Acht Neuinfektionen auf einen Schlag

Cluster in Frastanz bei Arbeitern in Wohnheim.
Frastanz So schnell kann es gehen: Am Dienstagabend war bekannt geworden, dass ein Leasingarbeiter, der mit 47 anderen Männern und Frauen in einem Arbeiterwohnheim in Frastanz auf engem Raum untergebracht war, positiv auf das Coronavirus getestet wurde und aufgrund massiver Symptome auf die Intensivstation des Landeskrankenhauses Feldkirch eingeliefert werden musste. Für sechs Personen, es handelt sich um die Bewohner des Stockwerks, in dem auch der Erkrankte wohnte, ging es daraufhin gleich in die Quarantäne, 19 erhielten eine Anmeldung zum Covidtest. Das ernüchternde Ergebnis: fünf weitere Infektionen.
Keine Gesamtquarantäne
Inzwischen wurden alle Bewohner behördlich abgesondert und zum Covidtest angemeldet. Sämtliche Unternehmen, die Arbeiter dort beherbergen, sind ebenfalls informiert worden. Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher nahm den Fall zum Anlass, nochmals auf die Möglichkeit verstärkter Sreening-Testungen hinzuweisen. Dies gelte besonders für Unternehmen mit sensiblen Beschäftigungs- und Wohnungssituationen. Damit nicht genug brachte der gestrige Donnerstag noch drei weitere Neuinfektionen, die jedoch nicht im Zusammenhang mit dem Baugewerbecluster in Frastanz stehen. Auch in diesen Fällen läuft die Kontaktpersonen-Erhebung auf Hochtouren. Wie Landeshauptmann Markus Wallner im VN-Gespräch betonte, stehe eine Gesamtquarantäne für Frastanz derzeit nicht zur Diskussion.
Keine Berührungspunkte
In der Gemeinde Schröcken ist der Cluster in Frastanz ebenfalls Gesprächsthema. Wie Bürgermeister Herbert Schwarzmann berichtete, hat der schwer erkrankte Kranfahrer auch auf der Hotelbaustelle „The Heimat“ in Schröcken-Nesslegg gearbeitet. Ob die anderen fünf Covid19-Betroffenen ebenfalls dort beschäftigt sind, konnte Schwarzmann allerdings nicht bestätigen, wohl aber, dass für Schröcken keine weiteren Maßnahmen geplant sind. “Die Leasingarbeiter kommen morgens, werden am Mittag von einem Caterer mit Essen beliefert und verlassen am Abend wieder gemeinsam die Baustelle”, begründet der Bürgermeister. Kontakt zur Bevölkerung im Dorf habe es schon aus diesem Grund keinen gegeben. „Sie waren auch nicht in unserem Dorfladen”, fügt Herbert Schwarzmann noch an. Die Baustelle selbst ist behördlich nicht eingestellt worden, die andere Firmen konnten demnach normal weiterarbeiten. Die Arbeiter der betroffenen Firma wurden getestet und waren offenbar zum Teil gestern Donnerstag schon wieder auf der Baustelle, die übrigen sollen heute, Freitag, bzw. am Montag ihre Arbeit aufnehmen. Der Kranfahrer soll zudem schon eine Woche, bevor die Coronainfektion festgestellt wurde, im Krankenstand gewesen sein.
Stichprobe wird bezahlt
Seit es in einigen Bundesländern zu Clustern in fleischverarbeitenden Betrieben gekommen ist, stehen Firmen mit sensiblen Beschäftigungs- und Wohnungssituationen auch in Vorarlberg im Fokus. „Das Land führt verstärkte Testungen im Rahmen eines bundesweiten Sreening-Programms durch“, bestätigt Martina Rüscher. Angesprochen werden Unternehmen, die ein erhöhtes Infektionsrisiko aufweisen wie Leiharbeiterfirmen, Fleischzerlegungs- und -verarbeitungsbetriebe sowie Betriebe mit Saison- oder Leasingarbeitskräften. Betriebe, die meinen, betroffen zu sein, können sich unter screening-betriebe@vorarlberg.at melden. Die Anfragen werden von der Sanitätsdirektion geprüft, mit dem bundesweiten Programm abgestimmt und die Testungen mit dem Roten Kreuz koordiniert. Die Kosten werden übernommen, und zwar für eine Stichprobe.