Patrick Bilgeri: Vom Fußballer zum Bergfex

Vorarlberg / 04.08.2020 • 10:00 Uhr
Patrick Bilgeri: Vom Fußballer zum Bergfex
Patrick Bilgeri auf dem Gipfel des 3312 Meter hohen Piz Buin. ALEX KLAMPFER

Im Zuge der Coronavirus-Pandemie entdeckte Patrick Bilgeri die Berge für sich. Im Juli bezwang der Fußballer Vorarlbergs höchsten Berg, den Piz Buin.

Hittisau Aufgrund der Coronavirus-Pandemie entdeckte Patrick Bilgeri die Berge für sich. Normalerweise widmet sich der junge Hittisauer in seiner Freizeit dem Fußball. “Ich spiele für den FC Bizau.” Aber wegen dem Virus fiel das Fußballtraining aus. “Auf einmal hatte ich Zeit übrig.” Der sportliche Karosseriebautechniker wusste die freie Zeit zu nutzen. Er ging mit Kollegen wandern. Je häufiger er in die Berge ging, desto mehr Gefallen fand er am Bergsteigen. “Es ist ein tolles Gefühl, wenn man einen Gipfel erreicht, oben steht und sich einem eine herrliche Aussicht bietet.” Mit Wald- und Wiesen-wanderungen freilich kann man Patrick nicht zufriedenstellen. “Ich will schon ganz nach oben. Halb hört man nicht auf”, macht er klar, dass er ein Gipfelstürmer ist.

Als er einmal mit seinen Wanderfreunden abends zusammensaß, schoss ihm eine Idee durch den Kopf. “Wäre es nicht cool, den Piz Buin, den höchsten Berg Vorarlbergs, zu bezwingen?” fragte er seine Kumpel. Die waren sofort Feuer und Flamme. Daraufhin nahm Patrick die Sache in die Hand und engagierte zwei Bergführer.

Mit dem Rad auf die Wiesbadener Hütte

Ende Juli war es so weit. Die acht Bregenzerwälder im Alter zwischen 29 und 35 Jahren fuhren mit Fahrrädern auf die Wiesbadener Hütte und übernachteten dort. “Wir waren alle aufgeregt am Vorabend. Aber wir gingen davon aus, dass wir es schaffen.” Tagwache war um 5.30 Uhr. Nach einem ausgiebigem Frühstück ging es um 6.30 Uhr los. Die Bergführer Alex Klampfer und Jonny Marinac entschieden sich für die Mittelroute. “Diesen Weg gehen nur geführte Gruppen, weil die Wegfindung schwierig ist”, informiert Alex Klampfer.

Diese acht Bregenzwälder bezwangen im Juli den Piz Buin.
Diese acht Bregenzwälder bezwangen im Juli den Piz Buin.

Der Weg führte die Gruppe zunächst durch ein mit Steinen und Felsen durchsetztes Gelände. “Wir mussten klettern, noch bevor wir zum Gletscher gekommen waren. Aber das war kein Problem. Der Bergführer hat uns mit dem Seil gesichert”, berichtet Patrick. Nach zirka einer Dreiviertelstunde erreichten sie das schneebedeckte Eisfeld. “Wir waren angeseilt. Das Seil musste gespannt sein wegen der Gletscherspalten. Die waren zu, also mit Schnee zugedeckt. Nur kleine Gräben verrieten sie.”

Heikle Schlüsselstelle beim Anstieg

Nach der gut einstündigen Gletscherüberquerung und einer kurzen Pause bei der Piz-Buin-Lücke begann der eigentliche Anstieg auf den Gipfel. Und wieder sicherten die Bergführer ihre Gäste mit dem Seil beim Hochklettern.

Die Schlüsselstelle beim Aufstieg flößte Patrick gehörigen Respekt ein. “Wir mussten eine zirka zehn Meter hohe, senkrechte, ausgesetzte Felswand überwinden. Das war wirklich eine heikle Passage. Danach aber war der Pfad bis zum Gipfel leicht begehbar.”

“Auf einem Gipfel mit so wenig Platz bin ich noch nie gestanden. Mehr als fünf Bergsteiger können sich am Piz-Buin-Gipfel nicht aufhalten.”

Patrick Bilgeri, Piz-Buin-Bezwinger

Als Patrick auf Vorarlbergs höchster Bergspitze Vorarlbergs stand, überwältigte ihn die Rundumsicht. “Du siehst auf so viele Berge: auf den Ortler, die Bernina-Gruppe, die Zimba, die Wildspitze und und und.” Aber auf einem Gipfel mit so wenig Platz sei er noch nie gestanden, sagt er. “Mehr als fünf Bergsteiger können sich am Piz-Buin-Gipfel nicht aufhalten. Es geht auf allen Seiten steil runter.”

Schwieriger als den Aufstieg fand Patrick den Abstieg auf der Nordseite durch eine Rinne. “Wir mussten – gesichert am Seil – abklettern. Weil es Tage zuvor geschneit hatte, war es rutschig. Doch es ging alles gut. Niemand ist ausgerutscht.” Der 29-Jährige war erleichtert, als er wieder am Fuße des Piz Buin war. Dennoch: Im Vorfeld hatte er sich die Bezwingung des 3312 Meter hohen Berges schwieriger vorgestellt. 

Aber nun hat Patrick Lunte gerochen. “Zuerst möchte ich den Großglockner machen und dann ein paar Viertausender”, sagt er, und jetzt funkeln seine Augen vor Begeisterung.

Patrick Bilgeri

Geboren: 23. Mai 1991 in Andelsbuch

Wohnort: Hittisau

Beruf: Karosseriebautechniker

Familie: ledig

Hobbys: Fußball, Tennis, Motorradfahren