Rauchzeichen
Dies ist ein ernsthafter Vorgang. Die Leichtigkeit, mit der grillende Männer an der Bierflasche nippen – alles Fassade! Dahinter lauert der Koch in Perfektion, das Gefühl für den richtigen Zeitpunkt, der Röntgenblick, der dem Hühnerflügel seinen Garzustand ansieht. Man grillt nicht einfach so. Mann grillt aus Berufung.
Künstler sind leicht kränkbar. Die zerbrechlichen Seelen, ewig unverstanden, erdulden viel. Wenn die Gästeschar dann aber jubelt, wenn auch die Gattin – einer studentischen Hilfskraft gleich – mit allerlei Salaten einen durchwegs akzeptablen Rahmen schuf und nun ihrerseits dem Maestro die Referenz erweist, ist alles gut.
Zwei Häuser weiter hat die Ankündigung des Grillabends die sofortige Sicherheitsverwahrung der noch trocknenden Wäsche nach sich gezogen. Die Fenster werden luftdicht verschlossen. Masken werden ausgegeben. Anderntags können die Zaungäste des gesellschaftlichen Ereignisses immerhin Fotos der knusprigen Lustbarkeiten in den sozialen Medien bewundern. Auf eine Entzifferung der Rauchzeichen, die offenbar ganze Romane erzählt haben, warten sie vergebens.
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