Bürgerprotest gegen gefährlichen Schwerverkehr in Wohngebiet

Altacher Anrainern reichts. Sie planen Blockade gegen Lkw-Lawinen durch ihre engen Wohnstraßen.
Altach Die erste Begegnung mit einem riesigen Lastwagen erfolgt gleich nach der Ausfahrt vom Kreisverkehr in die Straße Obere Hub. Ein polnischer Sattelschlepper strebt in die entgegengesetzte Richtung auf dem Weg zur nahegelegenen Autobahn. Als Schwächerer empfiehlt es sich, erstmal stehen zu bleiben und die Situation einzuschätzen. Das Passieren wird zur Maßarbeit. Vor der folgenden Rechtskurve befindet sich linker Hand das Haus Obere Hub 7.
Mehrere Anrainer der Straßen Obere Hub und Untere Hub haben sich dort eingefunden, während sich fast im Stakkato ein Lkw nach dem anderen um die Kurve müht. Die Begegnungen von Fahrzeugen aller Art gestalten sich an dieser Stelle zu Herausforderungen. Vor allem dann, wenn Schwerfahrzeuge involviert sind.
Immer wieder Sachschäden
“Was sich speziell hier, aber auch auf den anderen Straßen in dieser Gegend Tag für Tag abspielt, ist unglaublich”, hält Andreas Mayer fest. “Die Lkw fahren über den Gehsteig, es werden Zäune zerstöhrt, Boller niedergefahren, Autoschäden verursacht. Mir persönlich hat man schon ein Auto fast zu Schrott gefahren.”
Gerade pfeift der Lkw einer Baufirma mit viel Tempo ums Eck. Die Anrainer schreien auf. “Was soll das!”, ruft man dem Fahrer nach. Die Anrainer haben auf ihrer engen Wohnstraße, in deren Verlauf bis zum Ende der Große Wies-Straße 22 Firmen angesiedelt sind, schon bis zu 200 Lkw an einem Tag gezählt. Was sich da auf der ca. fünf Meter breiten Straße (inklusvie Gehsteig) abspiele, sei unvorstellbar. “Ich musste schon öfters hinter den Zaun eines Hauses springen, um mich vor den Lastern zu retten”, erzählt der achtjährige Felix Mittelberger.

Alptraum Traktor mit Anhänger
Melanie Bachmeier berichtet von schreienden Kinder, die vor Lkw in Privatgärten geflüchtet seien, während Erich Burschovsky den Alptraum einer gefährlichen Verkehrssituation beschreibt. “Wenn große Traktoren mit ihren Riesenrädern samt Anhänger hier rücksichtslos durchbrettern, dann wird es sehr gefährlich.”
“Bei durchbretternden Traktoren mit Riesenrädern wird es besonders gefährlich.”
Erich Burschowsky, Anrainer
Die meisten der Schwerfahrzeuge tun das nicht. Und die Anrainer pflegen mit den ihnen bekannten Fahrern sogar ein amikales Verhältnis. “Die sagen uns von sich aus, dass wir ihnen leid tun, sie aber nichts dafür können, wenn sie bei uns durchfahren müssen”, erzählt Monika Mittelberger.
Lösungsidee der Anrainer
Für die Anrainer gibt es nur eine echte Entlastungslösung: “Das wäre eine Zufahrtsstraße zu den Betrieben parallel zur Autobahn auf der anderen Seite. Da ist ein Geländestreifen, der sich dafür anböte, ohne das Naherholungsgebiet zu tangieren. Via Schleife und Querung der Autobahn auf einer bestehenden Brücke könnten die Lkw zu den Betrieben gelangen”, erklärt Andreas Mayer.
Diesen Lösungsvorschlag der Anrainer möchten die Altacher Grünen zumindest seriös geprüft sehen. “Es gibt eine Reihe von Vorschlägen. Unter anderem auch diesen. Alle diese Vorschläge muss man sich genau anschauen”, sagt Bernie Weber von den Altacher Grünen.
Brändle und die Verlagerung
Während Dieter Klien, Anwalt der erzürnten Anrainer, von einem klaren Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung aufgrund der Befahrung der Gehsteige durch Lkw spricht, kann der scheidende Altacher Bürgermeister Gottfried Brändle dem Variantenplan der Betroffenen nichts abgewinnen. Für ihn ist nur ein Autobahnanschluss weiter nördlich auf ungefährer Höhe der Raststätte vorstellbar, um die Anrainer wenigsten von den Lkw zu verschonen, welche zum Kieswerk und zur Aushubdeponie fahren. Andere Maßnahmen mit der Vermeidung von Schwerverkehr im Zusammenhang mit anderen Unternehmen in der betroffenen Region sieht er als nicht umsetzbar. “Wir würden immer nur eine Verlagerung von Verkehr in andere Wohngebiete erzeugen. Damit hätte man in Götzis keine Freude”, gab Brändle gegenüber den VN an.
Ungeachtet dessen, was sich in nächster Zeit tut oder auch nicht, werden die leidgeprüften Anrainer eine Protestaktion durchführen. Für Freitag, den 21. August, rufen sie zu einer Protestveranstaltung mit Straßenblockade auf.