Rekordtodesrate bei Rinder-TBC

145 Tiere mussten im letzten Jahr im Zusammenhang mit TBC oder TBC-Verdacht getötet werden.
Bregenz “Es ist betrüblich”, fasst Landesveterinär Norbert Greber (56) das zusammen, was er und seine Mitarbeiter beziehungsweise betroffene Landwirte in den vergangenen zehn Monaten erleben mussten. Nicht weniger als 145 Rinder fanden in diesem Zeitraum einen unvorhergesehenen Tod. 133 davon betrafen allein zwei Höfe in Nüziders und Bings, wo aufgrund von jeweils über 40 Prozent positiver TBC-Tests die gesamten Bestände gekeult werden mussten.
Noch zwei Betriebe gesperrt
In der TBC-Untersuchungsperiode von November 2019 bis Februar 2020 wurden 8408 Rinder sowie 29 Ziegen in 756 Betrieben auf den TBC-Erreger untersucht. Mit den Untersuchungen waren 15 Tierärzte sowie die Amtstierärzte der betroffenen Bezirke beauftragt. “Idealerweise sind zu Beginn der Alpasaison alle Betreibe wieder TBC-frei”, bemerkt Greber. Das waren sie heuer aber leider nicht. Grund dafür sind zwei postive Befunde bei Schlachtvieh, wobei jener vom Mai dieses Jahres dafür verantwortlich ist, dass derzeit noch zwei Betriebe gesperrt sind. Insgesamt 17 Bestände wurden seit vergangenem September vorläufig gesperrt. Damals war eine Schlachtkuh in Nüziders positiv getestet worden, was später aufgrund der über 40-prozentigen Verseuchung im Betrieb zur Keulung des gesamten Bestandes führte.
Tirol TBC-frei
Bei den jetzt noch betroffenen Betrieben – ein Großhof in Feldkirch, wo eine Kuh positiv getestet wurde, sowie ein Kontaktbetrieb – erfolgt in Kürze die erste Nachtestung, doch erst eine weitere Testung mit negativem Ergebnis vier Monate später wird diese Betriebe wieder voll wirtschaftsfähig machen.
Norbert Greber räumt ein, dass es österreichweit nur in Tirol und Vorarlberg Fälle von Rinder-TBC gab und gibt. “Wobei in Tirol in den letzten beiden Jahren keine Übertragungen des TBC-Erregers auf Viehbestände mehr stattgefunden haben”, berichtet der Experte. Von den Nachbarregionen ist die Schweiz bisher völlig TBC-frei, Fälle mit Bestandskeulungen gibt es hingegen in Bayern und im Allgäu.
“Ultima ratio”
Warum aber zählt Vorarlberg regelmäßig zu den Regionen mit TBC-Verdachtsfällen oder gar offener TBC? Laut Norbert Greber hat das mit der noch immer zu hohen Zahl an TBC-verseuchtem Wild zu tun. “So lange es beim Rotwild eine so hohe Prävalenz gibt, so lange werden wir den TBC-Erreger auch nicht aus den Viehställen rausbekommen”, lautet seine Gleichung.

Im Gegensatz zur Jägerschaft befürwortet Greber die Verwendung von Reduktionsgattern als “ultima ratio”. “Es kann nicht sein, dass wir Jahr für Jahr aus dem Silbertal dieselben Begründungen dafür bekommen, warum die Abschussquote nicht erfüllt wurde und die Prävalenz stets im zweistelligen Bereich bleibt.” Die Verordnung mit Maßnahmen einschließlich der Einrichtung von Regulierungsgattern sei jetzt an die betroffenen Stellen geschickt worden. Eine Entscheidung über das von allen Interessensgruppen gemeinsam erarbeitete TBC-Paket steht noch aus.
“Als ‘ultima ratio’ darf ein Reduktionsgatter für Rotwild nicht tabu sein.”
Norbert Greber, Landesveterinär
Von den heimischen Jägern gibt es nach der Tötung von 34 Stück Rotwild in einem solchen Regulierungsgatter in Tirol ein striktes Nein zu dieser Art der Bestandskontrolle. Es sei dies ein grausames Massaker an Tieren, sagen sie. Greber hält dagegen: “Man muss blind sein, um zu sagen, dass eine solche Maßnahme letztlich nicht zielführend und verantwortungsvoll ist. Sie ist eine Maßnahme zum Schutz von Tieren. Ich könnte mir ein solches Regulierungsgatter mit wenigstens acht Stück Wild vorstellen. Natürlich nur dann, wenn es wirklich keine anderen Möglichkeiten gibt. “