Corona durchkreuzt Urlaubspläne: Nordsee statt Türkei

Vorarlberg / 27.07.2020 • 11:00 Uhr
Corona durchkreuzt Urlaubspläne: Nordsee statt Türkei
Saffet und Nida Erdem machen heuer ausnahmsweise nicht in der Türkei, sondern an der Nordsee Urlaub.

Normalerweise verbringt das Ehepaar Erdem seinen Sommerurlaub in der Türkei. Heuer fährt es wegen Corona an die Nordsee.

Dornbirn Seit mehr als drei Jahrzehnten fliegt das türkischstämmige Ehepaar Saffet (56) und Nida (50) Erdem aus Dornbirn jedes Jahr im Sommer in die Türkei und macht dort vier Wochen Urlaub. Sie wohnen dann bei Verwandten in ihrer Geburtsstadt Denizli. Von dort macht das Ehepaar Ausflüge ans Meer oder erkundet mit einem Auto das Land. Der Sommerurlaub in der alten Heimat dient auch der Kontaktpflege. Die Erdems genießen es, wenn die Familie einmal im Jahr zusammenkommt und sich austauscht. Als ihre drei Kinder noch klein waren, war es ihnen auch wichtig, dass diese die Verwandten und das Geburtsland ihrer Eltern kennenlernen.

Maskenpflicht im Freien

Heuer wollten die Erdems, die seit mehr als 40 Jahren in Vorarlberg leben und sich hier ein schmuckes Eigenheim erarbeitet haben, den Südosten der Türkei bereisen. Doch aus diesem Plan wurde wegen der Coronapandemie nichts. Die österreichische Regierung warnt aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus vor Reisen in die Türkei. Es besteht für die gesamte Türkei eine Reisewarnung (Sicherheitsstufe 6). Die Türkei gilt als Coronarisikogebiet. Einreisende aus einem Risikogebiet müssen damit rechnen, dass sie einen negativen Coronatest vorlegen müssen. Wer einen Wohnsitz in Österreich oder die Staatsbürgerschaft hat, kann den Test zwar auch hierzulande machen, muss aber trotzdem in Quarantäne gehen. Aus all diesen Gründen verging dem Ehepaar die Lust auf einen Urlaub in der Heimat.

Nida erzählt, dass man in manchen türkischen Großstädten sogar im Freien Maske tragen muss. „Wenn man bei 45 Grad mit Maske herumgehen muss, kann man die Ferientage nicht genießen“, meint sie und findet es richtig, dass ihr Mann darauf bestand, heuer woanders Urlaub zu machen. Saffet wird konkret: „Wir fahren morgen mit dem Auto für zehn Tage an die Nordsee.“

“Wenn wir in der Türkei sind, sind wir die Europäer. Wenn wir in Österreich sind, sind wir die Ausländer.”

Nida Erdem, Tochter eines türkischen Gastarbeiters

Die beiden freuen sich schon sehr auf „die schönste Zeit des Jahres“. Vor allem Saffet, der als Textilfärber arbeitet, ist urlaubsreif. Er hat die Tage bis zum Urlaub gezählt. „Unterm Jahr lebt man monoton. Im Urlaub kann ich in den Tag hineinleben und in einer anderen Umgebung Stress abbauen“, erklärt er, warum er die Auszeit von der Arbeit so genießt. Ein Wermutstropfen aber bleibt: „Wir hätten gerne unsere Verwandten in der Türkei gesehen. Das fällt heuer leider flach.“

Auch Nida ist ein wenig enttäuscht, dass es heuer mit dem Türkei-Urlaub nicht klappt. Sie sehnt sich nach der Umgebung, in der sie geboren wurde und in der sie bis zu ihrem siebten Lebensjahr aufwuchs. Andererseits: Wenn sie eine Weile dort ist, zieht es sie zurück nach Dornbirn. „Ich vermisse dann unser Heim, den Regen, das Grün und die kühlen Temperaturen.“ Irgendwie fühlt sich die 50-Jährige innerlich zerrissen und nirgends richtig zuhause. „Wenn wir in der Türkei sind, sind wir die Europäer, und hier in Österreich sind wir die Ausländer.“