Warum immer mehr Störche ins Oberland ziehen

Vorarlberg / 06.08.2020 • 10:00 Uhr
Warum immer mehr Störche ins Oberland ziehen
Vormarsch auf langen Beinen: Das südlichste Vorkommen der Störche ist derzeit in Feldkirch. VN/PAULITSCH

Weißstörche fühlen sich immer mehr im Rheintaler Oberland heimisch. Heuer 90 Jungtiere in Vorarlberg.

Feldkirch Einen bisher seltenen Anblick können derzeit Feldkircher beobachten: Immer mehr Störche sind in recht großen Gruppen etwa auf Feldern neben der L 52 in Brederis oder im Natura-2000-Gebiet Bangs-Matschels anzutreffen. „Das ist darauf zurückzuführen, dass die Jungstörche bereits ausgeflogen sind und die nähere Nestumgebung verlassen haben“, erklärt Ornithologin Johanna Kronberger von Birdlife Vorarlberg.

Warum immer mehr Störche ins Oberland ziehen
Meister Adebar fühlt sich auch in Feldkirch-Nofels wohl.VN/Steurer

Der Bestand des Weißstorchs hat in Vorarlberg in den vergangenen Jahren zugenommen. „Dadurch kommt es natürlich zu einer Ausdehnung des Brutareals, wobei sein südlichstes Vorkommen im Moment in Feldkirch ist“, weiß Kronberger. Eine weitere große Storchenkolonie befindet sich in Liechtenstein direkt an der Grenze zu Vorarlberg.

Heuer war ein erfolgreiches Brutjahr. Der Bestand in Vorarlberg umfasst derzeit etwa 60 Nester mit insgesamt 91 Jungtieren, erklärt Walter Niederer, Leiter des Naturschutzvereins Rheindelta und des Weißstorchprojekts in Vorarlberg. Die im Frühjahr frisch geschlüpften Storchenbabys sind äußerst empfindlich gegen Kälte und Nässe, die häufig zum Tod des Nachwuchses führen – auch weil die Elterntiere dann weniger Futter finden.

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Über 90 Jungtiere gibt es derzeit in Vorarlberg. VN/Paulitsch

Der Weißstorch starb Ende des 19. Jahrhunderts in Vorarlberg aus und war über 100 Jahre hier nicht mehr heimisch. Erst 1984 kam es wieder zu einer Storchenbrut. Die majestätischen Schreitvögel stammten aus einem Schweizer Wiederansiedlungsprojekt, informiert Johanna Kronberger. Die größte Gefahr für Störche ist die Kollision mit Freileitungen sowie Stromschläge. „Gerade vor ein paar Tagen wurde wieder ein verunglückter Storch gefunden.“

Bauer pflügt, Adebar frisst

Meister Adebar ist vor allem dort anzutreffen, wo es reichlich Nahrung gibt. Dass sich die Vögel im Rheintal besonders wohl fühlen, liege auch an der Bewirtschaftungsweise der Felder, begründet Walter Niederer. Besonders frisch gemähte Wiesen bieten den Störchen nach dem Regen einen Festschmaus mit Mäusen, Regenwürmern und Insekten. „Die Störche sind dort, wo Futter ist. Auf frisch gemähten oder umgepflügten Feldern ist Beute für die Vögel leicht zu finden. Das ist sicher ein Grund für die Verschiebung ins Oberland“, informiert der Biologe. Ob die Storchenpopulation irgendwann auch in den Walgau zieht, sei nicht vorhersehbar.

Warum immer mehr Störche ins Oberland ziehen
Auf frisch gemähten Feldern finden die Schreitvögel reichlich Nahrung. VN

Storchenberingung

Lange können die Vögel mit den leuchtend roten Schnäbeln in ihrem neuen Einzugsgebiet allerdings nicht mehr beobachtet werden. Noch im August beginnt der Wegzug in ihre Winterquartiere in Spanien und Südfrankreich. Sie finden ihr Ziel über viele Tausend Kilometer hinweg dank eines inneren Kompasses. Wenn die Winter hierzulande mild sind, bleiben einige auch da. Wo immer die Jungstörche den Winter verbringen, Niederer und Kollegen werden es bei den meisten herausfinden. Allein heuer wurden wieder 50 Jungtiere mit Peilsendern beringt. Damit lässt sich der Zug der Vögel nachzeichnen.