen auch im Interesse sehr vieler Firmen gewesen wäre: Kompetente geringfügig Beschäftigte nach einer längeren Unterbrechung wieder zu bekommen, sei gar nicht so einfach; gerade sie würden schnell eine andere Stelle finden.