Ärzte fordern höhere Testkapazitäten

Vorarlberg / 23.07.2020 • 19:50 Uhr
Ärzte fordern höhere Testkapazitäten
Die Infektionsordination hat sich laut den Medizinern sehr bewährt. VN/STEURER

Auch ein Pandemiebeirat soll installiert werden.

dornbirn “Dass es auch in Vorarlberg irgendwann zu einem Coronacluster kommen wird, war absehbar”, kommentierte Ärztekammervizepräsident Burkhard Walla das Geschehen in Frastanz am Rande einer Pressekonferenz, bei der die Ärztevertreter ihre Erfahrungen aus der Coronakrise darlegten. Mit dem heutigen Wissen fühlen sich die Mediziner besser für eine mögliche weitere Infektionswelle gerüstet. Zu Beginn der Pandemie war das keineswegs der Fall. “Niemand hatte Erfahrung mit einer solchen Situation”, räumte Ärztekammerpräsident Michael Jonas ein. “Wir waren nicht in die Gesamtstruktur eingebunden”, merkte sein Stellvertreter kritisch an.

Schwierige Beschaffung

Die niedergelassenen Ärzte mussten sich anfangs selbst helfen, um infektiöse und nichtinfektiöse Patienten zu trennen. Eine verbindliche Planung gab es nicht. Die scheiterte an den gesetzlichen Möglichkeiten. Tatsächlich mussten in der Hochphase der Pandemie 50 Ordinationen wegen Quarantänemaßnahmen geschlossen werden. Eine zusätzliche Schwierigkeit war, dass die Ärzte nicht informiert wurden, wenn einer ihrer Patienten ein Covidfall war. Das verhinderte der Datenschutz. Auch die ÖGK bekam ihr Fett ab. Am Beispiel der Infektionsordination hat sich laut Walla gezeigt, dass schnelles Handeln auf regionaler Ebene nicht möglich ist. Mit Hilfe des Landes konnte das Projekt unter Leitung von Robert Spiegel dann doch verwirklicht werden. Als großes Problem erwies sich auch die Beschaffung von Schutzausrüstung. Michael Jonas betonte, dass es in der Verantwortung des Landes liege, entsprechendes Material für den medizinischen Bereich immer vorrätig zu halten.

Zudem wird in Hinblick auf den Herbst eine Aufstockung der Testkapazitäten auf mindestens 2000 pro Tag sowie die Einrichtung eines Pandemiebeirats mit medizinischer Expertise gefordert. Primaria Ruth Krumpholz, Chefärztin im LKH Bludenz, das für Covidpatienten freigeräumt worden war, sprach von einer insgesamt schmerzlichen Geschichte. “Man sollte das den Spitälern Hohenems und Bludenz nicht mehr antun”, sagte sie. Vielmehr gelte es, draußen Rahmenbedingungen für eine gute Patientenversorgung zu schaffen.