So ist es in Vorarlberg um das Bundesheer bestellt

Vorarlberg / 25.07.2020 • 05:30 Uhr
So ist es in Vorarlberg um das Bundesheer bestellt
Das Bundesheer gleiche einer schiefen Holzhütte, sagt Militärkommandant Hessel. VN/PAULITSCH

Militärkommandant Gunther Hessel gibt einen Überblick über Fahrzeuge, Taschenlampen, Schutzwesten und Waffen.

Bregenz Mit dem Bundesheer sei es wie mit dem Hausbau. Man könne Keller, Pool und Garten planen, sagt der Vorarlberger Militärkommandant Gunther Hessel. Viel wichtiger sei am Ende aber, dass ein solides Haus mit Strom, Wasser und Wärme stehe. Das Heer gleiche aber eher einer schiefen Hütte: „Teilweise regnet es rein, die Heizung fällt immer wieder aus, die Stromleitungen sind zu schwach.“ Den VN gibt er einen Überblick über den aktuellen Zustand.

Der Fuhrpark

Derzeit kann nur ein Drittel des Jägerbataillons 23 mit den vorhandenen Fahrzeugen gleichzeitig bewegt werden, erklärt Hessel. Das liege vor allem am Mangel bei geländegängigen und hochgebirgstauglichen Fahrzeugen. Die acht neuen gepanzerten Gebirgsspezialfahrzeuge Hägglunds seien die einzigen gepanzerten Fahrzeuge in Vorarlberg. Nicht einmal die Polizei habe welche. Um ein Bataillon auszustatten, benötige man zumindest 30 bis 40.

Die Kasernen

In Vorarlberg seien die Kasernen in gutem Zustand. „Für die Hägglunds wären aber ein Garagentrakt nötig und eine Art Rüsthalle. Es braucht nicht viel. Eigentlich nur Garagentore. Dann können wir die Fahrzeuge auch munitioniert, bewaffnet und betankt geschlossen abstellen“, erklärt Hessel. Sehr wichtig wäre auch ein Hubschrauberhangar. Im Winter oder bei schlechtem Wetter könne ein Hubschrauber witterungsgeschützt bereitgehalten werden. Außerdem mangle es an technischer Ausstattung und Infrastruktur der Kasernen, um im Fall eines kompletten Blackouts voll einsatzfähig zu sein. In Bregenz und Bludesch seien Investitionen in die Notstromversorgung nötig. „Auch die Tankanlage in Bregenz, die aus Kostengründen stillgelegt wurde, sollte dringend in Betrieb genommen werden.“

Die personelle Situation

Im Militärkommando in Bregenz und im Jägerbataillon 23 sind 70 Prozent der Planstellen besetzt. Der Kommandant ist optimistisch, dass die bevorstehende Pensionswelle mit der guten Personalentwicklung im Kader  abgefedert werden kann.

Die Ausrüstung

„Die Soldaten und Aufklärer sind noch fast immer mit normalen Ferngläsern unterwegs“, kritisiert Hessel. Nachtsichtgeräte und andere Beobachtungsmittel, seien es nur Taschenlampen, gebe es viel zu wenige. Gleiches gelte für Schutzwesten. „Es fehlt auch an Scharfschützengewehren.“ Hessel kritisiert außerdem, dass die Lenkwaffe mit 2000 Metern Reichweite nicht nachbeschafft werden soll.

Die Miliz

Einsätze der Miliz müssen weitgehend unabhängig von den präsenten Kräften stattfinden können, dazu bräuchte die Miliz aber erst eine eigene Ausstattung. Der Kommandant fordert auch, dass sie als Gesamtes üben kann. Das sei seit vielen Jahren nicht mehr der Fall gewesen. Die Miliz brauche weiterhin klar begrenzte Aufträge, wie schon aktuell den Schutz kritischer Infrastruktur: „Das wäre mit gezielten Übungen und darauf abgestimmter Ausstattung ein planbarer und eventuell leistbarer Kompromiss.“

Der Katastrophenschutz

Den Katastrophenschutz sei gewährleistet: „Weil wir mit den vorhandenen Mitteln das Beste daraus machen“, sagt Hessel. Es müsse aber jedem bewusst sein, dass die Hilfe bei mangelndem oder altem Gerät nicht so rasch, nicht so effizient und nicht so gut möglich sei.

Das Ministerium

Ministerin Klaudia Tanner und Generalstabschef Robert Brieger arbeiten auf Basis des Berichts von Ex-Minister Thomas Starlinger an der Weiterentwicklung des Heeres, berichtet Hessel. Die darin geforderten 16 Milliarden Euro seien aber sehr unrealistisch. Er vertraue jedoch darauf, dass vom Generalstab vernünftige Strukturvorschläge kämen. Ohne zusätzliches Geld gehe das aber nicht. Dass der Starlinger-Bericht als Basis herangezogen wird, wertet er als Erfolg.

Dieses Interview entstand im Rahmen einer Recherche der Bundesländerzeitungen und der Presse. Das Rechercheteam besteht aus: Birgit Entner-Gerhold, Michael Prock (VN), Peter Nindler (TT), Marian Smetana, Alexander Purger (SN), Eike-Clemens Kullmann (OÖN), Wolfgang Fercher, Wilfried Rombold (Kleine Zeitung), Iris Bonavida (Presse)