Die Rückkehr der Maske und das Gefühl der Ohnmacht

Vorarlberg / 24.07.2020 • 17:00 Uhr
Die Rückkehr der Maske und das Gefühl der Ohnmacht
So wie ihre Kolleginnen trägt auch Antonia an ihrer Kassa im Interspar wieder eine Schutzmaske. Eine Freude hat sie damit nicht. VN/PAULITSCH

Begeistert ist niemand, aber fast alle haben Verständnis für die neuerliche Verschärfung der Schutzbestimmungen.

Dornbirn, Lustenau “Nicht gut. Es ist mir einfach zu heiß”. Antonia (31), eine von 35 bei Interspar im Messepark beschäftigten Kassiererinnen, zögert keine Sekunde mit ihrer Antwort auf die Frage, wie sie denn mit der Reaktivierung der Maskenpflicht zurechtkommt. Sie zuckt die Achseln und macht ihren Job. Die Kunden warten. Die stellvertretende Interspar-Geschäftsführerin, die ihren Namen nicht nennen will, fügt humorlos an: “Die Zentrale in Salzburg hat uns klar gesagt, was zu tun ist. Und das tun wir.” Dass die Damen an der Kassa zusätzlich zum Plexiglasschutz noch eine Maske tragen müssen, würden zwar nicht alle verstehen. Aber so sei es nun einmal.

Etwas Verwirrung

Im Messepark kennen sich am Freitag nicht alle Besucher wirklich aus. Maskenpflicht da, Maskenfreiheit dort. In den Gängen des Einkaufszentrums sieht man Menschen mit und ohne Maske. Zu Ersteren gehören Gabi Miller (51) und Renato Coser (82), die vom Mediamarkt Richtung Parkgarage spazieren. “So sicher sind wir uns nicht, ob wir es hier jetzt brauchen. Aber wir haben sie jetzt halt einmal aufgesetzt”, erklärt Miller. Beim “7Spices”-Shop im gleichen Stock, wo es vor allem Gewürze zu kaufen gibt, kennt sich Verkäuferin Nadine Schneider (23) ebenfalls nicht wirklich aus. “Ich weiß nicht, ob wir ein klassisches Lebensmittelgeschäft sind. Zu uns kommen derzeit Kunden mit und ohne Maske. Ich trage eine – für alle Fälle.”

Maske tragen, Maske verbannen. Beim "7 Spices"-Shop ging man mit der neuen Situation am Freitagvormittag noch flexibel um. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Maske tragen, Maske verbannen. Beim "7 Spices"-Shop ging man mit der neuen Situation am Freitagvormittag noch flexibel um. VN/Paulitsch

Wie zur Bestätigung des Gesagten spazieren Janet Lutz (50) und Melanie Rinner (20) in den Shop. Während Lutz Maske trägt, tut das Rinner nicht. Nadine Schneider will auf ihren Chef warten, der am Nachmittag kommt. “Der soll mir dann sagen, was bei uns Sache ist.”

Einzelne Geschäfte zuständig

Im Gegensatz zur ersten Schutzmaßnahmenverordnung sind im Messepark dieses Mal die einzelnen Geschäfte für die Handhabung der Sicherheitsbestimmungen zuständig. “Damals stellten wir unsere Securitys zur Überwachung der Vorschriften ab. Das müssen jetzt die Inhaber der Geschäfte selber tun”, betont Messepark-Marketingleiterin Eva Voit (36). Sie berichtet von einigen Kundenanrufen in der Früh. “Die Anrufer wollten wissen, wie das jetzt bei uns alles genau abläuft. Insgesamt sei die neuerliche Verschärfung der Schutzbestimmungen mit Verständnis aufgenommen worden, schildert Voit ihre Eindrücke. Nachsatz: “Wir haben selbstverständlich auch ganz einfach das zu tun, was uns der Gesetzgeber vorgibt.”

“Viele Anrufer wollten wissen, wie das jetzt bei uns alles genau abläuft.”

Eva Voit, Marketingleiterin Messepark

Ende des Small Talk

Die meisten Kunden und Handelsangestellten scheinen dem unsichtbaren und nicht verschwinden wollenden Feind mit einem Gefühl der Ohnmacht zu begegnen.

Dieser Eindruck herrscht auch beim Sutterlüty-Markt in Rohrbach vor. Immerhin müssen dort die Kassiererinnen auf ihrem Platz keine Maske tragen, sofern sie von einer Plexiglaswand geschützt sind, und das sind sie. “In der Frischeabteilung haben wir schon vor der gesetzlich verordneten Wiedereinführung der Maskenpflicht wieder Schutzmasken getragen. Vor einer Woche war das “, will Marktleiter Michael Pfanner-Plangger (38) das besondere Sicherheitsbewusstsein beim Vorarlberger Handelsriesen zum Ausdruck bringen.

Im Sutterlüty-Markt in Dornbirn-Rohrbach sorgt Marktleiter Michael Pfanner-Plangger höchstpersönlich dafür, dass seine Kunden Schutzmasken tragen. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Im Sutterlüty-Markt in Dornbirn-Rohrbach sorgt Marktleiter Michael Pfanner-Plangger höchstpersönlich dafür, dass seine Kunden Schutzmasken tragen. VN/Paulitsch

Zuwiderhandelnde Kunden werden höflich, aber bestimmt auf die Maskenpflicht aufmerksam gemacht. Was dem Markleiter aufgefallen ist: “Der Small Talk im Geschäft hat wieder aufgehört. Die Leute besorgen ihre Sachen, zahlen und gehen wieder.”

Bäckerei Wund in Lustenau am Freitagmittag: Wenn es die frischen Käsfladen gibt, wird der Laden gestürmt. Jetzt aber wieder nur mit Maske. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Bäckerei Wund in Lustenau am Freitagmittag: Wenn es die frischen Käsfladen gibt, wird der Laden gestürmt. Jetzt aber wieder nur mit Maske. VN/Paulitsch

So ist es auch in der Bäckerei Wund in Lustenau. Dort herrscht jeden Freitag kurz vor Mittag Hochbetrieb. Dann, wenn zahlreiche Kunden die frisch gebackenen Käsfladen abholen. “Dass wir jetzt wieder Masken tragen müssen, ist gut so”, sagt eine der Angestellten. So richtig Freude kommt darüber freilich nicht auf.