Statt Kriminalisten Kriminelle am Hörer

Vorarlberg / 07.08.2020 • 12:00 Uhr
Statt Kriminalisten Kriminelle am Hörer
Vor allem ältere Menschen stehen im Visier einer Betrugsmasche, die derzeit in Vorarlberg wuchert. SYMBOL/VN/FETZ

Falsche Polizisten: Vorarlberger Landeskriminalamt warnt vor Telefonbetrügern.

Schwarzach In einem Fall waren es 50.000 Euro, ein anderes Mal 77.000 Euro, die unbedarfte und ahnungslose Vorarlberger im vergangenen Jahr an Telefonbetrüger aushändigten. Und das ist nur ein Auszug aus bekannten und angezeigten Fällen.

Opfer sind vor allem ältere Menschen. Mit peniblem Auge ausgesucht von Tätern, so rücksichtslos wie raffiniert, aus Adressen im Telefonbuch oder den sozialen Medien. Sie rufen meist am Festnetz an und geben sich als Polizisten aus. Etwa als Kriminalbeamte.

Doch es sind Kriminelle mit nur einem Motiv: Geld aus ihren Opfern herauszulocken. Und zwar so viel wie möglich.

„Kaution“ gefordert

Ihre dreiste Masche: Die Täter behaupten, dass ein naher Angehöriger – zum Beispiel eine Tochter – in einen schweren Unfall verwickelt sei und sich nun in Haft befinde. Unter dem Vorwand, dass die Versicherung abgelaufen wäre, fordern die falschen Polizisten die Bezahlung eines größeren Geldbetrages als angebliche Kaution. Auszuhändigen sofort an irgendeinem vereinbarten Treffpunkt. Zur Untermauerung ihrer „Geschichte“ sind teilweise weinerliche Frauenstimmen, bei denen es sich angeblich um die „inhaftierte Angehörige“ handeln soll, am Telefon zu hören.

30 Anzeigen an einem Tag

Doch auch auf die Täter selbst wird ein Auge geworfen – von echten Kriminalisten. Allen voran Kathrin Bandl von der Betrugsabteilung vom Vorarlberger Landeskriminalamt (LKA).

Am 29. Juli, dem Mittwoch vorletzter Woche, flatterten gleich drei Anzeigen versuchter Telefonbetrügereien dieser Art auf den Tisch der Sachbearbeiterin. Die Polizei brachte es an die Öffentlichkeit, die Medien berichteten. „Am nächsten Tag waren es dann gleich 30 Anzeigen“, sagte die Kriminalbeamtin den VN und ergänzte: „Doch die Dunkelziffer der Betrugsversuche liegt mit Sicherheit höher.“

Doch diesmal gab es keine Opfer. Zumindest keine, die der Polizei bekannt sind. Die Bevölkerung scheint sensibilisiert. Zumindest derzeit.

Denn auf solche „Flauten“ reagieren die Betrüger mit längeren Pausen, wie den Ermittlern durchaus bekannt ist. „Es handelt sich um Wellenbewegungen, die zwei oder drei Tage andauern und dann wieder aufhören“, erklärt Bandl und ergänzt, dass auch die Banken bei der Verhinderung solcher Gaunereien mithelfen: „Die Banken werden misstrauisch, wenn sich entsprechende Verdachtsmomente ergeben, und melden es.“

Solche Verdachtsmomente ergeben sich beispielsweise bei plötzlich hohen Behebungen von Bargeld seitens älterer Menschen. So wie es jüngst in zwei Fällen geschehen sei.

Doch wer steckt hinter diesen falschen Polizisten? Wer sind diese hemmungslosen Kriminellen, die die Raffinesse beherrschen, ihre Opfer so zu täuschen und um ihr Hab und Gut bringen zu können? Im vergangenen Jahr war von einer polnischen Gruppierung die Rede, laut Bandl gäbe es neuerdings auch Hinweise über ein türkisches Callcenter. Mehr gibt es vom LKA nicht zu erfahren. Ermittlungstaktische Gründe eben.

  • Sicherheitstipps
  • Dubiose Telefonate sofort beenden.
  • Am Telefon keine Bankdaten oder Vermögensverhältnisse preisgeben.
  • Die Polizei wird am Telefon nie von Angehörigen die Ausfolgung von Geld oder Schmuck verlangen.
  • Niemals Geld oder sonstige Wertgegenstände an unbekannte Personen übergeben.
  • Den Anruf sofort bei der nächsten Polizeidienststelle melden oder mit einer Person des Vertrauens über den Anruf sprechen.
  • Rückfragen: Landeskriminalamt Vorarlberg, Tel. +43 (0) 59 133 80 3333