Warum für Almobmann Erich Schwärzler das Kuhurteil letztlich ein Erfolg ist

Die Alpen sind für Touristen derzeit so beliebt wie nie. Schwärzler fordert Selbstverantwortung in den Bergen.
Schwarzach Nachdem im Jahre 2014 eine deutsche Touristin von einer Mutterkuh getötet wurde, ist auf den Alpen nichts mehr so wie früher. Im Ersturteil wurde der Alpenbesitzer für den Tod der Touristin verantwortlich gemacht, das rechtskräftige Letzturteil des Obersten Gerichtshof hat die Schuld auf verteilt. In seiner Funktion als Obmann der österreichichen Almwirtschaft spricht der ehemalige Vorarlberger Landwirtschaftslandesrat Erich Schwärzler von einem guten Urteil, welches der Almwirtschaft Sicherheit geben würde. Er fordert Alpenbesucher zum strikten Einhalten der zehn Verhaltensregeln auf und schlägt bei Bedarf Umlegungen von kleinräumigen Wanderwegen vor, die durch Weideflächen von Mutterkühen mit Kälbern führen.
Ist das vom Obersten Gerichtshof korrigierte und jetzt rechtskräftige Urteil für die Almwirtschaft nun ein gutes oder ein weniger gutes?
Es bedeutet gegenüber dem Ersturteil eine wesentliche Verbesserung. Es gibt den Alpbewirtschaftern mehr Sicherheit und verlangt von den Wanderern Eigenverantwortung. Sie müssen die zehn Verhaltensregeln gesetzlich verbindlich einhalten. Die Almwirtschaft braucht Klarheit und Sicherheit. Diese hat sie mit diesem Gesetz.
Wie sollen die Alpbesitzer damit umgehen?
Es wird empfohlen, auf besonders sensiblen Routen Wanderwege kleinräumig umzulegen. In Vorarlberg werden solche Überlegungen bereits angestellt. Man muss sich bestimmte Bereiche, wo Wanderer auf Mutterkühe treffen, genau anschauen. Grundsätzlich wichtig ist eine Kultur des Hinschauens, sodass ein harmonisches Miteinander von Alpwirtschaft und Tourismus in den Bergen gewährleistet ist.
Hat es heuer bereits wieder problematische Vorkommnisse auf Alpen gegeben?
Von Vorarlberg ist mir diesbezüglich nichts bekannt. In Tirol wurde von zwei Fällen berichtet. Bei einem davon handelt sich um einen Klassiker: Ein Wanderer ging mit einem Hund mitten durch eine Weide mit Mutterkühen und Kälbern, als es zu einer gefährlichen Situation kam.

Haben Sie von der neuen, im Internet verbreiteten, Mutprobe erfahren, bei der Menschen mit wilden Gesten Kuhherden erschrecken und sich dabei filmen lassen?
Ja, das habe ich. Wir haben das auch beim Almwirtschaftsgipfel kurz besprochen. Gegegen solche Dinge gehört mit aller Vehemenz eingeschritten und die Akteure saftig bestraft. Das sind unverantwortliche und gegenüber den Tieren völlig respektlose Handlungen.
Gibt es in Vorarlberg Alpbewirtschafter, die das Kuhurteil zur Aufgabe ihrer Alpen veranlasst hat?
Nein, davon habe ich nichts gehört. Aber ich kann nur an all jene Alpbewirtschafter appellieren, die wegen dieses Problems große Sorgen plagen: Sucht das Gespräch, lasst uns mit allen Beteiligten reden und eine Lösung suchen. Überhaupt müssen Landwirtschaft und Tourismus beim Auftreten von Problemen auf Augenhöhe miteinander reden.
Hat es beim Almwirtschaftsgipfel auch noch andere wichtige Themen gegeben?
Ja, es wurde im Rahmen einer Partnerschaft zwischen Alpwirtschaft und Tourismus eine Vereinbarung getroffen, künftig Alpprodukte als solche klar zu kennzeichnen und so Anerkennung, Wertschätzung und Einmaligkeit der Alpwirtschaft zum Ausdruck zu bringen.
War die Weideflächenmessung, die in den letzten Jahren für viel Unmut gesorgt hat, kein Thema?
Nein. Und zwar deswegen nicht, weil derzeit ein digitales Modell in Erprobung ist, das bald eine exakte Bemessung der Weideflächen möglich machen soll. Dieses soll im August getestet und dann bewertet werden.
Wie ist die Alpsaison in Vorarlberg angelaufen?
Sie läuft bisher sehr gut. Es gibt einen guten Bewuchs, und es suchen sehr viele Menschen derzeit die Berge für Erholungszwecke auf. Dies auch deshalb, weil viele ihren Urlaub heuer zu Hause verbringen und dort Erholung und Entspannung suchen, wo es besonders schön ist: in den Bergen und auf den Alpen.
Verhaltensregeln für Alpwanderer
1.) Kontakt zum Weidevieh vermeiden, Tiere nicht füttern, sicheren Abstand halten
2.) Ruhig verhalten, Weidevieh nicht erschrecken!
3.) Mutterkühe beschützen ihre Kälber, Begegnungen von Mutterkühen und Hunden vermeiden!
4.) Hunde immer unter Kontrolle halten und an der kurzen Leine führen. Ist ein Angriff durch ein Weideitier abzusehen: Sofort ableinen!
5.) Wanderwege auf Almen und Weiden nicht verlassen!
6.) Wenn Weidevieh den Weg versperrt, mit möglichst großem Abstand umgehen!
7.) Bei Herannahen von Weidevieh: Ruhig bleiben, nicht den Rücken zukehren, den Tieren ausweichen!
8.) Schon bei ersten Anzeichen von Unruhe der Tiere Weidefläche zügig verlassen!
9.) Zäune sind zu beachten! Falls es ein Tor gibt, dieses nutzen, danach wieder gut schließen und Weide zügig queren!
10.) Begegnen Sie den hier arbeitenden Menschen, der Natur und den Tieren mit Respekt!