Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Lichtblicke

Vorarlberg / 05.08.2020 • 09:29 Uhr

Gestern im Bus: So ein Dreikäsehoch hält ganz aufgeregt die Tür auf, bis seine Mama mit zwei anderen Kindern und einem vierten im Rollstuhl den Bus erreicht. „Hond’r grad no Glück g’het!“ ruft eine hochbetagte Dame, indes sich zwei Fahrgäste sofort um den Rollstuhl bemühen. So also helfen eine Mazedonierin und ein Bregenzer einer Frau aus Somalia mit ihren vier Kindern in den Bus. Die betagte Harderin gratuliert der noch ganz atemlosen Mama zu ihren vier entzückenden Kindern. Später erkundigt sie sich interessiert, wo denn das liege, Somalia.

Drei Haltestellen weiter alles in umgekehrter Reihenfolge: Die Mama steigt aus, Hände helfen. Am Schluss wird gewinkt und aufmunternd gelacht. Und aus. Alles erzählt.

Zugegeben nicht sehr spektakulär. Aber da wir inzwischen nur noch damit beschäftigt sind, uns gegenseitig als Ignoranten, Pandemieleugner oder Rassisten zu demaskieren, werden solche kleinen Alltagsfreuden gar nicht mehr wahrgenommen. Deshalb die Nacherzählung. Eine Familie aus Afrika, eine Frau aus Mazedonien und Menschen aus Bregenz hatten Freude aneinander. Einfach so. Wenn es nicht so pathetisch klänge, müsste man sagen: Noch gibt es Hoffnung.