Freibäder: Disziplin schwimmt ab dem Beckenrand davon

Vorarlberg / 05.08.2020 • 19:00 Uhr
Freibäder: Disziplin schwimmt ab dem Beckenrand davon
Stefan Thiemes muss als Bademeister im Strandbad Bregenz neuerdings nicht nur die Badesicherheit der Gäste überwachen. VN/PAULITSCH

Warum das Abstandhalten in den Freibädern nicht wirklich funktioniert.

Bregenz, Hohenems, Feldkirch, Bludenz Stefan Thiemes (37) vom Bregenzer Standbad kennt es, ebenso wie Ewald Petritsch (53) vom Freibad Rheinauen in Hohenems und Wolfgang Melk (55) vom Waldbad Gisingen in Feldkirch: das Gefühl der Ohmacht, wenn ihre an und für sich freundlichen und bestens gelaunten Kundschaften ins Wasser steigen und beim ausgelassenen Planschen oft nicht einmal mehr eine Maus zwischen sich und dem Mitplanscher lassen.

“Wir machen die Leute natürlich immer darauf aufmerksam”, meint Stefan Thiemes vom Strandbad in Bregenz. “Aber im Wasser ist das mit dem Abstandhalten einfach schwieriger als auf der Liegewiese. Dort funktioniert die Disziplin gut, zumal es bei uns eine Obergrenze von maximal 2400 Schwimmbadbesucher gibt und wir dadurch einen guten Überblick über das Gelände haben”, betont Thiemes. Mit dem Gästeaufkommen in der großen Badeanstalt ist der Bademeister zufrieden. “Wir werden derzeit geradezu überrannt. Leute versuchen sogar, über die Zäune ins Bad zu gelangen, wenn sie an der Kassa wegen der festgesetzten Besuchergrenze nicht mehr reinkommen.”

Desinfektionsspender

“Schwierig”, so beurteilt auch Wolfgang Melk (55), Betriebsleiter und Bademeister im Waldbad Feldkirch-Gisingen, Einhaltung und Überwachung der Abstandsregelungen von Badegästen, die sich in den Schwimmbecken befinden. “Wir haben zwar ein Dutzend Schilder im ganzen Bad aufgehängt, die das einmahnen. Aber die Umsetzung ist eine andere Sache.” Gut angenommen würden die Desinfektionsmittelspender, die vor allem im Eingangsbereich und bei den Umkleidekabinen positioniert sind, berichtet Melk. Die Disziplin der Gäste hänge auch mit der Hitze zusammen. “Ist es sehr heiß, sind die Gäste bei der Parkplatzssuche und an den Kassen viel ungeduldiger.” Im Waldbad habe man die Besucherobergrenze von 1900 Gästen mittlerweile aufgehoben. “Mehr Leute gleichzeitig befinden sich aber eh nie im Bad”, beruhigt der Betriebsleiter, der sich von den angekündigten sommerlichen Augusttagen noch gute Besucherzahlen erhofft.

Die Überwachung der Abstandsregeln von Badenden ist sehr schwierig.”

Wolfgang Melk, Betriebsleiter Waldbad Feldklirch

Zuerst die Badesicherheit

Das tut auch Ewald Petritsch, Betriebsleiter im größten Freibad des Bezirks Dornbirn. “Wir liegen bisher 40 Prozent unter den Besucherzahlen vom letzten Jahr. Der Juni war ganz schlecht, der Juli durchwachsen. Ein schöner August könnte noch einiges retten”, denkt Petritsch in den üblichen Kategorien eines Betriebswirts. Und Corona? “Wir verfügen glücklicherweise über ein 61.000 Quadratmeter großes Areal bei uns. Die Einhaltung des Mindestabstands auf den Liegewiesen ist kein Problem. Wir haben zudem drei WC-Anlagen und mehrere Verkaufsstände.”

Badefreuden in den Hohenemser Rheinauen. Im Freigewässer des Alten Rheins  gibt's mit Abstandsregeln kein Problem, in den Pools schon eher. <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Badefreuden in den Hohenemser Rheinauen. Im Freigewässer des Alten Rheins gibt's mit Abstandsregeln kein Problem, in den Pools schon eher. VN/Steurer

In den Pools, ist sich Petritsch mit seinen Kollegen aus anderen Freibädern im Land einig, sei die Einhaltung des Mindestabstands freilich problematisch. “Wir können das ja auch nicht nahtlos überwachen. Unsere Priorität als Bademeister muss schließlich immer die Badesicherheit der Gäste sein”, argumentiert Petritsch.

Keinerlei “Annäherungsprobleme” werden aus dem Val Blu in Bludenz gemeldet. Geschäftsführer Jakob Glawitsch: “Ich muss die Disziplin der Besucher im Wasser und außerhalb hervorheben. Mir sind noch keine Verstöße gegen die Abstandsregeln gemeldet worden.” Im Val Blu hat man sich ebenfalls eine Besucherzahlbeschränkung auferlegt. Sie liegt bei 1500 Gästen.