Corona-Neuinfektionen reißen nicht ab

Vorarlberg / 28.07.2020 • 16:30 Uhr
Corona-Neuinfektionen reißen nicht ab
Der Corona-Ausbruch in einem Arbeiterwohnheim in Frastanz schlug hohe Wellen. VN/STEURER

Land will sich auch mit Ampelsystem bestmöglich gegen den Corona-Herbst wappnen.

Bregenz „Es wird wohl ein unruhiger Herbst“, orakelte Landeshauptmann Markus Wallner im Pressefoyer nach der Regierungssitzung. Die in den vergangenen Tagen zahlreich aufgetretenen Coronafälle – auch am Dienstag gab es wieder vier Neuinfektionen – halten Politik und Gesundheitsbehörden weiter auf Trab. Das Land will sich vor allem für eine drohende zweite Welle bestmöglich wappnen. So sollen, wie berichtet, die Testkapazitäten in der Pathologie des LKH Feldkirch ausgebaut und Screening-Testungen in Unternehmen mit erhöhtem Infektionsrisiko verstärkt werden. Im Laufe des August soll zudem ein bundesweites Ampelsystem in Betrieb gehen. Sowohl Wallner wie auch Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher pochen darauf, dass die Kompetenz zur Umsetzung von Maßnahmen im Land bleibt. Hier brauche es die regionale Ebene.

Erfolgsmodell Dashboard

Die Ampel gilt als wichtiger Baustein im Corona-Abwehrsystem. Die Warnungen sollen zumindest auf Regionen heruntergebrochen werden können, das ist eine Forderung des Landes an den Bund. Die Gespräche zur Ausgestaltung laufen allerdings noch. Laut Rüscher braucht es auf jeden Fall einen klaren Indikatorenkatalog, das System soll nicht nur auf reine Fallzahlen reagieren. Die Information der Bevölkerung erfolgt über das Dashboard des Landes sowie per sogenannter Push-Nachrichten in der „Xund“-App. Das Dashboard selbst entpuppt sich als Erfolgsmodell. Pro Tag gibt es bis zu 15.000 Zugriffe. Inzwischen wurde die Millionenmarke schon geknackt.

Appell an Unternehmen

Die Cluster in Frastanz und Brand haben die Notwendigkeit einer schnellen Eingrenzung einmal mehr deutlich gemacht. „Gerade in solchen Fällen ist es wichtig, das Umfeld rasch zu erkennen und abzusondern“, sagte Martina Rüscher. Landessanitätsdirektor Wolfgang Grabher verwies darauf, dass 28 der neuen Fälle einen Auslandsbezug haben. Reiserückkehrer werden in den kommenden Wochen wohl insgesamt zu einem großen Thema. Man habe aus den Clustern gelernt, merkte er an, so etwa, dass beengte Wohnverhältnisse bei der Ansteckung eine große Rolle spielen. Grabher appellierte deshalb an Betriebe, die Leasingarbeiter beschäftigen oder in denen der Abstand beim Arbeiten nicht eingehalten werden kann, unbedingt das Testangebot des Landes in Anspruch zu nehmen. In Vorarlberg würden zwar jetzt schon Gemeinschaftsunterkünfte, Metzgereien und Leiharbeiterfirmen verstärkt ins Visier genommen, doch die Testungen beruhen auf Freiwilligkeit. Niemand kann dazu gezwungen werden. Bislang haben sich elf Betriebe bzw. Gemeinden für Screening-Testungen gemeldet. Die Landessanitätsdirektion hat für die Abwicklung eine eigene Anlaufstelle eingerichtet. Zudem regeln umfangreiche Bestimmungen die Einreise insgesamt.

Testgeräte und mehr Personal

Als weitere Maßnahme wird die Pathologie im LKH Feldkirch, wo 95 Prozent der Proben verarbeitet werden, aufgerüstet. Derzeit liegt die Kapazität bei 2500 bis 3000 Tests wöchentlich. Ab Oktober sollen 1000 Proben innerhalb von 24 Stunden ab Eingang bearbeitet werden können. Eine halbe Million Euro lässt sich das Land dafür benötigte neue Geräte kosten, darunter ist auch ein Vollroboter. Ebenfalls neu sind ein Bereitschaftsdienst in der Pathologie sowie eine Klappe, die der Abgabe von gekühlten Proben rund um die Uhr dient. Die Pathologie erhält auch 15 zusätzliche Stellen, fünf davon sind laut Rüscher bereits besetzt.